Einen Masterplan für „Sicherheit und Ordnung sowie Sauberkeit“ hat der Albstädter Gemeinderat 2022 ins Leben gerufen. Jetzt wurde zum dritten Mal Bilanz gezogen.
Über Albstadts objektive Sicherheitslage berichtet jährlich im Mai die Polizei – laut Detlef Wysotzki, kommissarischer Leiter des Polizeireviers Albstadt, und Hauptkommissar Roland Endörfer standen 2024 unter der Rubrik Straßenkriminalität 256 Delikte zu Buche, 38 mehr als 2023.
Kommunaler Ordnungsdienst: Diesem Anstieg steht allerdings nach Einschätzung der Stadt eine positivere subjektive Wahrnehmung entgegen – was immer die Statistik vermelde, die Leute fühlten sich sicherer, seit der Kommunale Ordnungsdienst (KOD), ein Kind des Masterplans „Sicherheit und Ordnung sowie Sauberkeit“, in den Innenstädten von Ebingen und Tailfingen patrouilliere.
Am Wassertisch ist abends Zapfenstreich
Neue Regeln: Es ist aber nicht nur der KOD. Am Markt in Tailfingen hat die Stadtverwaltung die Verhaltens- und Nutzungsregeln am Wassertisch merklich verschärft, nachdem Anwohner sich über die abendlichen Zusammenrottungen von Jugendlichen beschwert hatten. Wasserlauf und Wassertisch wurden zwischen 19 und 9 Uhr trockengelegt und das Betreten des Wassertischs untersagt. Fahrräder und Skateboards haben dort nichts mehr verloren, und es darf nicht mehr gekickt werden.
Bolzen und Basketball: Die Sportler erhalten jedoch ein Alternativangebot: In der Katharinenstraße soll im kommenden Frühjahr ein Bolzplatz angelegt, am südlichen Ende des Parkplatzes der Zollernalbhalle ein Basketballkorb angebracht werden. Zeitgleich wird im Uhlandgarten, der unter reger Beteiligung der Jugendlichen umgebaut wurde, eine „Chillzone“ für Jugendliche entstehen.
Jugendarbeit mobil: Die mobile Jugendarbeit hat am 28. Mai in der Lutherschulhalle „Mitternachtssport“ für junge Leute ab 14 angeboten; allerdings räumt die Stadt ein, dass dieses Angebot die eigentliche Zielgruppe nicht erreicht habe.
Neuer Treffpunkt Hufeisen: Dafür scheint ihr etwas anderes gelungen sein: Die strengere Reglementierung in Kombination mit den regelmäßigen Kontrollgängen des KOD am Wassertisch haben offenbar einen Teil der Nachtschwärmer vertrieben, und zwar nach Ebingen, wo der KOD Publikumszuwachs konstatiert: Grüppchen von Jugendlichen träfen sich an wechselnden Orten und mit besonderer Vorliebe im „Hufeisen“; teilweise fielen sie durch „unangepasstes Sozialverhalten“ auf, dem der KOD freundlich, aber bestimmt entgegentrete – gegebenenfalls würden „normverdeutlichende Gespräche“ geführt.
Die Probleme haben sich verlagert
Abschied von roten Sofas: Auch innerhalb der Ebinger Innenstadt hat es der Stadt zufolge Verlagerungen gegeben; beispielsweise sollen die einstigen Okkupanten der „Roten Sofas“ am Bürgerturmplatz auf den Parkplatz „Bleichestraße/Schmeiengäßle“ umgezogen sein – sehr zum Leidwesen der Anwohner.
Sicherheit und Ordnung sind das eine Desiderat des Masterplans, Sauberkeit das andere. Die Stadtreinigung ist laut Verwaltung 365 Tage im Jahr im Einsatz, mit Müllsauger und Dampfstrahler und in erhöhter Mannschaftsstärke, denn die Arbeit wird nicht weniger: Ist erst die Neugestaltung des Onstmettinger Parks und des Truchtelfinger Ortskerns beendet, werden auch diese neuen Oasen der Pflege und Reinigung bedürfen.
Das Konfetti verstopft die Schächte
Gilt bald Konfettiverbot? Eine Herausforderung fürs Betriebsamt sind Fasnetsumzüge, nach denen Konfetti, Stroh und Papierschlangen oft von Hand mit dem Besen entfernt werden müssen, weil die Kehrmaschine Minustemperaturen nicht verträgt. Manches bleibt liegen und verstopft dann Abwasserschächte, Wasserabläufe und Brunnenröhren. Im Rathaus wird deshalb über ein Konfettiverbot nachgedacht – und darüber, die Zünfte bei der Reinigung in die Pflicht zu nehmen. Der Vorschlag stand schon vor einem Jahr im Raum; allerdings erwies sich die Umsetzung als nicht gerade einfach, weshalb die Stadt die Idee wieder fallen ließ.
Kommunaler Ordnungsdienst oder Kümmerer
Streetworker: Zwei halbe Stellen für sie forderte Lies Ammann (Bündnis 90/Grüne), was laut Stadt 92 500 Euro jährlich kosten würde: „Wir müssen uns nicht fragen, ob wir sie uns leisten können, sondern ob wir uns leisten können, darauf zu verzichten.“ Kosten ließen sich dafür beim KOD einsparen. Oberbürgermeister Roland Tralmer gab zu bedenken: „Aktuell brauchen wir den Notarzt, also den KOD, und nicht die Reha. Streetworker seien wünschenswert, falls finanzierbar. Matthias Strähler (CDU) hält eine Aufrechnung für falsch, Friedrich Rau (Grüne) bat um einen Bericht des KOD im Gemeinderat über seine bisherigen Erfolge.
Lässt das Problem sich kurzfristig lösen
Müll rund um Glas- und Altkleidercontainer: Peter Demmer (SPD) fragte nach kurzfristigen Lösungen, und erfuhr von Michaela Maier, Leiterin des Ordnungsamts, dass das Landratsamt an einer Lösung arbeite im direkten Kontakt mit den Aufstellern. Eine Idee sei, die Container auf die Wertstoffhöfe zu stellen. Martin Braun (WSA) begrüßte die Idee der Zentralisierung und erinnerte daran, dass es Aufgabe der Unternehmen sei, die mit Wertstoffen Geld verdienten, den Müll am Containerstandort zu entsorgen – oder eine Gebühr für die Entsorgung an die Stadt zu zahlen.