Künftig bestehen Notfallpraxen (grün) unter anderem in Balingen, Rottweil, Sigmaringen, Villingen-Schwenningen, Freudenstadt, Tübingen und Reutlingen, kinderärztliche Bereitschaftsdienste (blau) in Tübingen, Reutlingen, Villingen-Schwenningen und Freudenstadt sowie HNO-ärztliche Bereitschaftsdienste (lila) in VS und Tübingen. Foto: ©WIGeoGIS, München; TomTom Global Content B.V., Eindhoven/KVBW

Die Notfallpraxis in Albstadt-Ebingen wird geschlossen – als eine von insgesamt 18 Praxen im Südwesten. Albstadts OB Roland Tralmer meint: „Noch ist nichts zu.“

Die Pläne zu den Notfallpraxen in Baden-Württemberg wurden am Montag offiziell in Stuttgart vorgestellt.

 

„Wir werden die neue Struktur dann schrittweise umsetzen und gehen davon aus, dass sie bis Ende 2025, Anfang 2026 abgeschlossen sein wird“, heißt es von der KVBW.

Notfallpraxen - was wird geschlossen?

In Notfallpraxen – bisher in Albstadt und Balingen am Zollernalb Klinikum angesiedelt, betrieben von der KVBW – wird eine allgemeinärztliche Versorgung außerhalb der üblichen Sprechzeiten angeboten. Dabei handelt es sich quasi um einen Bereitschaftsdienst. Der Standort in Albstadt wird geschlossen.

Die Notaufnahmen in Albstadt und Balingen, die wiederum direkt zum Zollernalb-Klinikum gehören, sind nicht betroffen. Sie bleiben erhalten.

Das sagt die KVBW zur geplanten Schließung

Die KVBW verteidigt den Schritt. „Der ärztliche Bereitschaftsdienst wurde in den letzten Jahren durch selbstständige, sogenannte Poolärzte und zum Teil auch durch niedergelassene Vertragsärzte erbracht“, so die Vereinigung.

Doch der Personalmangel habe sich immer weiter verschärft: Durch eine Gesetzesänderung im vergangenen Jahr konnten selbstständige Poolärzte diesen Dienst nicht mehr übernehmen – daraufhin standen nicht mehr ausreichend Ärzte zur Verfügung.

Die Folge laut KVBW: Um die Regelversorgung in den allgemeinärztlichen Praxen aufrechtzuerhalten, wurden und werden Notfallpraxen geschlossen.

Das sagt Albstadts Oberbürgermeister

OB Roland Tralmer behält sich vor, den Wortlaut der KVBW-Mitteilung sorgfältig zu prüfen – und die Möglichkeit, danach rechtliche Schritte zu ergreifen, ebenso. Albstadt sei seines Wissens nicht die einzige der 18 betroffenen Kommunen, die diese Option in Betracht zieht. Tralmer, der selbst Jurist ist, schließt sie ausdrücklich nicht aus, versichert allerdings auch, dass man nicht in etwas „hineinrennen werde, was keine Aussicht auf Erfolge bietet“.

Im Übrigen gibt Tralmer sich zuversichtlich: „Noch ist nichts zu.“ Die Stadt Albstadt betrachte die geplante Schließung „als einen Versuch des einen Teils des Gesundheitswesens, seine Probleme auf Kosten des anderen zu lösen“ und werde versuchen, den politischen Druck dagegen aufrechtzuerhalten.

Zudem nehme er die Versicherung der KVBW, man sei zum „offenen“ Dialog bereit, ernst. „Offenheit“ bedeute nach seinem Verständnis, dass noch nicht aller Tage Abend sei.

Bereits vergangene Woche hatten sich Bürgermeister aus dem Zollernalbkreis per Brief gegen die Schließung der Notfallpraxis ausgesprochen.

So äußert sich das Zollernalb Klinikum zu den Plänen

„Der Geschäftsleitung unseres Hauses wurde heute am späten Vormittag durch ein Schreiben der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) die anstehende Schließung der KV-Notfallpraxis am Standort Albstadt bestätigt“, berichtet eine Sprecherin des Klinikums unserer Redaktion auf Anfrage.

„Geht man vom bisherigen Patientenverhalten aus, muss mit Ausweichreaktionen gerechnet werden. Erwartungsgemäß kommt es zu einer erhöhten Inanspruchnahme des Rettungsdienstes auch bei Erkrankungen, bei denen kein Rettungsdiensteinsatz medizinisch erforderlich sein könnte.“

Zudem sei zu befürchten, dass die weiter bestehenden KV-Notfallpraxen – dazu zählt auch der Standort in Balingen – diese Patientenzahlen nicht ohne Weiteres auffangen können.

Damit könnten, so die Sprecherin des Klinikums weiter, noch mehr Patienten in den Notaufnahmen der Kliniken vorstellig werden, ohne dass ein medizinischer Grund für eine Vorstellung zur Krankenhausbehandlung besteht.

Sie betont: „Dies würde den aktuellen politischen Bemühungen, Fehlallokationen zu vermeiden, konträr entgegenstehen.“