Ab der Saison 2021/22 tauscht Maximiliane Rall (links) aus Bösingen das Trikot und wechselt in der Bundesliga von 1899 Hoffenheim zum FC Bayern München. Foto: Eibner

Schönes Ostergeschenk für Maximiliane Rall aus Bösingen: Die 27-jährige Bundesligaspielerin der TSG 1899 Hoffenheim wird ab Sommer zur Saison 2021/22 das Trikot wechseln und zum FC Bayern München gehen.

Dieser Transfer an die Säbener Straße darf sicherlich als spektakulär bezeichnet werden, zumindest als ungewöhnlich. Den Grund liefert Rall direkt nach: "Es macht mich schon ein bisschen stolz, dass der FC Bayern mich mit 27 haben möchte." Immerhin ist die mit einem Gardemaß von 1,80 Meter ausgestattete Defensivspielerin in Hoffenheim die älteste Akteurin und viele Bundesligisten, neben den Bayern selber auch gerade der VfL Wolfsburg, setzen bei Verpflichtungen von Spielerinnen häufiger auf ganz junge Talente aus dem In- und Ausland.

"Der Kontakt entstand bereits im Herbst 2020 über meinen Berater, aber mir war sofort klar, dass ich in der laufenden Runde oder Winterpause sicherlich noch nicht wechseln werde und meine Aufgabe in Hoffenheim auf jeden Fall zu Ende bringe", erzählt Maximiliane Rall.

Zuverlässigkeit, Beständigkeit, Loyalität

Es ist gerade eine dieser Charaktereigenschaften von Rall, Zuverlässigkeit, Beständigkeit, Loyalität, die die Verantwortlichen des FC Bayern auf sie aufmerksam gemacht haben. FCB-Trainer Jens Scheuer und die Sportliche Leiterin Bianca Rech betonten unlängst: "Wir schauen zuerst auf den Charakter einer Spielerin, ob sie nach München passt und wie sie sich zum Thema verhält, wenn es darum geht, dass der FC Bayern einen breiten Kader hat." Offenbar passt es. "Wenn man die Chance erhält zum FC Bayern zu wechseln, sollte man sie nutzen. Mir ist bewusst, dass es schwer wird. Der Kader ist qualitativ natürlich sehr stark. Gerade darin liegt für mich die Herausforderung, den nächsten Schritt zu gehen. In Hoffenheim bin ich Leistungsträgerin und Stammspielerin, wir sind derzeit Dritter und spielen eine sehr starke Saison. Immerhin qualifiziert sich der dritte Platz ebenfalls international für die reformierte Champions-League. Darum haben wir bis zum Saisonende im Juni noch ehrgeizige Ziele."

Die aktuelle Runde läuft für die 115-fache Bundesligaspielerin (18 Treffer) hervorragend. Maxi Rall bestritt bisher alle 17 Partien (1 Tor). Dabei gelangen ab dem 7. Spieltag sieben Siege mit 29:3-Toren in Serie, die Basis für den wertvollen Platz hinter den beiden Übermannschaften FC Bayern München und VfL Wolfsburg.

Thema Nationalmannschaft immer noch aktuell?

Wie groß ist bei all den Verpflichtungen und der aktuellen Pandemie-Situation im Land die Vorfreude auf München? "Ich habe dort bereits eine schöne Wohnung mit Terrasse, der Abschied aus Hoffenheim fällt mir schwer, weil wir eine tolle Mannschaft haben und ich mich dort weiterentwickeln konnte." In der Tat: Am 1. Februar 2015 wechselte sie damals mit 21 vom VfL Sindelfingen in den Kraichgau. In der Daimlerstadt spielte sie zuvor ab dem zweiten Jahr B-Juniorinnen. Als Schülerin begann sie in der 2. Klasse beim VfB Bösingen bei Jungenteams mit zu spielen. In der C-Jugend wechselte sie zum SV Herrenzimmern, von dort ging es zu den B-Juniorinnen des SV Eutingen, ehe sie in Sindelfingen erstmals Bundesliga-Luft schnupperte.

