Das Unternehmen Homag in Schopfloch setzt auf Produktionstechnik für nachhaltigen Wohnraum – mit seinen Anlagen für die Serienfertigung von Holzhäusern.
Vor allem in Großstädten wird die Wohnungsnot immer drängender. Gleichzeitig steht die Bauwirtschaft unter Druck: Während die Nachfrage wieder anzieht, leidet die Branche weiter unter Fachkräftemangel, hohen Material- und Finanzierungskosten, Überregulierung und langsamen Genehmigungsprozessen. Ein Weg aus der Krise ist das serielle Bauen mit Gebäudemodulen aus Holz.
Darauf setzt auch die Dürr-Tochter Homag. Sie ist einer der weltweit führenden Anbieter von Anlagen für die automatisierte Produktion von Bauelementen für klimafreundliche Holzhäuser.
Nach Abklingen der Baukrise wächst Homag in diesem Geschäft wieder, wie die Dürr AG mitteilt. 2025 brachte einen Rekordauftragseingang von 235 Millionen Euro. Wachstumspotenzial verspreche neben dem Bau neuer Häuser auch die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden mit Dämmfassaden aus Holz, heißt es weiter.
Holz punktet ökologisch
Beim seriellen Bauen werden Gebäudemodule industriell in automatisierten Fabriken vorgefertigt und können dann auf der Baustelle innerhalb weniger Tage zusammengesetzt werden. Das spare Zeit und Kosten, außerdem könnten Unternehmen so den Arbeitskräftemangel besser ausgleichen, so die Dürr AG. Holzhäuser – auch mit mehreren Geschossen – eigneten sich besser für die Serienfertigung als herkömmliche Gebäude, deren Herstellung nur schwer automatisierbar sei.
Auch ökologisch punkte der Rohstoff Holz. Anders als Beton nehme Holz Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf – ein Kubikmeter Holz binde rund eine Tonne Kohlenstoff. In Gebäuden könne der natürliche Baustoff Jahrhunderte überdauern und so als Kohlenstoffspeicher dienen. Und er lasse sich im Gegensatz zu anderen Baustoffen energiearm rückbauen und recyceln – damit unterstütze er das Prinzip der Kreislaufwirtschaft. Da Holz nachwächst, drohe auch keine Knappheit, sofern Wälder vorausschauend bewirtschaftet würden, so die Dürr AG.
Während die Wachstumsprognosen für das Baugeschäft insgesamt moderat seien, biete das Holzbaugeschäft überdurchschnittliche Chancen, heißt es weiter in der Mitteilung. Der Anteil von Wohnhäusern, die mit Holz gebaut werden, steigt seit Jahren. Im ersten Halbjahr 2025 lag er in Deutschland bei rund 28 Prozent. Auch beim Bau von mehrgeschossigen Wohngebäuden und Infrastrukturprojekten wie Kindertagesstätten und Schulen kommt der Baustoff vermehrt zum Einsatz.
Vorteile bei Sanierungen
Hinzu kommt laut Dürr: Länder wie die USA, die traditionell bereits überwiegend mit Holz bauen, wollten weg von der zeit- und personalintensiven Handarbeit und setzten zunehmend auf Vorfertigung und Automatisierung.
Weiteres Potenzial liege im Sanierungsgeschäft. Allein in Deutschland müssen in den nächsten Jahren 3,4 Millionen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern modernisiert werden. Für die energetische Sanierung eigneten sich Holzfassadenelemente hervorragend, so Dürr. Verlagere man deren Produktion in Fabriken, ließen sich die passgenau angefertigten und bereits gedämmten Elemente auf der Baustelle einfach und minimalinvasiv anbringen. Das mache die Sanierung schneller, wirtschaftlicher und weniger störend. Holzbauelemente eigneten sich auch für die Erweiterung bereits bestehenden Wohnraums, insbesondere für Dachaufstockungen.
Wichtiges Wachstumsfeld
„Das Holzbaugeschäft ist eines der wichtigsten Wachstumsfelder für den Dürr-Konzern“, wird Jochen Weyrauch, Vorstandsvorsitzender der Dürr AG, in der Mitteilung zitiert. „In den kommenden Jahren rechnen wir hier mit durchschnittlich rund zehn Prozent Umsatzwachstum. Mit seriellem Holzbau lässt sich der Mangel an bezahlbarem Wohnraum und damit eines der drängendsten gesellschaftlichen Probleme entschärfen. Darüber hinaus ist der Holzbau eine klimafreundliche Alternative zum emissionsintensiven konventionellen Bauen.“
Homag-Töchter bündeln Kompetenzen
Hand in Hand
Die für die Industrialisierung des Holzbaus erforderlichen Maschinen und Anlagen liefern drei Homag-Töchter aus Deutschland und Dänemark. Im Schulterschluss decken die Unternehmen Weinmann, System TM und Kallesoe alle wesentlichen Prozessschritte ab, die für die Fertigung von Wand-, Decken- und Dachelementen nötig sind, teilt der Homag-Mutterkonzern Dürr mit.
Großauftrag
Auch international zählt Homag laut der Mitteilung zu den leistungsfähigsten Anbietern von Produktionstechnik für den Holzbau. Das unterstreiche ein Ende 2025 erteilter Großauftrag aus Nordamerika mit einem hohen zweistelligen Millionen-Euro-Volumen. Es handle sich um den bisher größten Auftrag von Homag im Holzbau. Geliefert werden mehrere Linien für die automatisierte Fertigung von Holzbaumodulen für Ein- und Mehrfamilienhäuser. Homag hat Erfahrung mit Projekten in ähnlicher Größenordnung. 2021 baute das Unternehmen in Sachsen-Anhalt erstmals eine komplette Fabrik für Holzbauteile wie Wände und Decken.