So viel Spaß wie hier 2012 werden die Pfadis womöglich nicht mehr bei der Martinshütte haben. Foto: privat

Als „idyllisches Gruppenhaus im Grünen“ wird die Frommerner Martinshütte bei der Sparkasse Zollernalb angepriesen. Für 160 000 Euro ist das Haus aufgerufen. Noch gibt es keinen Käufer, aber einen Rettungsversuch von Fans des Hauses.

Bei den Pfadfindern war der Schock groß: Die Katholische Kirche will sich von der Martinshütte trennen. In den sozialen Medien schlugen die Wellen hoch. Frommerns Ortsvorsteher Stephan Reuß sitzt für die SPD im Gemeinderat und brachte das Thema in einer Sitzung aufs Tableau.

 

Reuß wollte von der Stadt wissen, ob diese nicht das als Gruppentreff beliebte Haus kaufen kann. Baudezernent Michael Wagner wiegelte ab: Wegen der Lage rate er der Stadt ganz klar vom Kauf ab, das Haus könne weder gewerblich genutzt werden, noch könne man darin wohnen. Reuß’ Bedenken, dass sich womöglich ein Schrotthändler dort ansiedeln könne, zerstreute Wagner.

Die Hütte soll als Freizeitheim erhalten bleiben

Einziehen soll in die 110 Quadratmeter des ehemaligen Bahnwärterhäuschens auch niemand, wenn es nach dem ehemaligen Pfadfinder Jochen Herth geht. Die „Pfadis“ haben in der Martinshütte quasi ihr Lager, halten dort Freizeiten ab – und das soll auch so bleiben. Über Facebook, unter anderem, sucht er Geldgeber und Spender.

Warum? Weil es solche Sätze sind, die auch die Sparkasse in der Offerte nutzt: „Hier können Sie mit einer Gruppe gesellige Abende und Wochenenden verbringen. Es sind genügend Betten vorhanden, um auch über Nacht im Ferienhaus zu bleiben.“ Das beliebte Freizeitheim, meint Herth, soll den Leuten erhalten bleiben.

„Das ist ein einmaliges Ding.“

Herth hat sich bereits mit der Stadtverwaltung Balingen unterhalten. Derzeit entwickelt er ein Konzept zur Nutzung, erklärt er gegenüber unserer Redaktion. Und er möchte eine Bauvoranfrage stellen.

Seine Motivation: „Das ist ein einmaliges Ding in Balingen und muss erhalten bleiben.“ Nicht nur er habe viele unvergessliche Momente in der Martinshütte erlebt.

Die Pfadfinder würde das Haus gerne übernehmen. Allein – der angesetzte Kaufpreis von 160 000 Euro sei „sehr hoch“. Dabei ist es Herth durchaus bewusst, dass nur eine Nutzung als Gruppenunterkunft in Frage komme. Wegen des doch unwegsamen Geländes, der quasi nicht vorhandenen Zufahrt und der abgeschiedenen Lage sei eine andere Nutzung auch gar nicht möglich.

Es muss viel investiert werden

Herth will das „Projekt Martinshütte“ auf breitere Schultern verteilen. Deswegen sucht er Mitstreiter. Denn ihm ist durchaus bewusst, dass es mit den 160 000 Euro Kaufpreis nicht getan sein wird – das Haus auf dem mehr als 10 000 Quadratmeter großen Waldgrundstück ist marode.

Die Sanitärräume sind in einem desolaten Zustand. Die Küche entspricht nicht mehr der Norm. Das Gebäude müsste energetisch auf Vordermann gebracht werden und bräuchte eine neue Hülle. Hinzu kommt, dass die Klärgrube erneuert werden muss.

Es gab schon Kaufinteressenten

Herth weiß, dass es bereits Interessenten für die Martinshütte gab. Zugeschlagen hat bislang noch niemand. Michael Wagner wünschte sich in der damaligen Gemeinderatssitzung, dass das Haus in vernünftige Hände kommt und in ähnlicher Funktion wie jetzt weiterbetrieben werde.

Die Immobilienabteilung der Sparkasse verweist in der Annonce für das „Feriendomizil“ auch darauf. Dass der Erwerb in erster Linie Institutionen vorbehalten sei.