Ladislav Plesak, Michael Hoyer und Jörg Bayer (von links) trafen beim traditionell medizinischen Einstieg zur Veranstaltungsreihe "Story-VS" in der Neuen Tonhalle auf rund 300 Interessierte. Foto: Heinig

"Es wird nicht blutiger als beim Samstagabendkrimi", versprach Jörg Bayer beim traditionell medizinischen Einstieg in die Story-VS-Reihe von Michael Hoyer. Der Direktor der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Schwarzwald-Baar-Klinikum berichtete gemeinsam mit Ladislav Plesak über seinen "Knochenjob".

Villingen-Schwenningen - Das Medizin-Special Mit rund 300 Besuchern knüpfte man zwar nicht ganz an das Vor-Corona-Niveau an, doch Veranstalter Michael Hoyer war zufrieden mit der Resonanz beim Restart seiner Veranstaltungsreihe mit acht Events im kommenden Winterhalbjahr.

Mit Jörg Bayer sowie dem ärztlichen Leiter des Endoprothetikzentrums am Klinikum, Ladislav Plesak, hatte er erneut zwei namhafte Mediziner gewinnen können. Damit gaben am Donnerstagabend in der Neuen Tonhalle zum 12. Mal Ärzte des Schwarzwald-Baar-Klinikums einem interessierten Publikum tiefe Einblicke in ihre Arbeit.

Häufige Unglücke im Haushalt

Keiner im Saal mochte es sich vorstellen, erfuhr jedoch, dass er als statistisch gesehen am häufigsten im eigenen Haushalt verunglückten Unfallopfer in der Traumaklinik der Schwarzwald-Baar-Klinik, Mitglied des zertifizierten Traumanetzwerkes Schwarzwald-Bodensee, bestens aufgehoben wäre.

Am Beispiel eines 54-jährigen schwer verletzten Mannes, in 25 Prozent aller Verkehrsunfallopfer ein Motorradfahrer, beschrieb Bayer den Weg des Patienten. Mit dem Hubschrauber gebracht, dem einzigen in Baden-Württemberg, der auch nachts fliegen darf, landet er zuerst im interdisziplinär besetzten und mit einem Computertomographen ausgestatteten Schockraum. Ein kleiner Schock für die Zuhörer: das dauert durchschnittlich 90 Minuten. Eine Abfrage hatte zuvor ergeben, dass die meisten dafür 30 Minuten für am wahrscheinlichsten hielten. Bayer kommentierte: "Diese Zeit muss geringer werden".

Methoden der Unfallchirurgie im Wandel

Mit Sofort-Operationen wird das Überleben des Verunfallten vor Ort gesichert, bevor er mit späteren Notfall-OPs stabilisiert wird und mit geplanten Eingriffen Lebensqualität zurückerhält, bevor er, begleitet von Orthesenbehandlung, Lymphdrainage, Ergo- oder Physiotherapie in sein häusliches Umfeld entlassen wird.

Die Methoden der Unfallchirurgie haben sich seit dem Schlingenbett von 1950, in dem ein Patient fixiert rund 12 Wochen lang liegen musste, drastisch verändert. Heute helfen insbesondere moderne Navigationsgeräte dabei, Knochenbrüche mit Platten, Schrauben und Implantate minimalinvasiv zu richten. Die Zukunft liege in der Virtual und Augemented Reality, mit deren Hilfe Spezialisten auch über Ländergrenzen hinweg am gleichen Patienten arbeiten können, berichtete Bayer.

250 000 künstliche Gelenke pro Jahr

Ladislav Plesak blickte auf Nicolas Andry zurück, der Ende des 17. Jahrhunderts mit dem Versuch, Kinder mit verkrümmten Wirbelsäulen gerade zu strecken, der erste Orthopäde ("Orthopädia", das gerade Kind) war. Er zeigte, wie man früher Klumpfüße, Hüftdysplasien, O- und X-Beine operativ richtete und wie man es heute tut.

Viel häufiger, in Deutschland nämlich 250 000 Mal pro Jahr, werden indes Hüft- und Kniegelenke gegen künstliche ersetzt. Dem ging das "Ringen um Präzision" voran. Inzwischen sei man bei individuellen und anatomisch optimierten Titan-Prothesen angekommen, die, insbesondere beim "segensreichen" Hüftersatz - "damit machen wir Lahme gehend" (Plesak) – Dank Extensionstisch ohne Muskeldurchtrennung eingesetzt werden können.

Auch bei der Erfüllung des Traums eines jeden Orthopäden, Knorpel zu ersetzen, sei man große Schritte weitergekommen, allerdings nicht bei Arthrose. Die Entwicklungen der Industrie schreiten weiter voran, aber auch die Kosten, sagte Plesak. Trotz aller Medizintechnik seien am Operationstisch aber stets "Verstand und zwei gesunde Hände" gefragt.

Info: Das Programm

n »100% VS – seit 50 Jahren eins" mit Michael Hoyer und Michael Kienzler am Donnerstag, 21. Oktober. Karten (17 Euro) gibt es bei Morys Hofbuchhandlungen in Villingen und Donaueschingen und online (www.story-vs.de). Restkarten (20 Euro) sind an der Abendkasse erhältlich.

n Europas hoher Norden: Ein Bildgewaltiger Vortrag mit Petra und Gerhard Zwerger-Schoner am 18. November.

n Kuba: Referent zu diesem Thema ist Tobias Hauser am 13. Januar.

n Abenteuer Ozean: David Hettich entführt das Publikum unter Wasser am 11. März, 13 Uhr.

n Rocky Mountains: ein Abenteuer mit Anita Burgholzer und Andreas Hübl am 11. März, 16 Uhr.

n Manaslu: Hans Kammerlander nimmt die Besucher mit auf eine Expedition am 11. März.

n Südamerika: Die Weite dieses Landes lockt mit Martin Leonhardt am 21. April.

n Villingen – damals und heute: den Klassiker der Reihe gibt es in dieser Saison am 3. Dezember 2023, 17 Uhr.

Alle Vorträge ohne Zeitangabe beginnen um 20 Uhr, Veranstaltungsort ist immer die Neue Tonhalle in VS-Villingen.