Spezielle Handmaschinen vom Elektrowerkzeugbauer auf dem Lindenhof sind ein Schlüssel bei der Rekonstruktion des Vierungsturms der Kathedrale “Notre-Dame“, die 2019 unter den Augen der Weltöffentlichkeit abbrannte.
Mafell und Notre-Dame de Paris? Warum auch nicht: In so einer gotischen Kathedrale ist gerne mal eine ungeahnte Menge Holz verbaut. Vor allem die riesigen Dachstühle, die man von unten im Blickschatten der suggestiven Natursteinmauern kaum sieht, schlucken viel Material.
Und egal wo auf der Welt Holzbalken verbaut werden, schwören Zimmerleute auf die Handmaschinen Made in Oberndorf.
Der Zufall knüpft Kontakte
Das sollte ausgerechnet für eine Großbaustelle nicht gelten, die man sich in der westlichen Welt prestigeträchtiger kaum vorstellen kann? Unvorstellbar. Wäre aber fast passiert, hätten nicht die Abschlussklasse des Landesbildungszentrums Holzbau Biberach in Frankreich gesehen, die die Kollegen dort eine gewaltige Menge Balken bearbeiten mussten – und für die Abplattungen Handwerkzeug wie Beile oder Stemmeisen verwendeten.
Ein ikonisches Bild mit zwei Seiten
Die Holzbalken waren Teil der Rekonstruktion des Vierungsturms, der beim verheerenden Dachstuhlbrand der Kathedrale am 15. April 2019 eingestürzt war. Und obwohl dieser 96 Meter hohe Reiter nicht Teil des ursprünglichen Plans mit der Vierung aus dem späten zwölften Jahrhunderts war, sondern erst vor knapp 170 Jahren entstand, blieb sein Kollaps als ikonischer Moment im Gedächtnis.
Genau so ist auch seine Wiedererrichtung zu sehen. Ein bisschen wie ein Zeiger, der den Zustand der Kathedrale anzeigt. Jetzt steht er ganz oben: Notre-Dame in Paris geht es gut. „PF 80“ tragen daran eine Mitschuld.
Wie gemacht für die Mammutaufgabe der „Charpentiers“
Die trägt sich leicht, wenn die ganze Welt über das Ergebnis staunt – und wie schnell es in dieser Qualität zustande kam. Mit vielen von besagten Maschinen. Denn die kurz vor der Corona-Pandemie auf den Markt gebrachte Handmaschine, mit der sich Mafell an alle Zimmerleute wendet, die manuellen Abbund machen, erwies sich als Clou für die rasche und präzise Ausführungen der Abplattungen an den zahllosen Eichenbalken. Die Planfräse – daher „PF“ – ist handgeführt und mobil einsetzbar, und sie kann in allen Lagen an Objekten eingesetzt werden.
Weiterer Vorteil: Diese müssen nicht in eine Maschine fixiert werden, die dann zweifellos auch sehr präzise arbeitet, sondern können bereits in Gruppen verbaut sein.
Und noch ein Vorteil: Mehrere Zimmerleute können an unterschiedlicher Stellen so einer Werkgruppe Hand anlegen, – beziehungsweise die „PF“ – ansetzen.
Die französischen Kollegen sind begeistert
Als Andreas Beck vom Biberacher Zimmererzentrum, wo das bislang einzige Fabrikat einer handgeführten Planfräse auch noch vergleichsweise neu war, mit den französischen Kollegen ins Gespräch kam, waren sie neugierig, als er bald darauf mit drei von Mafells PF 80 wieder in der Halle stand, begeistert.
Arbeiten am Weltkulturerbe
Statt händisch stemmen oder mit den schon lange üblichen Schlitzgeräten oder Kettenstemmern in mehreren Arbeitsgängen die Abplattungen auszuformen, geht es mit der Planfräse sicherer, schneller und präziser. Was man eben gerne hat, nicht nur, wenn man an einem Prestigebauwerk schafft.
Die Begeisterung war so nachhaltig, dass sie nicht nur zwei Maschinen gleich behalten haben, sondern ein Auftrag über weitere 30 Planfräsen für die Zimmerei von Notre-Dame bei Mafell einging.
„Der Rest ist Geschichte“, wie’s so schön heißt. In diesem Fall – auch in Zusammenhang mit der Eröffnung der Kirche und dem großen Staatsempfang in Paris – ganz aktuell schon tausendfach geknipst.
Akku-Modell kommt
Und Mafell? Macht weiter: In gut vier Wochen präsentieren die Oberndorfer Spezialisten für Elektrowerkzeuge für das Holzhandwerk bei der Fachmesse BAU eine Akkuversion der Planfräse. „Der Anspruch von Mafell ist es, für nahezu jede Anwendung im Holzbau ein Elektrowerkzeug anzubieten, um das bestmögliche Arbeitsergebnis zu erzielen“, sagt Thorsten Bühl, Vorstandsvorsitzender der Mafell AG.