Trotz Materialknappheit und Lieferengpässen stellt sich der Maschinenbau in Baden-Württemberg auf ein kräftiges Wachstumsjahr ein, 2022 könnte gar ein Rekordjahr werden. Warum die Branche die Folgen der Coronakrise so schnell hinter sich lässt.
Stuttgart - Seit Jahresbeginn entwickeln sich die Auftragseingänge im Maschinenbau im Südwesten nach dem tiefen Einschnitt 2020 wieder äußerst dynamisch. Wie aus der Konjunkturumfrage des Branchenverbands VDMA in Baden-Württemberg unter rund 250 Unternehmen hervorgeht, dürfte der Maschinenbau im Land die Folgen der Coronakrise bereits zum Jahresende hinter sich lassen und beim Umsatz das Vorkrisenniveau 2019 wieder erreichen, wie Verbandsvorsitzender Mathias Kammüller und Geschäftsführer Dietrich Birk bilanzierten.
Materialengpässe bremsen den Aufschwung
Der Umfrage zufolge sprechen 40 Prozent der Unternehmen von einem guten, 23 Prozent sogar von einem sehr guten Auftragsbestand im Vergleich zum Vorjahr. Fast die Hälfte der Befragten geht von einer weiteren Verbesserung aus. Allerdings bremsen Materialengpässe die positive Entwicklung – allen voran Stahl und Elektronikkomponenten. Mehr als 87 Prozent der Betriebe sehen sich in ihrer Lieferfähigkeit eingeschränkt.
„In vielen Unternehmen ist die Versorgungslage verheerend und bremst Produktion und Lieferfähigkeit aus“, sagte Kammüller. Maschinen müssten teils in Auslieferungslagern zwischengelagert werden, weil noch einzelne Komponenten fehlten. Dennoch gibt er sich zuversichtlich: „Materialengpässe bremsen den Aufschwung, können ihn aber nicht beenden“, sagte er. Auf die Auftragseingänge habe das keine Auswirkung.
Maschinen werden teurer
Auf die Preise der Maschinen allerdings schon, weil die Preissteigerungen bei Vorprodukten teils enorm seien, bei Stahl etwa zwischen 50 und 80 Prozent. Kammmüller sprach auf die Maschinen bezogen allerdings von Preiserhöhungen in „vernünftigem Rahmen“. Auf die Engpässe wollen die Unternehmen unter anderem mit dem Aufbau von Lagern oder einem größeren Lieferantennetzwerk reagieren.
Trotz der Engpässe bleiben die Maschinenbauer optimistisch und gehen in diesem Jahr von einem deutlichen Umsatzsprung aus. 46 Prozent erwarten ein Wachstum von mehr als zehn Prozent im Vergleich zu 2020. Fast ein Drittel geht von einem Umsatzplus zwischen fünf und zehn Prozent aus. Auf Basis dieser Einschätzungen könnte der Maschinenbau in Baden-Württemberg ein Umsatzplus von elf Prozent schaffen. „Der Wert von 84 Milliarden Euro läge dann schon Ende 2021 wieder auf dem Umsatzniveau des Vor-Corona-Jahres 2019“, sagte Kammüller. Im Durchschnitt halten die Betriebe für 2022 einen weiteren Umsatzzuwachs von acht Prozent für realistisch – so dass es ein Rekordjahr werden könnte.
2022 könnte ein Rekordjahr werden
Über die Hälfte der Unternehmen berichtet infolge der wirtschaftlichen Erholung von steigenden Investitionen – vor allem im Inland. Gut läuft es auch im Auslandsgeschäft. Die Ausfuhren dürften nach Einschätzung der Betriebe in diesem Jahr um zwölf Prozent zulegen und damit den Exportrückgang 2020 kompensieren.
Nachwuchssorgen in der Branche
Sorgenkind der Branche ist laut Umfrage der Nachwuchs, weil das Interesse an einer technischen Ausbildung weiter nachgelassen hat. In einigen Ausbildungsberufen liege der Rückgang bei mehr als 30 Prozent. „Um die Herausforderungen rund um Digitalisierung und Klimaneutralität zu meistern, benötigen die Maschinenbauer viele gut ausgebildete Menschen. Finden wir keinen geeigneten Nachwuchs, bremst das unsere Wettbewerbsfähigkeit auf Dauer erheblich aus“, warnte Kammüller. Die Beschäftigungslage insgesamt hat sich verbessert. Laut Geschäftsführer Birk haben seit Jahresbeginn mehr Unternehmen Personal auf- als abgebaut. Der Trend werde sich verstärkt fortsetzen. Bis Ende 2021 wollen nur noch sechs Prozent der befragten Unternehmen Beschäftigung reduzieren, 58 Prozent dagegen Mitarbeiter aufbauen. Kurzarbeit kommt nur noch bei einem Viertel der befragten Unternehmen zum Einsatz. 88 Prozent der befragten Unternehmen haben derzeit sogar offene Stellen. Ende 2020 beschäftigte die Branche im Land knapp 340 000 Mitarbeiter.
Investitionen und Innovationen angestrebt
Von der neuen Bundesregierung wünscht sich der Verbandsvorsitzende, dass sie drängende Aufgaben löse und diese im Eiltempo anpacke. „Unser Appell vor den anstehenden Bundestagswahlen ist daher, Investitionen und Innovationen durch eine Reform der Unternehmenssteuern, weniger Bürokratie und einen Fokus auf die digitale Infrastruktur zu unterstützen, statt auf Verbote und Vorgaben zu setzen“, so Kammüller.