Am Konjunkturhimmel ist kein Silberstreif zu sehen: Strickmaschinenhersteller Mayer & Cie. richtet sich darauf ein, dass die Flaute 2025 anhält. Bei einer Betriebsversammlung erfuhren die Mitarbeiter, welche weiteren Schritte geplant sind.
Bereits seit Mitte 2022 waren die Auftragszahlen für Rundstrickmaschinen aus Tailfingen stark rückläufig gewesen gewesen – und auch nach zwei Jahren ist ein Ende der Baisse nicht abzusehen.
Wie Geschäftsführer Benjamin Mayer der Belegschaft in der Betriebsversammlung am 3. September mitteilte, liegt der für 2024 erwartete Umsatz um 36 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Geschäftsführung geht davon aus, dass die Umsätze auch in den kommenden beiden Jahren deutlich geringer ausfallen werden als die in guten Jahren unter Volllast erwirtschafteten.
Vor allem Personalkosten müssen minimiert werden
Für Mayer & Cie. bedeutet das, dass die Kosten weiterhin im Rahmen des Möglichen minimiert werden müssen – und mit Kosten sind natürlich primär Personalkosten gemeint. Benjamin Mayer hat die Belegschaft gebeten, nun auch auf das Weihnachtsgeld zu verzichten.
Bereits im Frühjahr war ein Verzicht auf Urlaubs- und Transformationsgeld vereinbart worden; jetzt sollen auch das Weihnachtsgeld 2024 und die Sonderzahlungen, die 2025 fällig wären, gestrichen werden.
Allerdings enthält das Paket erneut eine sogenannte Besserungsklausel : Sollte sich der Konjunkturhimmel wider Erwarten aufhellen, könnte die Streichung der Zusatzleistungen teilweise oder ganz zurückgenommen werden.
Bei keiner Einigung muss ein Personalabbau erfolgen
Als Gegenleistung für ihr Entgegenkommen bietet die Geschäftsleitung von Mayer & Cie. den Arbeitnehmern eine Beschäftigungssicherung und eine vorübergehende Senkung der Arbeitszeit auf 35 Stunden an – diese, erklärt sie, bedeute eine Reduzierung der Kurzarbeit und damit mehr Entgelt.
Sollten Betriebsrat und IG Metall diese Vorschläge zurückweisen, dann, so die Geschäftsleitung, wäre wohl oder übel ein Personalabbau erforderlich.
Wie Benjamin Mayer auf Anfrage des Schwarzwälder Boten erklärte, würde dieser sich wohl in einer Größenordnung von 30 Beschäftigten bewegen; das wären ungefähr zehn Prozent der momentanen Belegschaft.
Offen bleibt, was passieren könnte, wenn auch 2026 keine Besserung eintritt – die Karten müssten dann wohl noch einmal neu gemischt werden.
Die IG Metall hat ein Wörtchen mitzureden
Ob die Arbeiternehmerseite auf die Forderungen des Unternehmens eingeht, bleibt abzuwarten. Da tarifvertragliche Vereinbarungen tangiert sind, haben die Tarifpartner, also IG Metall und Südwestmetall, ein Wörtchen mitzureden. Die Gespräche sollen Ende September aufgenommen werden.
Mayer & Cie. weist ausdrücklich darauf hin, dass es nach einem zu Jahresbeginn beschlossenen Investitionsverzicht, der Liquidität bringen sollte, keine Möglichkeiten mehr sieht, durch unternehmerische Kurskorrekturen auf den massiven Auftragsrückgang zu reagieren.
In einem unabhängigen Gutachten, dass auf Wunsch der finanzierenden Banken von einer Unternehmensberatung erstellt worden sei, werde der Firma bescheinigt, dass sie prinzipiell gut aufgestellt und die Ursachen der derzeitigen Probleme übergeordneter Natur und eben nicht hausgemacht seien.
Auch Mayer & Cie leidet unter dem Trend zu billigerer Ware im Internet
Die Textilindustrie leide unter starker Kaufzurückhaltung der Verbraucher, und an der seien nun mal Inflation, Rezession und ein Trend zu immer billigerer Ware schuld, die auf chinesischen Onlineplattformen Shein und Temu angeboten werde – die Käufer höherpreisiger und langlebigerer Ware seien dagegen nachhaltig verunsichert.
Sobald sich das ändere, werde sich das auch auf den Strickmaschinenbau auswirken – und auf die Umsätze von Mayer & Cie.