Sollten die Verkäufe nicht den bisherigen Verlust ausgleichen, wird es keinen Oberschopfheimer Weinjahrgang mehr geben, macht der WG-Vorsitzende klar.
Im Grunde hatte der Vorsitzende der Winzergenossenschaft von Oberschopfheim, Frank Erb, bereits in der Hauptversammlung von einem Verlust in Höhe von 1000 Euro berichtet. Zunächst wirkt dieser eher gering. Aber es sei der erste Verlust seit Gründung der Winzergenossenschaft Oberschopfheim. Zurückzuführen sei er auch auf den Umsatz-Rückgang im Weinverkauf. Damit das „Winzerhüs“ in Oberschopfheim mit seinem Verkauf der selbst vermarkteten Weine rentabel bleibt, müssten jährlich zwischen 50 000 und 60 000 Flaschen Wein verkauft werden. Herbe Einbrüche von 15 bis 35 Prozent – je nach Weinsorte – schlagen sich in einer negativen Bilanz nieder. Das Jahr 2024 wurde schon als das schlechteste Jahr seit Beginn der Selbstvermarktung vor 25 Jahren benannt. Leider dürfte die Winzergenossenschaft für das Jahr 2025 noch ein höheres Defizit verzeichnen. „Sollte sich der Weinverkauf nicht massiv steigern und die Kunden ins Winzerhüs kommen, müssten wir für das Jahr 2026 überlegen, ob wir überhaupt noch Weine in der Selbstvermarktung ausbauen“, erklärte Erb offen. Die Lage sei fatal.
Sollte sich die Lage nicht verbessern, schließt das „Winzerhüs“ 2027
Mit den verkauften Weinen stehe und falle auch die Zukunft des „Winzerhüses“. Sollte sich die Umsatzlage – gemeint ist damit der direkte Weinverkauf aus dem „Winzerhüs“ – nicht drastisch steigern, dürfte der 2025er-Jahrgang der letzte in der Selbstvermarktung sein. Auf Mitte 2027 betrachtet dürfte dann tatsächlich das „Winzerhüs“ schließen und die Weinflasche mit dem Etikett Oberschopfheimer Wein nur noch Erinnerung sein. „Ich weiß, in Oberschopfheim denken viele: der Laden läuft doch“, sagte Erb. Trügerisch sei diese Sicht. Vor allem mit dem Hintergrund, dass natürlich die Feste mit der WG wie Winzerhock oder Weinsommernacht sehr gut liefen. Wo sich die WG mit ihrem Weinstand beteiligten, fände der Wein auch seine Abnehmer. Zwangsläufig brächten diese Veranstaltungen – die zudem mit einem hohen Maß an Ehrenamt verbunden sind – keine Ankurbelung im Verkauf. „Von vielen Mitgliedern wird sehr viel im Ehrenamt abverlangt“, weiß Erb. Leider müsse die WG in der Unterstützung mittlerweile auf Vereine zurückgreifen. Ein Marketing-Fachmann, der die Weine der Winzergenossenschaft Oberschopfheim außerhalb Oberschopfheims bewerbe, ließe sich nicht finanzieren.
Vorstand hat Strategieplan entwickelt
Der Vorstand der Winzergenossenschaft habe schon länger einen Strategieplan entwickelt. Seit gut drei Jahren gibt es den Monatswein in Oberschopfheim: Wer eine Kiste kauft, bekommt die sechste Flasche gratis. „Das Angebot läuft recht gut“, stellte Erb fest. Über den Angebotswein hinaus wird jedoch nicht viel mehr gekauft. Zusätzliche Rabattaktionen gab es an Fasnacht, Ostern, zum Muttertag oder zur Spargelzeit und natürlich im Advent. Bei allen Angeboten sind die Absätze, vor allem bei der Dreiviertelliterflasche massiv eingebrochen – einige Weine sogar um 35 Prozent. Sicher falle der Umsatz- und Absatzrückgang in der Winzergenossenschaft in eine Wirtschaftslage, die den Wein im mittleren Preissegment allgemein massiv betroffen habe. „Bei Preisen unter zwei Euro können wir nicht mithalten“, so Erb. Weine mit Preisen zwischen vier und zehn Euro seien sehr schwierig in der Vermarktung. Wein im höheren zweistelligen Bereich fänden nach wie vor ihre Käufer und Genießer.
Der Weinverkauf ist für Erb auch ein Zeichen, für die negative Stimmung im Land
Nur der allgemeine Weingenießer schaue jetzt wohl eher auf den Preis. Für Erb ist der Weinverkauf auch ein Stimmungsbarometer über die wirtschaftliche Situation. „Wenn in Berlin jemand sagt, der Wirtschaft geht es schlecht, drückt das sofort auf die Stimmung der Bevölkerung.“ Jetzt hofft Erb auf die Unterstützung der Bevölkerung. Wenn jeder der mehr als 3000 Einwohner eine Kiste Wein kaufe, wäre das Soll von 50 000 bis 60 000 Flaschen für das Jahr 2025 erreicht. Niemand würde dann in Frage stellen, ob es einen Jahrgang 2026 noch geben wird. Der Oberschopfheimer sei nun gefragt.
Winzergenossenschaft
Mit dem Kauf des alten Rathauses von Oberschopfheim und Umwandlung in ein „Winzerhüs“ im Jahr 2000 ist die Winzergenossenschaft in die Selbstvermarktung ihrer Weine gegangen. Binnen zwölf Jahren war die WG schuldenfrei. Mit den Coronajahren 2020 kam ein erster Einbruch, von dem sich der Weinverkauf nicht mehr so erholt hatte, wie es eigentlich die WG erwartet hätte. In diesem Jahr rechnet die WG mit ihrem schlechtesten Jahr in der Geschichte. Über die Rücklagen sollen keine Verluste mehr gedeckt werden. Die WG Oberschopfheim wurde im Jahr 1967 gegründet. Trauben liefert die WG nach Breisach zum Badischen Winzerkeller. Dort werden auch die Weine für die Selbstvermarktung ausgebaut.