Die Belegschaft des Tailfinger Textilmaschinenherstellers Mayer & Cie. verzichtet auf Urlaubsgeld und Trafogeld. Die IG Metall stimmt zu – unter einer Bedingung.
Die Geschäftsführung von Mayer & Cie. hatte diesen Verzicht der Belegschaft in einer Betriebsversammlung am 6. Februar als vierten Posten eines Maßnahmenkatalogs zur Diskussion gestellt, mit dem sie die Liquidität des Unternehmens zu sichern hofft. Mitarbeiter sollten zum einen auf das Trafogeld verzichten, eine Zusatzzahlung, die Ende Februar fällig geworden wäre, vor allem aber auf das Urlaubsgeld. Letzteres beträgt 70 Prozent eines regulären Monatsgehalts, das Trafogeld 27,6 Prozent; macht zusammen 97,6 Prozent, sprich: ein volles Monatsgehalt.
IG Metall muss Abweichung vom Tarifvertrag zustimmen
Eine so gravierende Abweichung vom Tarifvertrag bedarf der Zustimmung des Tarifpartners, in diesem Fall also der Industriegewerkschaft (IG) Metall. Die hatte im Anschluss an die Betriebsversammlung von den gewerkschaftlich organisierten Mitarbeitern von Mayer & Cie. den Auftrag zu Verhandlungen erhalten und sich laut Michael Föst, dem Ersten Bevollmächtigten, anschließend eingehender mit den Geschäftszahlen befasst. In einer solchen Situation hat eine Gewerkschaft stets zwei Fragen zu klären: Ist der gewünschte Lohnverzicht erforderlich, damit das Unternehmen durch die Krise kommt – und ist es möglich, dass dies gelingt? Ein todgeweihtes Unternehmen hätte von einem Lohnverzicht schließlich nichts mehr.
Michael Föst und seine Stuttgarter Bezirksleitung sind bei ihrer Bestandsaufnahme zu dem Ergebnis gelangt, dass sich Mayer & Cie. in schwerer See befindet und sich ein Verzicht auf Trafo- und Urlaubsgeld empfiehlt.
Föst betont jedoch, dass man diese Zustimmung unter einen Vorbehalt gestellt habe: Sollte sich die Konjunktur merklich aufhellen und die wirtschaftliche Lage von Mayer & Cie. in den kommenden Monaten spürbar verbessern, dann besteht die IG Metall auf einer Rückzahlung, die ans Betriebsergebnis gekoppelt wäre.
Bonuszahlungen werden ausgesetzt
Die Belegschaft hat dem Verzicht auf Urlaubs- und Trafogeld mittlerweile in einer weiteren Betriebsversammlung zugestimmt. Laut Mayer & Cie. werden auch sonstige Bonuszahlungen ausgesetzt, es wird Verzicht auf das „Mitarbeiterbudget“ für interne Projekte geleistet, und die Arbeitszeit wird vorübergehend auf 35 Prozent gesenkt, wodurch sich die im Herbst eingeführte und bis auf Weiteres fortbestehende Kurzarbeit verringert. Mayer & Cie. hat auch der „Besserungsklausel“, also der erwähnten Revision des Verzichts auf Zusatzleistungen, zugestimmt.
Mayer & Cie.: Markterholung derzeit nicht in Sicht
Allerdings betont das Unternehmen in einer Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion, dass eine Markterholung momentan nicht in Sicht sei. Aus diesem Grund bleibt es auch bei den anderen Maßnahmen des erwähnten Katalogs, der Vertagung von Investitionen in siebenstelliger Höhe und der Zufuhr von zusätzlichem privaten Kapital. Die Gespräche über ein Tilgungsmoratorium von KfW-Krediten mit den Hausbanken dauern an.
Wie steht es bei Mayer & Cie. um das Weihnachtsgeld?
Die Frage, ob in den Gesprächen mit Mayer & Cie. auch schon vom Weihnachtsgeld die Rede war, verneint Michael Föst. Zeithorizont der jetzt getroffenen Übereinkunft sei der Spätsommer. Danach müsse man die Lage erneut prüfen und sehen, wie es weitergeht. Das wird allerdings nicht mehr Fösts Sache sein: Er nimmt in der Delegiertenversammlung am Donnerstag, 14. März, seinen Hut und gibt das Amt des Ersten Bevollmächtigten ab.