Die Mediathek wird dem Lahrer Amt für Stadtgeschichte und Archivwesenzugeordnet, wodurch der Aufgabenbereich der einstigen Kulturamtschefin wächst.
„Organisatorische Veränderung im Dezernat II, hier: Mediathek“, lautet der Betreff der E-Mail, die Guido Schöneboom kurz vor Weihnachten an die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats verschickte. In dem Schreiben, dessen Inhalt die LZ kennt, skizziert der Erste Bürgermeister eine Neuordnung seines Ressorts, die sowohl eine Struktur- als auch Personalrochade bedeutet.
Hintergrund ist ein Weggang: Julia Fenstermacher, die 2023 die Nachfolge von Birgit König als Leiterin der Mediathek antrat, hat die Stadt zum Ende des Jahres aus persönlichen Gründen auf eigenen Wunsch verlassen. Dadurch, schreibt Schöneboom, ergebe sich die Möglichkeit, Aufgaben- und Verantwortungen neu zu verteilen. Ziel sei, „eine möglichst ausgewogene Balance“ zu schaffen.
Schönebooms Dezernat II umfasst vier Ämter: das Amt für Soziales, Bildung und Sport, das Ordnungsamt, das Kulturamt sowie das Amt für Stadtgeschichte und Archivwesen. Letztere beiden sind von den nun anstehenden Änderungen betroffen. Konkret soll die Mediathek vom Kultur- ins Archiv- und Geschichtsamt wandern. Damit rückt eine Frau in den Fokus, die in der Vergangenheit bereits für einigen Wirbel im Rathaus sorgte.
Nach einem Schlagabtausch glätteten sich die Wogen
Im Frühling 2023, kurz bevor Cornelia Lanz aus einer Elternzeit zurückkehrte, wurde ihr vonseiten der Stadtspitze eröffnet, dass sie nicht mehr wie zuvor als Kulturamtschefin arbeiten werde. Stattdessen hatte man kurzerhand das Amt für Stadtgeschichte und Archivwesen aus der Taufe gehoben, das die heute 44-Jährige fortan führen sollte. Die Verwaltung begründete den Schritt damals mit „Differenzen und unterschiedlichen Auffassungen in der strategischen Ausrichtung der Kulturarbeit“. Dem widersprach Lanz, woraufhin sich ein öffentlicher Schlagabtausch entwickelte. Am Ende akzeptierte die ausgebildete Opernsängerin ihre neue Rolle – und die Wogen glätteten sich.
Was indes blieb, ist ein Ungleichgewicht bei der Personalverantwortung innerhalb des Dezernats II. Bisher hat das Amt für Stadtgeschichte und Archivwesen nur rund ein Dutzend Mitarbeiter – und damit ungleich weniger als die anderen drei Ressorts. Hier soll Abhilfe geschaffen werden.
Schönebooms Plan sieht vor, den Weggang von Julia Fenstermacher durch die Einstellung einer Bibliothekarin respektive eines Bibliothekars zu kompensieren, wobei der Stellenumfang in diesem Zuge von 100 auf 70 Prozent reduziert werden soll. Der Erste Bürgermeister betont im Schreiben, dass der Wechsel der Mediathek „für die Kolleginnen keine wesentliche Veränderung bedeutet, die fachliche Arbeit bleibt unverändert im Mittelpunkt“. Zudem könne auf diese Weise „eine längere Zwischenlösung“ vermieden werden.
Cornelia Lanz ist zuversichtlich
Cornelia Lanz zeigte sich auf Nachfrage unserer Redaktion zufrieden und zuversichtlich, was ihre neue Aufgabe angeht: „Ich wurde kurz vor Weihnachten informiert und freue mich nun darauf.“
Doch wie will die Amtsleiterin dem Mehr an Verantwortung gerecht werden? Bekanntlich war Lanz Anfang 2025 – zu diesem Zeitpunkt zum dritten Mal schwanger – mit ihren beiden erstgeborenen Kindern zu ihrem Mann nach Heidelberg gezogen, wo sie bis heute lebt. Seit dem Ende ihrer Elternzeit arbeitet sie hybrid, also teils im Homeoffice, teils vor Ort in Lahr. Lanz gibt im Gespräch mit unserer Redaktion möglichen Bedenken keinen Raum: „Den größten Teil meiner Arbeitszeit bin ich in Lahr.“
Offizielle Info folgt
Bürgermeister Guido Schöneboom wollte sich nicht zu seinem Schreiben äußern. Näheres sei im Laufe des Januars zu erfahren, wenn die Stadtverwaltung offiziell über die Umstrukturierung informieren werde.