Die Verwaltung stellt die Idee zur Diskussion. Foto: DOC RABE Media – stock.adobe.com/Montage: Holweger

Die ärztliche Versorgung in Rottweil steht vor einem Kipp-Punkt. Die Stadt kann da nicht viel tun, außer Anreize zu schaffen. Und die bergen Diskussionsstoff.

In Rottweil tut sich ein Horrorszenario auf. Immer mehr Haus- und Fachärzte, wie Kinderärzte, gehen in den Ruhestand. Nachwuchs, der die entstehenden Löcher in der ärztlichen Versorgung der Bevölkerung stopfen könnte, bleibt aus. Praxen schließen, Kassensitze verwaisen, Patienten müssen sich andere Ärzte suchen, die wiederum völlig überlastet sind.

 

Bleibt das so, ist die medizinische Versorgung der Bevölkerung langfristig gefährdet. Diese Entwicklung beobachtet die Stadtverwaltung mit Sorge. Wenngleich die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) dafür zuständig ist, die ärztliche Versorgung sicherzustellen – die Stadt möchte etwas tun. Sie will Anreize schaffen.

Wenn am Mittwoch der Kultur-, Sozial- und Verwaltungsausschuss (KSV) zusammenkommt, unterbreitet die Verwaltung einen Vorschlag. Dieser soll dafür sorgen, dass Rottweil für Ärzte, die sich niederlassen wollen, attraktiver wird.

Erster Hebel Grundstücke

Konkret möchte die Stadtverwaltung Wohnbaugrundstücke bevorzugt an bereits in Rottweil niedergelassene Ärzte oder Ärzte, die sich in Rottweil niederlassen werden, vergeben. Bislang, so ist in den Sitzungsunterlagen zu lesen, seien bei dem üblichen Vergabeverfahren für Baugrundstücke regelmäßig Ärzte und Ärztepaare nicht zum Zug gekommen.

Voraussetzung soll unter anderem sein, dass die betroffenen Mediziner in Fachgebieten arbeiten, die nach der Berechnung der KVBW eine akute oder drohende Unterversorgung in der Raumschaft Rottweil aufzeigen. Dies wären laut Liste bis auf Chirurgen und Orthopäden alle – vom Hausarzt über Frauenärzte und Psychotherapeuten bis zum Kinder- und Jugendmediziner. Und Voraussetzung ist auch, dass sich der Arzt für mindestens fünf Jahre zum Praxiserhalt verpflichtet.

Zweiter Hebel Betreuung

Von einer positiven Entwicklung bei der ärztlichen Versorgung würden schließlich alle profitieren, argumentiert die Stadtverwaltung in der Beschlussvorlage. Daher sei die geplante Direktvergabe von Grundstücken gerechtfertigt. Und diese könnten sich in folgenden Baugebieten befinden: Bronnenkohl-Rauzen in Hausen, Brunnenäcker II in Göllsdorf und eine Baulücke im Karl-Glatz-Weg in Neufra.

Eine zweite Möglichkeit, Anreize zu schaffen, sieht die Stadtverwaltung in der bevorzugten Vergabe von Kindergarten- und Krippenplätzen. Das bedeutet folgendes: Zum einen könnten niedergelassene und angestellte Mediziner bei der zentralen Vormerkung priorisiert werden. Technisch geht das so, dass bei der Anmeldung aufgezeigt wird, dass die Person Arzt oder Ärztin in einem unterversorgten oder drohend unterversorgten Fachgebiet ist. Sie wird dann je nach Bedarf, Betreuungszeit, Standort und Platzangebot behandelt.

Zusätzlich könnten Mediziner berücksichtigt werden, die zwar nicht in Rottweil wohnen, aber arbeiten – deren Kinder könnten dann in einer der hiesigen Kindergärten oder Krippen betreut werden.

Weitere Themen

Die Ausschusssitzung beginnt am Mittwoch um 17 Uhr im Sitzungssaal des Neuen Rathauses. Auf der Tagesordnung findet sich außerdem ein weiteres Reizthema: die Kindergartengebühren.

Im Anschluss, gegen 18.30 Uhr, kommt der Umwelt- Bau- und Verkehrsausschuss (UBV) zusammen. Dann geht es unter anderem um das Radwegenetz und um die geplante PV-Anlage im Bereich Hardthaus an der Bundesstraße 27 Richtung Neukirch.