Schock-Nachricht für den medizinischen Standort in Horb: Die geriatrische Reha-Klinik in Horb steht vor dem Aus. Findet sich kein privater Anbieter, soll die Einrichtung komplett aufgegeben werden. Das wird dem Kreistag als Sparmaßnahme vorgeschlagen.
Als der Krankenhaus-Standort Horb vom Landkreis Freudenstadt aufgegeben wurde, war die Klinik für geriatrische Rehabilitation in Horb ein kleines „Trostpflaster“. Seit Jahren ist sie eine feste Konstante am medizinischen Standort – allerdings wohl eine, die sich finanziell (nicht mehr) auszahlt.
Die Haushaltskonsolidierung bringt nun die Schließung der geriatrischen Reha in Horb ins Spiel. In der Vorlage heißt es, dass die Konsolidierung seines Haushalts zentrale Aufgabe für den Landkreis Freudenstadt sei. „Da das Defizit der KLF gGmbH ein wesentlicher Faktor der derzeitigen desolaten Haushaltssituation des Landkreises ist, müssen alle möglichen Anstrengungen zur Senkung des Defizits unternommen werden.“ Hauptverantwortlicher für dieses Defizit sei der Bund, erklärt die Verwaltungsspitze.
Defizit der KLF soll reduziert werden
Das Ziel nun: die Reduzierung des Defizits der Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt (KLF) gGmbH. „Hierzu gehört die Geriatrische Reha am Standort Horb“, heißt es dann.
Doch wie geht es der Reha in Horb? Auch hier gibt die Verwaltung vor der Abstimmung am Montag schon einmal Einblicke, die auch einen privaten Anbieter nicht gerade anlocken könnten.
Der Tagessatz decke nicht einmal die Personalkosten, heißt es dort. Zusätzliche Betten würden insbesondere aufgrund des nachzuziehenden Personals nicht zu einer besseren wirtschaftlichen Situation führen. Eine Reduzierung auf eine Station mit 25 Betten würde den Verlust lediglich um circa 400.000 Euro verringern. Außerdem ist die Einrichtung in Horb keine, die schwerpunktmäßig für die Menschen im Kreis Freudenstadt betrieben wird. Denn 65 Prozent der Patienten kommen laut Vorlage von auswärts.
Das ist die Empfehlung des Aufsichtsrates
Das Urteil der KLF deshalb: „Daher spricht sich der Aufsichtsrat für die Schließung aus, sofern kein anderer Betreiber gefunden wird.“ Diese Empfehlung hat das Gremium in seiner Sitzung am 20. März beschlossen.
Das erste Ziel ist es also, den Betrieb der Geriatrischen Reha Horb an einen anderen Betreiber abzugeben und nur noch als Vermieter der Räumlichkeiten zu fungieren. Die Frist hierfür ist allerdings kurz. Das muss bis zum 31. Mai gelingen. Ansonsten ist eine Schließung der Reha baldmöglichst, spätestens jedoch zum 30. September 2025 geplant.
Was aus den Angestellten wird
Und was ist mit den Angestellten? In der Vorlage heißt es dazu: „Für die Mitarbeiter der Geriatrischen Reha gäbe es dann die Option des Einsatzes im stationären Betrieb der KLF, zum Beispiel im Bereich der ‘Übergangspflege‘ oder auf diversen Stationen. Betriebsbedingte Kündigungen werden ausgeschlossen.“ Es ist aber wohl trotzdem eine Entscheidung, die auch in der Belegschaft für Unruhe sorgt.
Geschockter Arzt meldet sich zu Wort
So meldet sich Bernhard Vollmer, Facharzt für Allgemeinmedizin und „Teilzeit“-Arzt an der geriatrischen Reha in Horb, bei unserer Redaktion. Er sagt: „Die Art und Weise verletzt die Bedürfnisse der alten Menschen im Kreis Freudenstadt und darüber hinaus.Die ‘Hau-Ruck-Art‘ des Vorgehens ist beschämend.“ Die Öffentlichkeit in dem Entscheidungsprozess „bewusst außen vor zu lassen“, sei aus Bürgersicht inakzeptabel. Er bemängelt auch „fehlende Transparenz“. „Hier wird wieder einmal gegen eine Gruppe vorgegangen, die sich nicht oder zumindest nicht adäquat wehren kann: alte, kranke Menschen.“
Der Kreistag wird den Vorschlag nun am Montag, 31. März, ab 17.30 Uhr beraten.