Lennart Spengler (links) und Krischan Spengler starten mit einer neuen Praxis in Balingen. Foto: Spengler

Die Brüder Krischan und Lennart Spengler eröffnen ihre fünfte Praxis. Ab September sind die Allgemeinärzte im „MVZ Regiomed“ für die Patienten da.

Die Frau war gerade einmal Anfang 50, als sie die Praxis der Doktoren Spengler aufsuchte, berichtet Krischan Spengler beim Besuch unserer Redaktion in den nagelneuen Praxisräumen in der Zollernstraße 50. Er überwies sie an einen Kardiologen – der aber hätte erst nach Monaten einen Termin gehabt. Zu spät, Spenglers Patientin musste in die Klinik. „Davon hat sie sich nicht mehr erholt und ist verstorben.“

 

Dieser Fall mag der berühmte Tropfen gewesen sein, der das Fass zum Überlaufen brachte – jedenfalls war den Ärzten klar, dass sie künftig schnell und unkompliziert auch kardiologische Untersuchungen ins Portfolio aufnehmen möchten. Dafür konnten sie die Kardiologin Gisela Toncar-Pflumm gewinnen, die die Spenglers schon lange kennen.

„Wie geht es Ihnen?“ ist keine Floskel

Die teuren Geräte sind bereits da, allein: die Kassenärztliche Vereinigung hat bislang die Genehmigung nicht erteilt. Pro 100 000 Einwohner ist ein Kardiologe im Landkreis vorgesehen. Der Zollernalbkreis hat etwa 200 000 Einwohner – und bereits zwei niedergelassene Kardiologen, rechnet Spengler, der sich nicht entmutigen lässt: „Wir haben einen Sonderbedarfsantrag in Reutlingen gestellt.“ Bis der durch ist gilt, dass Toncar-Pflumm ihre Medizin nur für Privatpatienten oder Selbstzahler anbieten kann.

„Wie geht es Ihnen?“ Wenn die Spenglers oder die anderen Ärzte – Ines Obstfelder und Sawasht Marouf werden als Allgemeinärzte ebenfalls am Balinger Standort im Einsatz sein – diese Frage stellen, dann ist dies keine Floskel. „Das ist die wichtigste Frage überhaupt“, sagt Krischan Spengler und meint damit echtes Interesse für den Patienten und dessen Wohlbefinden.

Für die Ärzte ist das Neuland

Lennart Spengler ist neben der Allgemeinmedizin auch als Betriebsmediziner tätig. Außerdem will das Team Besuche Zuhause oder im Pflegeheim anbieten. „Man kann doch einen Menschen nicht Jahre lang betreuen und dann plötzlich sagen ‚Du bist mir jetzt zu alt’.“

Dass sie nun in ganz neuen Räumlichkeiten agieren werden – im Erdgeschoss befindet sich die Physiopraxis Güthe – ist für die Spenglers Neuland. Bislang haben sie Praxen von Kollegen übernommen, die erste vom Vater in Ebingen. Weitere Standorte in Straßberg, Tieringen und Onstmettingen kamen hinzu.

Es waren schon Test-Patienten da

Und nun Balingen. Die schneeweißen Wände sind noch kahl, in den Fluren und Behandlungszimmern riecht es nach Farbe. Die blauen Stühle im Wartebereich sind unbesetzt. Dennoch: es waren schon Patienten da.

„Wir haben quasi getestet, wie sich die neuen Räume bewähren für die Abläufe und die Geräte“, erklärt Krischan Spengler. Dann drückt er auf einen Knopf, die Jalousie vor dem Fenster fährt mit einem leisen Sirren nach oben. Der Blick fällt auf eine Streuobstwiese. „Ist das nicht herrlich?“, fragt der Mediziner.

Es ist eben nicht nur Schnupfen

Warum gerade im ländlichen Raum so wenige Hausärzte nachrücken, wenn ein Kollege in den Ruhestand geht? Es mag an den Arbeitszeiten liegen, auch an der Bezahlung, mutmaßt Krischen Spengler. Und dann leuchten seine Augen: „Meine Arbeit macht großen Spaß.“

Warum? Als Allgemeinmediziner behandle man eben nicht nur Schnupfen. Wenn die Patienten vom Facharzt zurück in die Spengler’schen Praxen kämen, müssten die Doktoren auch schwierige Fälle zu behandeln wissen. Manchmal führe nur ein kurzer Satz in den Befunden auf die richtige Spur.