Das Ärztehaus in Wyhlen gilt als Musterbeispiel. Foto: Heinz Vollmar

Vor 25 Jahren praktizierten in Grenzach-Wyhlen noch 16 Mediziner. Heute sind es acht. Nicht nur mithilfe des Ärztehauses soll gegengesteuert werden.

Im Jahr 2017 hatte die Verwaltung der Gemeinde gemeinsam mit den in Grenzach-Wyhlen ansässigen Allgemeinmedizinern die Gespräche zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in der Gemeinde auf. Daraus entstand das Konzept eines Ärztehauses, das 2022 eingeweiht wurde und zu einem Leuchtturmprojekt geworden sei. So formulierte es Ulrike Ebi-Kuhn (CDU) in der Sitzung des Hauptausschusses am Donnerstag, in deren Rahmen ein Sachstandsbericht gegeben wurde.

 

Über die Entwicklung der Praxis in der Gartenstraße referierten die verantwortliche Medizinerin Martina Franke-Rothfuchs und ihr Arztkollege Andreas Fluck.

Massiver Ärztemangel

Beide berichteten, dass es Anfang 2000 bei damals 13 800 Einwohnern in der Doppelgemeinde noch 16 Ärzte inklusive Fachärzte gegeben habe. Aktuell seien es nur noch acht Ärzte in Vollzeit bei mittlerweile 15 500 Einwohnern. Sie machten damit auf einen eklatanten Ärztemangel aufmerksam, der dringend gestoppt werden müsse.

Gleichzeitig gingen sie auf die Historie für den Bau des nunmehr bestehenden Ärztehauses in Wyhlen ein. Als Besonderheit bezeichneten sie die Zusammenführung zweier alteingesessener Praxen mit Konvertierung der Daten der Bestandspatienten in ein gemeinsames Datenverarbeitungssystem. Seither habe die Hausarztpraxis eine rasante Entwicklung erfahren und habe aktuell 5000 Patienten in der Kartei, was eine der höchsten Patientenzahlen bezogen auf die Ärztezahl in ganz Südbaden bedeute. Betreut werden die Patienten derzeit von Martina Franke-Rothfuchs (Innere Medizin und Nephrologie), Andreas Fluck (Allgemeinmedizin) sowie drei angestellten Ärzten mit Anna Kristin Reifferscheid (Allgemeinmedizin in Teilzeit), Ute Heiler (Chirurgie/Wirbelsäulenchirurgie, Ärztin in Weiterbildung für Allgemeinmedizin in Teilzeit), Daniel Ultze Gomes (Innere Medizin, Arzt in Weiterbildung für Allgemeinmedizin) sowie 14 medizinischen Fachangestellten.

Darüber hinaus sei die Hausarztpraxis auch Ausbildungsbetrieb für Medizinische Fachangestellte und wichtiger Arbeitgeber für Ärzte und Medizinische Fachangestellte. Die wichtige Nachwuchsförderung für Studenten sowie Ärzten in Aus- und Weiterbildung als akademische Lehrpraxis der Uni Freiburg zähle ebenfalls zu den Aufgaben Hausarztpraxis, so die Ausführungen von Franke-Rothfuchs und Fluck.

Standortmarketing

Beide Mediziner verwiesen auf enorme Herausforderungen: der demografische Wandel, die ausufernde Bürokratie, die Digitalisierung, die Grenznähe zur Schweiz, aber auch eine steigenden Anspruchshaltung von Patienten.

Die beiden Mediziner riefen die Kommune dazu auf, die Attraktivität für niederlassungswillige Ärzte zu steigern. Dazu gehöre nicht nur ein gezieltes Standortmarketing, sondern vor allem auch die Bereitstellung von Wohnraum sowie kostenfreie Unterkünfte für Studenten im Rahmen der Aus- und Weiterbildung. Denn die hausärztliche Grundversorgung in Grenzach-Wyhlen befinde sich an einem Kipppunkt. Es seien daher enorme Anstrengungen nötig, damit Grenzach-Wyhlen ein lebenswerter Ort bleibe, an dem sich auch angehende Ärzte gerne niederlassen würden, sagten Franke-Rothfuchs und Fluck in ihren Ausführungen.