Mit der Schließung von Mayer & Cie. geht in Tailfingen eine 120-jährige Firmentradition zu Ende. Foto: Mayer & Cie

Die Schließung von Mayer & Cie. in Albstadt-Tailfingen kommentiert Leser Michael Hakenmüller aus Hechingen.

Ich war 1983 mit meinem textiltechnikbegeisterten Vater auf der Internationalen Textilmaschinen-Ausstellung (ITMA) in Mailand und habe erlebt, welchen legendären Ruf dort die Marke „TMC“ genoss – Vergleiche mit Adidas und Mercedes erschienen durchaus angemessen.

 

Nun ist das die endgültige Auflösung dieser für Ingenieurkunst „Made in Germany“ so typischen Firma wohl besiegelt, und einige Gründe dafür werden offenbar. Der oben erwähnte Vater hatte seinen Kindern bereits zehn Jahre vor der ersten Insolvenz prophezeit, dass sich TMC mit seinen einzigartigen Patente an chinesische Käufer ausliefern würde – im täuschenden Selbstbewusstsein, dass man „Weltmarktführer“ im Bau von Textilmaschinen sei. „Patentschutz? Nicht bei uns!“ lautet die Devise nicht der chinesischen Bürger, sondern ihrer diktatorischen, an „kapitalistischem Kommunismus“ ausgerichteten Regierungen, für die das Siebte Gebot „Du sollst nicht stehlen“ nicht verbindlich ist.

Gleichzeitig hat die Gier nach immer mehr Gewinn die Händler aus Europa blind gemacht für die Strategie des „Landes des Drachen“. Uns fällt es doch kaum mehr auf, wie wir mit unserem Kauf von Waren aus Fernost bei Billigst-Discountern den Ast absägen, auf dem wir sitzen. Handelsgruppen oder besser -truppen haben sich als trojanische Pferde in unsere Städte eingeschlichen und müllen uns mit ihren Wegwerfartikeln zu. „Freie Marktwirtschaft“ – nicht zuletzt auf Kosten von Mutter Erde!

Michael Hakenmüller, Hechingen

Schreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.