"In Hoffenheim konnte ich mich immer weiterentwickeln", wurde dies 2018 sogar mit zwei A-Länderspielen belohnt. Ist das Thema Nationalmannschaft immer noch aktuell? "Natürlich", betont sie und fügt an: "Ich werde versuchen mich mit ständig guten Leistungen immer wieder zu empfehlen. Vielleicht werde ich dann ja wieder nominiert", wartet nun ab Sommer beim großen FC Bayern eine neue Fußballwelt: "Im Training sind so viele starke Spielerinnen, da wird das Niveau mein eigenes Spiel nochmals verbessern." Hat sie sich schon Gedanken gemacht wie sie reagiert, wenn sie nicht jedes Spiel spielt? "Dies ist mir klar, aber Bayern spielt um die Meisterschaft, im DFB-Pokal und in der Champions-League, die bei den Frauen mit der neuen Gruppenphase mehr spiele haben wird. Grundsätzlich geht es in einem Mannschaftssport nie um den Einzelnen, sondern um die Ziele des Teams. Dem ordne ich mich voll unter", wird es Coach Jens Scheuer freuen.

Bundesliga-Leben in München

Mit dem neuen Bundesliga-Leben in München warten auf Rall "noch bessere professionellere Rahmenbedingungen als in Hoffenheim." Dort hat sie die ganze Woche über trotz Corona "ein normales Mannschaftstraining, Kraftraum, Physio, Einzeltraining, Taktik- und Videoschulungen. Dies ist derzeit sicherlich ein Privileg in der Gesellschaft." Bleibt noch Zeit für andere Dinge? "Ich koche gerne, mit Reisen geht derzeit nicht viel und privat treffe ich mich mit ein, zwei Teamkolleginnen. Nach Hause komme ich zur Zeit nicht, einfach um nicht Gefahr einer Corona-Infektion zu laufen."

Zeit, Aufwand und Verdienst

Wie verhält es sich beim Thema Zeit, Aufwand und Verdienst für Maxi Rall als Bundesligaspielerin? "Viele unserer Spielerinnen studieren noch, gehen zur Schule. Es werden immer weniger, die noch voll arbeiten. Dies geht so nebenher gar nicht mehr. Ich habe an der Uni Mannheim meinen Bachelor in Psychologie gemacht, möchte später in den Bereich Sportjournalismus beim Fernsehen gehen", schafft sich die Bösingerin bereits jetzt ein zweites Standbein für nach der Karriere. "Nur Fußball spielen ist mir zu wenig, ich muss meinen Kopf auf Trab halten. 2018 habe ich beim SWR in Rheinland-Pfalz ein TV-Praktikum bei der Sendung „Flutlicht“ gemacht und einen Beitrag produziert. Demnächst treffe ich mich mit Claudia Neumann vom ZDF. Die sucht derzeit weibliche Nachwuchstalente. So etwas interessiert mich sehr", hat Maximiliane Rall ehrgeizige Ziele für die Zukunft. Erst einmal stehen bis Juni noch fünf Bundesligaspiele an, das nächste nach der Länderspielpause pikanterweise am 17. April ausgerechnet bei ihrem zukünftigen Arbeitgeber FC Bayern. Als ehemalige Jugendspielerin des VfB Bösingen und bei einem Wechsel zum FC Bayern stellt sich natürlich unweigerlich die Frage nach dem rund eineinhalb Jahre jüngeren Joshua Kimmich, der aus dem gleichen kleinen beschaulichen gallischen Fußballdorf stammt: "Wir kennen uns zwar, haben aber über die Jahre keinen Kontakt gehabt", schaut Maximiliane Rall erst einmal auf ihren eigenen Karriereweg.

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