Fantastisch ausgeleuchtet haben Matthias Raible und sein Team von „Sound, Light and More“ (SLAM) die Martinskirche für das fünfte „Crossover“-Konzert. Foto: Karina Eyrich

Drei Jahre seit dem Kartenverkauf musste das Publikum auf das fünfte „Crossover“-Konzert in der Martinskirche warten, doch es hat sich gelohnt: „Südlich von Stuttgart“, Kantor Steffen Mark Schwarz und ihre Star-Gäste spielten ihr bisher längstes Programm.

Erst lässt er es sacht regnen, dann plätschern, und dann geht ein wahres Klang-Gewitter – das passte zum Wetter am Nachmittag – auf das Publikum in der ausverkauften Martinskirche nieder: Mit einer Improvisation an der Rensch-Orgel hat Kantor Steffen Mark Schwarz das Crossover-Konzert am Sonntagabend eröffnet – und „Südlich von Stuttgart“ mit Karl Frierson am Mikrofon mit dem „Inner City Blues“ nahtlos daran angeknüpft.

Improvisations-Künstler an der Rensch-Orgel: Kantor Steffen Mark Schwarz Foto: Eyrich

Der „DePhazz“-Sänger mit der großartigen Soul- und Blues-Stimme war nur einer der Stargäste beim Konzertmix aus klassischer, Soul-, Pop- und Jazz-Musik in der größten Kirche Ebingens, die „Sound, Light and More“ in Magenta erleuchtet hatte.

Fantastische Soul-Stimme: Karl Frierson Foto: Eyrich

Ernst Hutter war einer von zwei Grammy-Preisträgern, und er macht „Blasmusik auf Weltniveau“, wie „Südlich“-Bandchef Christian Baumgärtner nicht eigens hätte betonen müssen. Bei Antonio Vivaldis Sonate Nr. 1 und dem „Quiet Song“ sowie diversen Solo-Einlagen glänzte Hutter an Tenorhorn, Trompete, Posaune und Euphonium – ein Tausendsassa.

Macht Blasmusik auf Weltniveau: Grammy-Preisträger Ernst Hutter Foto: Eyrich

Auch bei Klaus Wagenleiter, dem Pianisten, steht ein Grammy im Schrank – zurecht, wie er vor allem bei seinen Soli bewies: „It Don’t Mean A Thing“ war eine Swing-Einlage vom Feinsten.

Auch Pianist Klaus Wagenleiter hat einen Grammy im Regal. Foto: Eyrich

Den Unterschied zwischen einem Percussion-Künstler und einem Champions-League-Percussion-Künstler hat Echo-Preisträger Herbert Wachter,

Echo-Preisträger Herbert Wachter gehört beim „Crossover“ schon zum Inventar. Foto: Eyrich

inzwischen Stammgast beim „Crossover“, einmal mehr herausgearbeitet – auch im Zusammenspiel mit Schlagzeuger Christian Baumgärtner

Der Meister des Schlagzeugs kann auch singen: Christian Baumgärtner Foto: Eyrich

, der als Sänger mit einer Slow-Version von Stings „Roxanne“ brillierte. „Südlich“-Gitarrist Ralf Gugel wird laut Baumgärtner künftig nur noch „The Voice“ genannt, so wunderschön war sein Solo mit George Harrisons „Isn’t It A Pity“.

Gitarrist Ralf Gugel wird künftig nur noch „The Voice“ genannt. Foto: Eyrich

Gleichwohl waren es die Sängerinnen Annette Kienzle und Carla Frick, die dem Abend die Sahnehäubchen aufsetzten. Carla Fricks klassisch ausgebildete Ausnahmestimme scheint über die Corona-Zeit noch schöner geworden zu sein: „Oh God Beyond All Praising“ und „No Soy Feliz“, das sie ihrer Tochter als Schlaflied singt, waren starke Beispiele dafür.

Können Klassik, Pop, Jazz, Swing – einfach alles: Annette Kienzle (links) und Carla Frick Foto: Eyrich

Doch wer hätte gedacht, dass Annette Kienzle – als „Südlich“-Stammsängerin für ihre samtweiche und facettenreiche Stimme bekannt – auch Klassik kann? „Barcarolle“ und das „Flower Duet“ gerieten zu Wundertüten des Abends.

Johannes Killinger am Bass (rechts) stand nur optisch etwas abseits. Foto: Eyrich

Mit kürzeren, aber nicht weniger gekonnten Soli hatten es Johannes Killinger an Bass und am E-Bass sowie Ralf Schuon am Keyboard nicht leicht angesichts von so viel Strahlkraft an den Mikrofonen, die Blicke auf sich zu ziehen, was Carla Frick im klassischen Duett mit Steffen Mark Schwarz auf der Orgelempore übrigens dank der raffinierten Kulisse – Großbildschirme inklusive – von „SLAM“ gelungen ist.

SLAM-Techniker Uwe Sessler sang zum Ausklang mit Annette Kienzle, Karl Frierson und Carla Frick. Foto: Eyrich

Deren Techniker Uwe Sessler ließ sich am Ende der Tour de force durch Perlen der Musikgeschichte für das Schlusslied des bisher längsten „Crossover“-Programms, „Ai No Corrida“, noch auf die Bühne komplimentieren, denn auch er hat eine satte Röhre, und so feierte das Publikum – stehend klatschend.

– einen schlichtweg sensationellen Auftritt aller Beteiligten – drei Jahre nach dem Kartenverkauf. Dass der Erlös dem Erhalt der Martinskirche, ihrem musikalischen Angebot und dem Frauenhaus Zollernalb zu Gute kommt, wofür Thorsten Rach, Vorsitzender des Fördervereins Martinskirche, besonders dankbar war, war einmal mehr ungenannten Sponsoren zu verdanken – und die haben auch für 2024 schon wieder zugesagt.