Im Dornröschenschlaf: Das ehemalige Post-Gelände im Herzen der Stadt wartet auf eine neue Nutzung. Foto: Bender

Der Plan der Stadt, mit der Mediathek ins Sparkassen-Gebäude zu ziehen, wirft die Frage auf, wie es mit dem alten Post-Areal weitergeht. Die Lahrer Volksbank als Eigentümerin hat einige Ideen, allerdings noch keine fixe. Nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich ist ein Verkauf der Brache.

Viele Jahre schien der Weg vorgezeichnet: Die Volksbank Lahr als Eigentümerin und die Stadt Lahr als Planerin und designierte Nutzerin bekundeten mehrfach den Willen, das gut 4000 Quadratmeter große ehemalige Post-Areal in der Lotzbeckstraße gemeinsam entwickeln zu wollen. Im Fokus stand die Unterbringung von Mediathek und Volkshochschule. Beiden ist es am bisherigen Standort im Haus zum Pflug in der Kaiserstraße längst zu eng geworden.

 

Doch obwohl der Gemeinderat erst im April vergangenen Jahres eine entsprechende Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben hatte, gab es bereits im Sommer - wie unsere Redaktion exklusiv berichtete - ein erstes Umdenken im Rathaus, das sich mittlerweile verfestigt hat: Die Stadt will mit der Mediathek ins Sparkassen-Gebäude in der Schillerstraße ziehen, während die Volkshochschule am bisherigen Standort bleiben soll.

Möglich macht das die zunehmende Fokussierung der Sparkasse auf ihren Hauptsitz in Offenburg, wo immer mehr Abteilungen gebündelt werden; die Lahrer Räume verwaisen zusehends. Gleichzeitig würde diese „kleine Lösung“ die ohnehin nicht gerade üppig gefüllte Stadtkasse schonen.

„Es hat sich abgezeichnet, dass ein Umzug der Mediathek in die Sparkasse betriebswirtschaftlich mehr Sinn macht“, sagte Volksbank-Chef Peter Rottenecker am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion. Er sei von der Planänderung der Stadt weder überrascht worden, noch habe er ein Problem damit – sicher auch deshalb, weil sich die Optionen für die Eigentümerin des alten Post-Geländes damit vervielfachen, und die am Ende wohl lukrativer sind, als zwei städtische Einrichtungen zu beheimaten.

Wohnbebauung und Dienstleistungsgebäude?

Was konkret schwebt Rottenecker für das Areal in Toplage vor? „Ehrlich gesagt hatten wir keinen Plan B in der Tasche, deshalb ist unser Fokus jetzt sehr weit gefasst“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Lahrer Volksbank. Möglich seien Wohnbebauung, Dienstleistungsgebäude, etwa Büroräume, oder eine Kombination aus beidem. Was Rottenecker indes ausschließt, ist die Ansiedlung von Einzelhandel: „Da kann ich mich jetzt schon festlegen.“ In jedem Fall soll das Gelände am Eingang zur Innenstadt künftig ein modernes, zukunftsgerichtetes Gesicht erhalten. Das umfasst in der Vorstellung Rotteneckers beispielsweise eine Mobilitätsstation und ein Café, was die Aufenthaltsqualität steigern würde.

Bei allen schönen Gedankenspielen zeigt sich Rottenecker freilich nicht als sich Illusionär, sondern als Geschäftsmann. So sei ein Verkauf des Post-Areals zwar „nicht unser Ziel. Ich kann aber auch nicht ausschließen, dass wir je nach Fortentwicklung das Ganze eines Tages auf die Rampe schieben und schauen, ob ein Investor mit einem interessanten Projekt kommt“. Im Rathaus könne man sich indes darauf verlassen, „dass wir weiterhin alles im Schulterschluss mit der Stadt tun“. Tatsächlich braucht, wer auch immer die Fläche am Ende entwickelt, den städtischen Segen – in Form eines Bebauungsplans.

Im nördlichen Anschluss an das Post-Areal besitzt die Sparkasse ein 2200 Quadratmeter großes Grundstück, wo aktuell Teile der Stadtverwaltung untergebracht sind. Diese Fläche war in die früheren Neustrukturierungspläne einbezogen – die beiden Geldinstitute hatten schon einen gemeinsamen Entwurf ausarbeiten lassen. „Wir sind weiter offen dafür, in dem Bereich mit der Sparkasse zusammenzuarbeiten“, erklärt Rottenecker, ohne ins Detail zu gehen.

Einen Zeithorizont, bis wann das Post-Areal aus seinem Dornröschenschlaf geholt, sprich: entwickelt sein soll, hat die Volksbank laut ihrem Chef noch nicht. „Erste Überlegungen sollten aber im Laufe des Jahres starten.“

Die Pläne der Stadt

Die Stadt Lahr will im Sparkassen-Gebäude in der Schillerstraße einen sogenannten Dritten Ort schaffen, der einen Ausgleich zu Beruf und Familie ermöglichen soll. Neben der Mediathek sollen dort unter anderem der Treffpunkt Stadtmühle, die städtische Galerie, die sich aktuell im Alten Rathaus befindet, und das Begegnungshaus, derzeit im Stiftsschaffneikeller, untergebracht werden.