Der Nagolder Oberarzt Alessandro Wenzel ist neu im 13-köpfigen Team. Die Mediziner behalten bei Großschadenslagen den Überblick. All das machen sie ehrenamtlich.
Der Begriff Großschadenslage klingt technisch. Dahinter verbergen sich aber dramatische Situationen, zum Beispiel schwere Verkehrsunfälle, Gasaustritte, Großbrände oder umfangreiche Polizeieinsätze. Und in diesen Situationen kann es dazu kommen, dass viele Menschen gleichzeitig verletzt und auf medizinische Hilfe angewiesen sind. Dann kommt im Kreis Calw das Team der leitenden Notärzte zum Einsatz. Die übernehmen die ärztliche Führung, koordinieren und überwachen alle Maßnahmen vor Ort.
Ab fünf bis sieben Verletzten spreche man von einer solchen Lage, erklärt Bastian Huss. Der steht den leitenden Notärzten seit einem Jahr vor. Sie bereiteten sich auf „dynamische Lagen“ und ein „großes Einsatzspektrum“ vor, erklärt er.
Dafür gebe es regelmäßige Treffen mit der Abteilung Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt. Kürzlich habe man eine neue Dienstordnung erarbeitet. Diese regele die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden oder lege die Kostenvergütung fest.
Ehrenamtliche Arbeit zusätzlich zum Praxis- und Klinikalltag
Die leitenden Notärzte arbeiten ehrenamtlich. Sie sind in ihrem Hauptjob in Kliniken oder Praxen tätig, so auch Alessandro Wenzel. Der 32-jährige kommt aus Wildberg. Nach dem Medizinstudium in Erlangen kehrte er in die Heimat zurück. Seither arbeitet er im Nagolder Krankenhaus. Seit 2022 hat er seinen Notarztschein.
Seit diesem Jahr ist er Oberarzt in der Kardiologie. Und nun gehört Wenzel zum Team der leitenden Notärzte. „Ich bin leidenschaftlich gern Notarzt“, sagt er. Er sei in der Region verwurzelt. Deshalb wolle er sich über den normalen Dienst hinaus einbringen.
Huss und der erste Landesbeamte Frank Wiehe freuen sich darüber. Wenzel kenne die Struktur, hebt Huss hervor. „Das ist eine positive Nachricht für uns“, sagt Wiehe. Der Landkreis habe deutlich mehr leitende Notärzte als noch vor ein paar Jahren. „Das gibt uns ein besseres Gefühl“, erklärt Wiehe. Dass zeige auch, dass sich das Landratsamt intensiver mit dem Thema der Rettungsdienste und der Großschadenslagen beschäftige. Man müsse sich auf solche Situationen besser vorbereiten.
Die Zusammenarbeit mit den leitenden Notärzten sei „mega“, sagt André Weiss. Der ist stellvertretender Kreisbrandmeister und im Landratsamt für den Katastrophenschutz zuständig. Die leitenden Notärzte nähmen an gemeinsamen Übungen teil, zum Beispiel an der Hermann-Hesse-Bahn oder zu Waldbränden. Dazu kämen die Dienstbesprechungen.
Benachrichtigung per App
Simon Großmann, der die Kommunikationstechnik betreut, erzählt von einer Neuerung, die aus einem solchen Treffen entstanden ist. Anders als die Feuerwehr werden die leitenden Notärzte nicht über einen Piepser, sondern per App auf dem Smartphone alarmiert.
Die Ärzte müssten nämlich nicht wie Feuerwehrleute erst zum Magazin. Sie eilten von ihrem aktuellen Aufenthalts- direkt zum Einsatzort. Und da könne man auf die Geo-Daten des Handys zurückgreifen. So ließe sich schnell feststellen, wer im Notfall schon am nächsten am Einsatzort ist – und damit den kürzesten Weg hat. „Die App ist zeitgemäß“, findet auch Huss.
Wiehe lobt zudem den Klinikverbund Südwest. Denn der unterstützte das Engagement seiner Angestellten wie Wenzel. Und dass, obwohl dieser im Bedarfsfall der Klinik dann fehle. „Das zeigt das Selbstverständnis der Kliniken. Es ist gut, dass die kommunal getragen werden“, so Wiehe.