Stadtarchivar Simon Zimmermann (von links), Autorin Heidi Zogbaum, der erste Beigeordnete Lothar Kopf und Peter Stonawski von der Firma Rheinmetall Waffe Munition GmbH bei der Buchvorstellung Foto: Wagner

Heidi Zogbaum ist der Geschichte der Mauser-Werke auf den Grund gegangen. Sie ist bei der Recherche in Bereiche vorgestoßen, die bisher weniger beachtet wurden. Ihre Ergebnisse stellte sie nun im Schwedenbau vor.

Oberndorf - Gut besucht war die Vorstellung ihres Buches "Diesen Schuss der ganzen Welt" im Vortragssaal des Schwedenbaus. Heidi Zogbaum hat einen Großteil ihrer Jugendjahre in Oberndorf verbracht, war von 2008 bis 2021 Vize-Direktorin und Dozentin am Institut für Lateinamerikanische Studien der La Trobe University Melbourne und ist heute Fellow of Department of Spanish and Latin American Studies an der University of Melbourne.

 

Hilfe von Experten

Zu Beginn der Veranstaltung stellte die Autorin klar, dass sie das Buch zwar geschrieben habe, dabei aber wesentliche Unterstützung von Andreas Kussmann-Hochhalter und dem ehemaligen Oberndorfer Bürgermeister Klaus Laufer erhalten habe.

In ihrem Buch setzt sie sich als Erste intensiv mit der internationalen Position der Mauser-Werke vor dem Hintergrund der imperialistischen Außenhandelspolitik des Deutschen Kaiserreichs auseinander. In den drei Jahrzehnten vor dem ersten Weltkrieg hätten Mauser-Gewehre zwar weltweit Berühmtheit erlangt, erklärte die Autorin, allerdings habe der Name Oberndorf dabei eine eher untergeordnete Rolle gespielt.

Türkischer Auftrag

So ging Heidi Zogbaum nicht explizit auf den Werdegang der Gebrüder Mauser ein, sondern beleuchtete insbesondere die Rolle der fortschrittlichen Brüder Ludwig und Isidor Loewe aus Berlin, deren wichtigste Geschäftsfelder die Waffen-, Elektro- und Automobilindustrie waren. Ludwig Loewe starb 1886 und Isidor übernahm die Firma. Er konzentrierte sich auf die Produktion von Handfeuerwaffen und Munition und wandelte die Firma 1887 in eine Aktiengesellschaft um.

Für zwei Millionen Reichsmark kaufte er die Mehrheit der Mauser-Aktien und übernahm dort den Vorsitz des Aufsichtsrats. Im selben Jahr noch erhielten Mauser und Loewe den türkischen Auftrag zur Lieferung von 500 000 Mauser-Gewehren.

Paul Mauser wäre ohne Loewe nichts geworden, stellt Heidi Zogbaum in ihrem Buch fest. Paul Mauser sei lediglich ein Angestellter von Loewe gewesen, zumal ihm auch die finanziellen Mittel gefehlt hätten, um große Aufträge vorfinanzieren zu können.

Aufstieg zum Weltruhm

Isidor Loewe war es auch, der die Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken gründete, durch die Mauser-Waffen ihren weltweiten Ruhm erlangten und zum zweiten großen Rüstungskartell neben Krupp aufstiegen.

Nach den Ausführungen von Heidi Zogbaum hatten die Besucher der Veranstaltung die Möglichkeit Fragen an die Autorin zu stellen. Stadtarchivar und Museumsleiter Simon Zimmermann moderierte die Fragerunde. Heidi Zogbaum wies zum Ende der Veranstaltung noch darauf hin, dass sich die Recherchen zu diesem äußerst schwierig gestaltet hätten, da es keine zusammenhängenden Korrespondenzläufe zwischen Isidor Loewe und den Mauser-Werken mehr gebe.

Spuren verwischt

Die Spuren von Isidor Loewe seien verwischt, selbst Fotografien von ihm gebe es nicht mehr. Beim abschließenden Stehempfang allerdings gab es noch ausführlich Gelegenheit über das vorgestellte Buch, die Gebrüder Mauser und die Rolle Oberndorfs zu diskutieren.

Die Herausgabe des Buches wurde von der Stadt Oberndorf, der Kreissparkasse Rottweil, Rolf Gminder – ehemals Vorstandsmitglied bei Mauser und bei Heckler & Koch - sowie von der Firma Rheinmetall Waffe Munition GmbH unterstützt.