Martin Schweizer ist seit 2016 Sportlicher Leiter der Freiburger Fußballschule. Mit unserer Redaktion hat der 44-jährige Inhaber der Uefa-Pro-Lizenz über das U19-Turnier in Oberndorf, die anstehende Saison, Christian Streich und Entwicklungen im Jugendfußball gesprochen.
Das U19-Turnier in Oberndorf kann man sich ohne den SC Freiburg eigentlich gar nicht vorstellen, die Breisgauer nehmen in diesem Jahr zum 28. Mal Teil – und das bei der 29. Auflage des Turniers.
Martin Schweizer, seines Zeichens seit 2016 Sportlicher Leiter der renommierten Freiburger Fußballschule schwärmt: „Wir sind da mittlerweile in einem Status angekommen, der mich unheimlich freut, denn wir werden gar nicht mehr wirklich gefragt, sondern sind einfach dabei. Das Turnier ist für uns eine Institution, man schätzt sich.“ Er tituliert das Turnier in der Neckarstadt zudem als „Highlight und echten Gradmesser“. „Es war wiederholt der Fall, dass wir nach einem inhaltlich und ergebnistechnisch guten Auftritt in Oberndorf auch eine erfolgreiche Saison gespielt haben“, denkt Schweizer zurück.
Als bestes Beispiel dient das vergangene Jahr: Die Breisgauer siegten in Oberndorf und spielten anschließend eine überragende Saison. Die Mannschaft marschierte ohne Niederlage durch die Oberliga und verlor das Finale im DFB-Pokal denkbar knapp (2:3 nach Verlängerung) gegen die TSG Hoffenheim.
Ruben Müller mit dabei
Der 2005er-Jahrgang, zudem auch der Oberndorfer Ruben Müller zählt, ist laut Schweizer im Club sowieso „gut angesehen“. Er sagt: „Der Jahrgang ist sowohl in der Breite, als auch in der Spitze richtig gut, das hat man selten.“ 15 Spieler diesen Alters stehen im Kader der 2. Mannschaft für die Saison 2024/25. Nach dem Abstieg aus der 3. Liga spielt die Mannschaft wieder in der vierthöchsten deutschen Spielklasse.
Trainer Thomas Stamm, der neun Jahre in Freiburg in verschiedenen Rollen tätig war, zog es zu Dynamo Dresden. Nachfolger ist Benedetto Muzzicato. Schweizer weiß: „Wenn man jemanden Neues in so einer Position hat, braucht dieser sicherlich ein paar Wochen oder Monate bis er seinen Platz hat. Diesen Prozess kann man durch gute Begleitung aber beschleunigen.“ Ergebnisziele will der Sportliche Leiter nicht ausgeben, er sieht vielmehr die Handlungsebene im Vordergrund: „Man muss es von der Liga ein Stück weit abkoppeln. Unsere Aufgabe ist es, unter der Woche ein maximal gutes Trainingsniveau zu erzeugen.“
Christian Streich als Ikone
Einen Trainerwechsel gab es beim SCF nicht nur in der 2. sondern auch in der 1. Mannschaft. Christian Streich wurde durch Julian Schuster beerbt, der zuvor Verbindungstrainer war. Schweizer meint zunächst, dass es „wahnsinnig schwer ist, Christians Verdienste in Worte zu packen“. So formuliert er: „Ich hatte auch das Glück mal drei Jahre in der U19 sein Co-Trainer sein zu dürfen. Er ist eine Ikone und ein Vorbild, wie man mit Menschen umgehen sollte.“ Schuster wisse laut Schweizer aber ebenfalls genau, wie die Freiburger Fußballschule tickt. „Das ist ein sehr großes Gut.“
Von den Mechanismen des Transfermarktes bleiben aber auch die Freiburger nicht verschont. Noah Darvich, Kapitän der deutschen U17-Weltmeister, verließ den Verein vergangenen Sommer in Richtung FC Barcelona. Schweizer weiß: „Der Markt hat sich auf jeden Fall verändert, es ist aggressiver geworden. Vor 15 Jahren hatten Jugendspieler vereinzelt einen Berater, jetzt ist es wohl bei allen der Fall. Diese Entwicklung ist auch schwer aufzuhalten. Wir haben bei Noah schon daran geglaubt, dass er am richtigen Platz ist.“
Schweizer lobt
Ein anderes viel diskutiertes Thema ist die Umstrukturierung des DFB in Sachen A- und B-Junioren. Statt der bisherigen Bundesligisten sind es nun Nachwuchsligen. „Ich finde das Wording super. Es ist eben eine Liga für den Nachwuchs. 98 Prozent der Jungs sind im Anschluss im Herrenbereich nämlich keine Bundesligaspieler. Wir sind da insgesamt Verfechter und positiv gestimmt, was die neue Struktur anbelangt“, so Schweizer. Die hiesigen Fußballfans freuen sich sicherlich bereits darauf, wenn der SCF dann Ende Juli nach Oberndorf kommt.