Einbrecher stehlen im McDonald’s und Kentucky Fried Chicken in Sindelfingen altes Frittenfett. Zuletzt häufen sich solche Fälle. Denkbare Erklärung ist ein neuer Kraftstoff.
Bargeld und Schmuck stehen bei Einbrechern hoch im Kurs. Neuerdings haben manche Diebe es offenbar auf eine ganze andere heiße Ware abgesehen: altes Frittenfett. Erst in der vergangenen Woche waren unbekannte Täter in Sindelfingen beim Kentucky Fried Chicken (KFC) in der Böblinger Straße über einen rund zwei Meter hohen Zaun geklettert und haben aus dem Außenlager 300 Liter Altfett mitgehen lassen.
Zwei Wochen zuvor war es schon in der McDonald’s-Filiale am Breuningerland Sindelfingen zu einem solchen Einbruch gekommen. Laut Polizeiangaben waren unbekannte Täter auch hier nachts über einen Zaun geklettert und hatten von einem Außenlager Fässer mit rund 400 Liter altem Frittierfett im Wert von rund 500 Euro gestohlen.
Bei dem für den Kreis Böblingen zuständigen Polizeipräsidium Ludwigsburg häufen sich derzeit offenbar solche Fälle. Am 27. Oktober kam es demnach in Tammerfeld (Kreis Ludwigsburg) zu einem versuchten Diebstahl von rund 240 Liter altem Frittierfett. Zwei unbekannte Personen wurden dort dabei ertappt, wie sie im Bereich eines Schnellrestaurants Container mit altem Speisefett in ein Fahrzeug luden. Als eine Zeugin die beiden ansprach, suchten sie das Weite.
Darüber hinaus berichtet die Polizei von zwei ähnlichen Diebstählen am 14. Juli sowie am 10. Oktober. Unbekannte Einbrecher sollen in beiden Fällen auf der Rückseite des Gastronomiebetriebs an der Tank- und Rastanlage „Sindelfinger Wald“ an der A 8 Altfettbehälter geöffnet und altes Speisefett entwendet haben. Einer Entsorgungsfirma seien die verminderten Mengen aufgefallen, woraufhin man dort Anzeige erstattet habe. Den Gesamtwert des Diebesgutes schätzen die Ermittler auf gut 500 Euro.
Die Polizei will sich nicht an Spekulationen beteiligen
„Ob ein Tatzusammenhang mit den bereits bekannten Taten und den beiden Taten in Sindelfingen besteht, ist noch Gegenstand der derzeit laufenden Ermittlungen“, teilt ein Polizeisprecher mit. Ansonsten hält sich die Polizei eher zurück, wenn es um die Frage nach möglichen Motiven geht. „Da wir uns nicht an Spekulationen beteiligen, können wir hierauf nicht näher eingehen“, sagt der Polizeisprecher und verweist ansonsten auf das Internet, wo man über die „unterschiedlichsten Motivlagen“ nachlesen könne.
Tatsächlich finden sich im Netz diverse Verwendungsmöglichkeiten für altes Fett – zum Beispiel für Vogelfutter, Seifen, Kerzen, Kosmetikartikel, Reinigungsmittel oder als Schmierstoff für Werkzeuge und Gartengeräte. Wie ein Sprecher von McDonald’s Deutschland andeutet, könnte auch Treibstoffproduktion ein Motiv sein. „Das Altfett aus unseren Restaurants ist ein wertvoller Rohstoff, da dieser durch spezielle Dienstleister zu Biodiesel weiterverarbeitet werden kann“, erklärt der Unternehmenssprecher. Er bestätigt, dass es an den Restaurantstandorten vereinzelt zu ähnlichen Diebstahlsdelikten komme, zu konkreten Vorfällen könne man sich aber mit Verweis auf laufende polizeiliche Ermittlungen nicht näher äußern.
Ob die Einbrüche tatsächlich mit der Herstellung von Biodiesel zu tun haben, ist jedoch fraglich. Zwar ist seit Ende Mai 2024 ein Treibstoff namens HVO100 in Deutschland für den Verkauf zugelassen, also ein synthetischer Kraftstoff, der zu 100 Prozent aus Bio- oder Abfallstoffen hergestellt wird. Fachleute bezweifeln aber, dass die Einbrüche mit der Produktion von Biodiesel zu tun haben. „Ich bin kein Chemiker, aber ich denke, dafür sind die gestohlenen Mengen einfach zu gering“, sagt Michael Wankmüller. Der Nufringer Energiehändler bietet HVO100 an seinen Tankstellen an.
Ein möglicher Erklärungsversuch führt ins Leere
Als mögliches Motiv für die Frittenfett-Diebe liefert er eine andere Theorie: „Es gibt da einen Händlerkollegen namens EDi Hohenlohe“, verweist Michael Wankmüller auf ein Unternehmen, das sich als Vorreiter für synthetische Kraftstoffe positioniere. „Soweit ich weiß, haben die solche Automaten, bei denen man altes Speiseöl und Frittenfett abgeben kann. Vielleicht bekommt man dafür ja Geld“, mutmaßt Wankmüller, ob die Täter womöglich auf diese Weise Gewinn mit ihrer Beute machen.
Bei EDI Hohelnlohe bestätigt man, dass es solche Sammelautomaten gibt. Allerdings gebe es für die Abgabe von Altspeisefett kein Geld. Dieser Erklärungsversuch führt also ins Leere. Davon abgesehen bezweifelt man auch bei dem Öhringer Unternehmen, dass die Einbrecher das Altfett zur Treibstoffproduktion verwenden. „Der Aufwand wäre enorm. Dahinter steckt ein aufwendiger Prozess, da brauchen Sie Maschinen. Das lohnt sich beim besten Willen nicht“, ist ein Unternehmenssprecher überzeugt.
Die Frittenfett-Diebstahlserie bleibt also weiterhin rätselhaft.
Pflanzenfett als Biodiesel
Kraftstoff
Hydriertes Pflanzenöl (Hydrotreated Vegetable Oil, HVO) gilt als paraffinischer Dieselkraftstoff und ist ein Gemisch reiner Kohlenwasserstoffe, das aus den Fettsäureketten pflanzlicher Öle durch eine katalytische Reaktion unter Zugabe von Wasserstoff (Hydrierung) hergestellt wird. Seit dem 29. Mai 2024 darf der Kraftstoff in Deutschland an öffentlichen Tankstellen verkauft werden.
Kontroverse
Laut Herstellern und Anbietern vermindert HVO schädliche Emissionen, erreicht eine CO2- Einsparung von mindestens 85 Prozent und reduziert zudem die Feinstaubbelastung. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bezeichnet HVO-Treibstoffe jedoch als Mogelpackung, weil sie insgesamt noch klimaschädlicher als fossiler Diesel seien – insbesondere weil dadurch in Asien die umweltschädliche Palmölproduktion angekurbelt werde.