Die Jubiläumsgäste sind schon da.  Foto: Müller

Auf den Tag genau 25 Jahre ist es her, dass das Maschenmuseum in Tailfingen die ersten Besucher durch Albstadts Textilgeschichte führte. Ein Vierteljahrhundert später zeigt sich das Museum in neuem, modernen Gewand.

Albstadt-Tailfingen - Es ist der 5. Juli 1996: Albstadt eröffnet ein neues Museum, das sich mit der prestigeträchtigen Textilgeschichte auf der Schwäbischen Alb beschäftig: Das Maschenmuseum in Tailfingen zeigt Aufstieg und Fall der Maschenindustrie, die mehr als ein Jahrhundert lang die Region geprägt hat.

Im Jubiläumsjahr zeigt sich das Maschenmuseum nach mehreren Monaten umbau- und coronabedinger Schließung von seiner modernen Seite. Schließlich hat sich laut Kulturamtsleiter Martin Roscher die Museumslandschaft in den vergangenen Jahrzehnten verändert – hin zum Digitalen und Interaktiven. "Das Maschenmuseum ist die DNA von Albstadt", meint Roscher. "Es zeigt die Identität unserer Stadt über mehrere Jahrhunderte."

Oberbürgermeister Klaus Konzelmann erinnert sich an die Entstehungsgeschichte des Maschenmuseums, bei der auch Susanne Goebel, Leiterin der Albstädter Museen, eine nicht unerhebliche Rolle gespielt hat: Im Rahmen der Heimattage hatte es in der Realschule in Ebingen eine Ausstellung zur Maschenindustrie in Albstadt gegeben. Die Exponate stießen seinerzeit auf großes Interesse; schnell wurde der Ruf nach einem eigenen Museum laut. Die damalige Ausstellung hatten sechs Studenten kuratiert. Eine davon war Susanne Goebel, die heutige Museumsleiterin. Mit Tim Delle hat sie seit ein paar Jahren einen engagierten Mitarbeiter an ihrer Seite.

Pandemie stand Wiedereröffnung im Weg

Wie deutschlandweit alle Museen, hatte das Maschenmuseum in einem alten Gebäude der Textilmaschinenfabrik Mayer & Cie coronabedingt in den vergangenen Monaten geschlossen. Man kann es Glück im Unglück nennen – der Lockdownbeginn im Frühjahr 2020 fiel genau in den Zeitraum, als das Maschenmuseum sowieso renoviert werden sollte.

Der Wiedereröffnung allerdings, der stand die Pandemie im Weg. Und so kam es, dass der "Refresh", wie die inhaltliche Sanierung des Museums intern genannt wird, erst seit gut zwei Wochen für Besucher erlebbar ist.

Die Erneuerung wird schon im Eingangsbereich sichtbar: Er wirkt deutlich heller und moderner, und eine digitale Schautafel gibt Einblicke, was die Besucher im Museum erwartet. Im Erdgeschoss wird nun die Geschichte der Trikotindustrie gezeigt: in Form von Exponaten, aber auch im Bewegtbild –­ den neuen Bildschirmen neben den Vitrinen sei Dank. Neu ins Konzept aufgenommen wurde auch der Aspekt der Werbung und die Schattenseiten des textilen Überflusses. Ein großer Schiffscontainer voller Altkleidersäcke versinnbildlicht das Problem der sogenannten "Fast Fashion". Zu guter Letzt hat auch die Gegenwart der Textilindustrie in Albstadt eine Bühne im Museum: Eine Ausstellungsfläche wird von den hiesigen Textilfirmen im Wechsel bespielt.

Nicht brandneu, aber immer noch eine der jüngsten Attraktionen im Museum ist das "Tex-Car", das die Masche in der Autoindustrie zeigt. Für das Auto des Ebinger Nadelherstellers Groz-Beckert wurde 2019 eigens ein kleiner Anbau im Innenhof geschaffen. Die Bestandsausstellungen in den oberen Stockwerken erfuhren ebenfalls kleine Schönheits- und Modernisierungskuren. Touchscreens und große hinterleuchtende Leinwände sind nicht nur informativ, sondern auch optisch ein Hingucker.

Alraune Siebert zeigt textile Puppen

Eine große Feier, wie es sonst bei Jubiläen üblich ist, wird es coronabedingt nicht geben – aber gefeiert wird das 25-Jährige dennoch. Und zwar mit einer Sonderausstellung der Textilkünstlerin Alraune Siebert. Bis Jahresende sind die beeindruckenden, handgenähten, fast lebensgroßen Puppen der Haigerlocher Ausnahmekünstlerin im Maschenmuseum zu sehen. Neben royalen Hoheiten sind auch eine ganze Reihe extravaganter Näherinnen aus Textil Teil der Ausstellung. Und – wie soll es bei Alraune anders sein – garniert mit allerlei textiler Köstlichkeiten wie Wust und Champagner. Und obendrauf gibt es zum 25-jährigen Bestehen an 25 Tagen – nämlich bis zum 1. August – freien Eintritt in die Bestandsausstellung; die Sonderausstellung von Alraune Siebert gibt es zum reduzierten Preis von drei Euro zu sehen.

Der Umbau ist derweil noch nicht abgeschlossen. In den kommenden Jahren folgen teil drei und vier des "Refreshs": Roscher erklärt, dass das Depot im Hinterhof des Museums abgerissen und verkleinert werden soll. Selbst Laien erkennen, dass dieser Gebäudetrakt kaum mehr zu erhalten ist. Zudem soll das Museum mehr und mehr zu einem Ort mit Aufenthaltsqualität werden: Eine Bibliothek, Ein Werkraum und ein Café sollen das Maschenmuseum künftig zu einem Treffpunkt machen.