Die Weiden an der See-Promenade sind 2017 gepflanzt worden. Nun sind ihre Tage gezählt –­ sie werden gefällt. Foto: Wendling

Das Bild des Lahrer Seeparks wird sich stark verändern: Die Stadt muss 40 Weiden fällen lassen. Schuld ist eine kleine Raupe, die massive Schäden verursacht hat. Der Freundeskreis Landesgartenschau reagiert geschockt, zeigt aber Verständnis.

Entlang der Uferpromenade prägen sie das Bild des Landesgartenschaugeländes: Die 40 Weiden sind nicht nur Blickfang, sondern vor allem Schattenspender. Durch ihr dichtes Blattwerk tragen sie ihren Teil zu einem angenehmen Klima im beliebten Naherholungsgebiet im Stadtteil Mietersheim bei. Doch nicht mehr lange. Im Juni müssen sie gefällt werden – aus Sicherheitsgründen, wie die Stadt am Freitag bekanntgab.

 

Das Bild, das die Bäume abgeben, ist kein gutes: Die Rinde ist an vielen Stellen komplett zerfressen, teilweise bis zum Boden hin. Die Weiden wirken alles andere als gesund – und nicht mehr standfest. Die Schäden stammen von einer Raupe. Wie die Stadt informiert, ist der Weidenbohrer eine Schmetterlingsart, dessen fingerdicke und bis zu zehn Zentimeter lange Raupen sich durch Bäume fressen und diese massiv schädigen – so auch im Seepark. Die 40 Weiden müssten gefällt werden, bevor der Lebenszyklus des Falters im August mit der Eiablage von Neuem beginnt und damit Schäden an weiteren Bäumen drohen.

Die Weiden entlang der Uferpromenade des See beeinträchtigten durch ihren schlechten Zustand die Verkehrssicherheit für Fußgänger sowie für Radfahrer, teilt die Stadt mit. Die Fällarbeiten sollen im Juni beginnen. Je nach Standort der Bäume können kurzzeitige Wegesperrungen erforderlich sein, heißt es.

Die Schäden an den Weiden sind gut zu erkennen. Foto: Stadt

„Das ist sehr, sehr schade“, kommentiert Ulrike Holland, Vorsitzende des Freundeskreises Landesgartenschau, im Gespräch mit unserer Redaktion die geplante Maßnahme. Sie habe gewusst, dass die Bäume Schäden aufweisen. Die Nachricht, dass sie gefällt werden, überraschte sie am Freitag. „Mir persönlich gefallen die Weiden sehr, sie werden definitiv fehlen“, sagt Holland.

Die Bäume seien im Jahr 2017 nicht ohne Grund ausgewählt worden. Es seien Wasserpflanzen, die sich am Ufer wohlfühlten. Doch Holland betont, dass „falsche Emotionen“ nicht angebracht seien. „Es hilft nichts, wenn die Bäume umfallen“, zeigt sie Verständnis. Die Weiden seien allerdings nicht ihre einzigen Sorgen. „Viele Bäume haben Schäden“, betont sie. Das hänge vor allem mit der generellen Trockenheit zusammen, der aktuelle Regen helfe zwar, aber nicht ausreichend.

Die Raupe des Weidenbohrers verursacht Schäden. Foto: Stadt

Für die Weiden hofft Holland, dass eine gute Ersatzlösung gefunden wird. „Auf der Promenade wird es im Sommer unglaublich heiß“, schildert sie. Die Weiden würden dort für angenehme Abkühlung sorgen. „Die Frage ist: Wachsen die neuen Bäume schnell? Gibt es bald wieder Schatten?“, stellt Holland in den Raum. Auch aus ökologischer Sicht im Bezug auf Vögel und Kleintiere müsse eine gute Lösung gefunden werden.

Ersatzpflanzung im Herbst

Welche Bäume die Weiden ersetzen werden, steht indes noch nicht fest. Eine Ersatzpflanzung an möglichst ähnlicher Stelle sei für den Herbst vorgesehen, erklärt die Stadt in ihrer Mitteilung. Da ein erneuter Schädlingsbefall im Falle einer Nachpflanzung von Weiden nicht ausgeschlossen werden könne, erarbeite die Abteilung Grün und Umwelt in Abstimmung mit dem Planungsbüro der Landesgartenschau 2018, Club L 94 aus Köln, ein alternatives Pflanzkonzept. Es sollen Bäume ausgewählt werden, die nicht durch den Weidenbohrer gefährdet sind und den kommenden Klimaveränderungen trotzen können.

Die Kosten von insgesamt rund 80 000 Euro für die Fällung und Ersatzpflanzung werden aus dem Budget der Abteilung beglichen, so die Stadt.

Nomen est omen

Die Weidenbohrer ist eine bis zu acht Zentimeter große Schmetterlingsart, die in Europa weit verbreitet ist. Die Raupen, die etwa zehn Zentimeter groß werden, ernähren sich von verschiedenen Laubgehölzen und haben eine Vorliebe für Weiden – daher der Name.