Freuen sich, dass die kinderarztlose Zeit in St. Georgen endet (von links): Bürgermeister Michael Rieger, Michael Waas, Boris Burcza und Julia Bergis. Foto: Helen Moser

2017 schloss die damals einzige Kinderarztpraxis in St. Georgen – seitdem muss die Bergstadt ohne einen solchen Mediziner auskommen. Das ändert sich nun: Mit Michael Waas hat die Stadt ab 1. April einen neuen Kinderarzt. Die Nachfrage ist groß.

Michael Waas ist ab diesem Dienstag, 1. April, als Kinderarzt in St. Georgen tätig. Damit füllt er eine für viele Eltern und Kinder schmerzliche Lücke, die entstand, als der damals einzige Kinderarzt in St. Georgen, Viktor Mil, im Jahr 2017 seine Praxis schloss. Waas wird in Teilzeit halbtags als angestellter Arzt in der Gemeinschaftspraxis Probst arbeiten.

 

Dort hat er schon einen großen Stamm an kleinen Patienten. Denn aktuell behandelt die Gemeinschaftspraxis, eigentlich eine Praxis für Allgemeinmedizin, bereits etwa 500 Kinder. Ein überproportional großer Anteil bei einem Gesamtpatientenstamm von rund 3000 Personen, wie Julia Bergis, zusammen mit Boris Burcza und Hertha Maria Potschaske, Inhaberin der Gemeinschaftspraxis, anmerkt.

„Wir versorgen schon seit Jahren die Kinder aus St. Georgen und Umgebung“, sagt Bergis – auch wegen des Mangels an Kinderärzten vor Ort. Unter anderem biete die Praxis die U-Untersuchungen, die bei Kindern bis etwa zwei Jahren anstehen, an. Denn die nächsten Praxen liegen in Villingen-Schwenningen, Furtwangen und Schramberg – und selbst wer die Wege auf sich nehmen würde, kann Probleme haben, einen Platz zu bekommen.

Das weiß Waas aus eigener Erfahrung. Der Kinderarzt wohnt mit seiner Familie in Königsfeld – „und der Bedarf wäre auf jeden Fall da, das hört man an allen Ecken und Enden“, sagt er. In Königsfeld und Umgebung habe er daher immer wieder von der Gemeinschaftspraxis Probst in St. Georgen gehört. „Für viele ist das die nächstgelegene Stelle, an der auch Kinder behandelt werden“, erklärt Waas.

Überhaupt eine Option?

Für den Kinderarzt war es daher naheliegend, nach seiner Elternzeit auf die St. Georgener Praxis zuzugehen. Zumal er die Bergstadt bereits aus seiner Jugend kannte: Waas wuchs in Königsfeld auf und kehrte nach einiger Zeit in der Ferne – unter anderem arbeitete er elf Jahre lang in einer Klinik im Raum Leipzig – wieder in den Kurort zurück. Gesagt, getan: Ob ein Kinderarzt für die Gemeinschaftspraxis überhaupt eine Option wäre, wollte Waas zunächst abklären. „Und siehe da, die Antwort kam sehr schnell“ – und sie war positiv.

Nur schrittweise neue Kinder

„Für uns ist das eine große Erleichterung“, freut sich Bergis. Denn immerhin hat die Gemeinschaftspraxis schon eine ganze Reihe von Patienten, derer sich der Kinderarzt sofort annehmen kann. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch: Einen großen Ansturm junger Patienten kann die Praxis gar nicht aufnehmen. Nur schrittweise sollen neue Kinder zum bereits bestehenden Patientenstamm hinzukommen. Immerhin: Ab dem zweiten Quartal wird die Gemeinschaftspraxis durch die Unterstützung auch einige neue Patienten aufnehmen können, sagt Bergis – allerdings nur Menschen, die bislang gar keinen Hausarzt haben. Denn davon gebe es auch in St. Georgen einige.

Waas: „Werden sehen, wie es sich entwickelt“

Und wie sieht es in Zukunft mit Blick auf die kinderärztliche Versorgung aus? Wird sie vielleicht ausgeweitet? „Wir werden sehen, wie es sich entwickelt“, meint Waas. Der Bedarf im kinderärztlichen Bereich sei sicherlich da, meint Bergis. „Wir sind dafür grundsätzlich offen“, betont sie deshalb.

Zunächst aber freuen sich alle Beteiligten darüber, dass St. Georgen ab April grundsätzlich wieder einen Kinderarzt hat. Auch Bürgermeister Michael Rieger sieht das als großen Gewinn: Anstrengungen der Stadt hatten bislang keine Früchte getragen. „Aber man sieht: Es ist nicht aussichtslos“, konstatierte Rieger.