Zur Sterbestunde Jesu greift Kantor Steffen Mark Schwarz am Karfreitag ab 15 Uhr in die Tasten der Rensch-Orgel, die seit 20 Jahren in der Martinskirche Ebingen erklingt. Foto: Esther Baumgärtner

Zwei Corona-Jahre lang war die "Musik Martinskirche Ebingen" den Widrigkeiten der Pandemie unterworfen. Nun erwartet Musikfreunde erstmals wieder eine volle Marktmusik-Saison – und ein außergewöhnliches Ereignis am Karfreitag.

Albstadt-Ebingen - "Wem kann ich klagen, der mit mir fühlt? Wem kann ich sagen, was in mir wühlt?" Der Satz von Erich Mühsam, 1878 in Berlin geboren und 1934 im KZ Oranienburg gestorben, ist angesichts von Krieg und Coronavirus-Pandemie aktueller denn je. Deshalb haben Kantor Steffen Mark Schwarz und Krankenhaus-Seelsorgerin Gisela Pullwitt ihn zum Titel ihres Konzerts zur Sterbestunde Jesu am Karfreitag, 15. April, ab 15 Uhr in der Martinskirche gemacht. Die Pfarrerin liest Texte, Schwarz spielt auf der Rensch-Orgel, die heuer 20 Jahre alt wird, Werke von Johann Sebastian Bach, Tomaso Albinoni und Alexandre Guilmant – bei freiem Eintritt. Spenden kommen der Rücklage für die außerordentliche Pflege der Rensch-Orgel zugute, die pro Register rund 1000 Euro kosten wird, wie Schwarz erklärt. 52 Register hat das Instrument, das in der Region Seinesgleichen sucht.

Diesmal noch mit zwei Akteuren

Seit Schwarz in Ebingen ist – zehn Jahre sind es jetzt – hatte er stets große Aufführungen zur Sterbestunde Jesu geleitet: mit der Kantorei der Martinskirche, Gesangssolisten und namhaften Orchestern. Weil die große Besetzung noch nicht möglich ist, haben er und Pullwitt sich für das Format entschieden, das früher an der Martinskirche üblich war: Musik und Texte. Für Besucher gilt nach den Vorgaben der evangelischen Landeskirche noch die FFP2-Maskenpflicht für Erwachsene; Kinder ab sechs Jahren brauchen eine medizinische Maske, und das Ganze gilt bis 24. April.

Bereits am 23. April startet die Saison der Ebinger Marktmusik, die bis zum 23. Juli dauert. Erstmals seit zwei Jahren erwarten die Besucher dann wieder jeden Samstag ab 11 Uhr "20 Minuten Musik zur Marktzeit" – 2021 waren nur wenige Konzerte, 2020 gar keine möglich gewesen.

Der Markt ist näher zur Kirche gerückt

Neu ist, dass alle Auftritte in der Martinskirche stattfinden, zumal die Kapellkirche augenblicklich nicht genutzt wird und der Wochenmarkt ohnehin in die Marktstraße, näher an die größte Kirche Ebingens, gerückt ist.

Zum Saisonstart und zur Feier des Jubiläums "20 Jahre Rensch-Orgel" spielt Schwarz am Samstag, 23. April, ab 11 Uhr unter dem Titel "Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, in deiner Urständ fröhlich ist: Halleluja". Das Blechtett des Städtischen Orchesters Albstadt, das sich nach der Corona-Pause wieder zusammengefunden hat, ist am 30. April mit "Impressive" dran.

Junge Begabte bekommen eine Bühne

"Spitzenklänge in der Marktmusik" heißt es am 14. Mai, wenn Stipendiaten des Vereins "Spitzenklänge – Begabten Musikförderung Zollernalb" unter Renate Musats Leitung musizieren. "Leuchtende Fäden" spinnt Organistin Ulrike Klie mit Orgelmusik aus mehreren Jahrhunderten am 21. Mai, und am 28. zaubert Felix Wettengel spanische Gitarrenklänge von Manuel Maria Ponce: "Variations sur Folie d’Espagne et Fugue". Ein Höhepunkt verspricht außerdem der Auftritt des Vokal-Ensembles "TOnFUsion" am 4. Juni zu werden. Der Titel: "Naturphänomenal".

Der Gospelchor der Thomaskirche kommt

Besonders freut sich Schwarz, dass der Gospelchor "Open Hearts" der Thomaskirche unter der Leitung von Valeri Ivanov am 11. Juni in der Martinskirche singt: "Öffne die Augen Deines Herzens" lautet der Titel. Ihr kleines Jubiläum in der Reihe feiern die vier Musiker des SaxEnsembles des Städtischen Orchesters Albstadt am 18 Uhr unter dem Motto "20 Jahre in 20 Minuten". Danach ist gleich zwei Mal die Gesangsklasse von Lisa Livingston von der Musik- und Kunstschule Albstadt an der Reihe: "Pop-Balladen: Unverwechselbare Stimmen 2.0" heißt es am 25. Juni, "Powerfrauen, Balladen und bewegte Popsongs" am 2. Juli.

Neu starten – der Titel ist Programm

Weil Schwarz beim Zusammenstellen des Programms "sowohl die Breite als auch die Tiefe wichtig" ist, wie er sagt, hat er mit dem Ensemble des Posaunenchors Ulm unter der Leitung von Philipp Pfister für 9. Juli ein Spitzen-Ensemble aus seiner früheren Wirkungsstätte eingeladen. "Riavviare" – neu starten – lautet der Titel.

Zwei Tage Ausstellung mit Musik

Zwei Tage lang erfreuen können sich Kirchenbesucher an der musikalischen Ausstellung "Stückwerk, Bruchstück, Kunstwerk" mit Werken von Pfarrerin Margarete Goth, Rosemarie Hesselbacher und Christina Widmann, die Schwarz an Orgel und E-Piano musikalisch abrundet: am 16. Juli ab 11 Uhr und am Sonntag, 17. Juli, ab 9.30 Uhr im Gottesdienst unter dem Motto "Unser Leben im Spiegel Gottes".

Die unkonventionelle Stimmbildnerin legt als Solistin los

"Kommt, lasset uns singen, die Stimmen erschwingen" lautet der Titel zum Saison-Ende am 23. Juli, wenn die Kantorei der Martinskirche ihren großen Auftritt hat. Als Sopranistin erleben dürfen die Zuhörer dann Karera Fujita, die höchst unkonventionelle Stimmbildnerin des Chors, den Schwarz leitet und an Orgel und E-Piano begleitet.

Die Kantorei der Martinskirche ist außerdem zu hören im Sonntagsgottesdienst am 15. Mai sowie bei der Investitur von Pfarrer Thomas Soffner am Sonntag, 18. September.

 Die Proben der Kantorei der Martinskirche beginnen wieder am Mittwoch, 27. April, um 20 Uhr im Gemeindehaus Spitalhof. Um 19 Uhr beginnt die Stimmbildung. Neue Mitglieder sind willkommen.