Manche sind blau wie der Himmel, andere katzen-grün oder dunkel wie ein Geheimnis: Die Rede ist von Augen. Genauer gesagt von der Iris, die dem Auge seine Farbe gibt. Diese Iris zu fotografieren, das ist eine der Spezialitäten des Hechinger Fotografen Martin Keidel.
Hechingen - Das Geschäft am Kirchplatz ist ein Familienbetrieb mit Tradition. Aber gute Fotografen sind immer auch am Experiment interessiert, an der Suche nach neuen Möglichkeiten der Abbildung. Augenärzte und Antiquitätenhändler haben ihm nun dabei geholfen, eine ganz neue Fotogattung in sein Angebot aufzunehmen: Die Iris-Fotografie.
"Ich war auch überrascht über die Ergebnisse", erzählt er. Nicht umsonst heißt die Iris auch "Regenbogenhaut". Aus der Nähe betrachtet schillert sie in vielen Farben. Manche Kunden seien zunächst sogar etwas enttäuscht. Eine Frau war stolz auf ihre grünen Augen. Aus der Nähe sind sie aber blau mit gelben Einsprengseln.
Irisstrukturen sind individuell
Am Ende ist aber jeder fasziniert von den Details. Auch von der Struktur der ringförmigen hellen Fasern und der dunklen Flecken. "Das bin also ich", mag sich mancher denken. Und tatsächlich: Wie Fingerabdrücke sind auch Irisstrukturen so individuell, dass sie heute zur Identifikation von Personen genutzt werden.
Die Idee, einfach mal eine Iris zu fotografieren, kam Keidel vor zwei Jahren fast beiläufig in einem Gespräch mit einem Kunden. Das Problem: "Das ist gar nicht so einfach, jedenfalls wenn man ein gutes Resultat will", erzählt der Fotograf. Das Auge ist feucht, alles spiegelt. Wimpern, die Beleuchtung. Nicht einfach.
Die Idee ließ ihn nicht mehr los. Augenärzte haben doch Spezialapparate, mit denen sich das Auge genau betrachten lässt. Martin Keidel rief einen ehemaligen Mitarbeiter an, der mittlerweile in der Tübinger Augenklinik arbeitet. Im Prinzip würde die so genannte Spaltlampe der Augenärzte das Problem lösen, berichtete der. "Das ist ein Medizingerät, das wäre viel zu teuer für diesen Zweck", so Keidel. Aber der Mitarbeiter berichtete, er sei kürzlich bei einem Ofterdinger Antiquitätenhändler gewesen, "und der hat so ein Ding rumstehen".
Wesentlicher Teil der Arbeit passiert am PC
Keidel fuhr hin. Der Händler wusste gar nicht recht, was er da für ein Ding im Lager stehen hat. Es war jedenfalls uralt, das zeigten schon die Bakelit-Stecker. Dazu war auch noch das Prisma kaputt, durch das das Licht genau kontrolliert ins Auge geleitet werden kann. Man wurde sich schnell handelseinig.
Dann noch ein Anruf bei Keidels Schulfreund, der Augenarzt ist. Der wusste von einem spezialisierten Ersatzteilhandel in Stuttgart, der aus Prismen besorgen kann. Die Lichtquelle und elektrischen Stecker wurden natürlich gegen moderne Geräte ausgetauscht. Und schon konnte es losgehen mit den Foto-Experimenten. Und bald hatte Keidel die Sache im Griff.
Wobei ein wesentlicher Teil der Arbeit mit dem Bildbearbeitungsprogramm am Computer passiert. Den Hintergrund schwarz oder weiß machen, mehrere Irisaufnahmen kombinieren. Was besonders Familien mögen. Da können die Eltern-Irisse auch als Kollision dargestellt werden, aus der die Kinder-Irisse entstehen. Vom Poster bis zum Foto-Medaillon in Fingernagelgröße – der Fantasie sind dann keine Grenzen gesetzt.
Irisfotografie geht auch mit Maske
Dieses besondere Angebot hat sich mittlerweile herumgesprochen. Besonders froh war Martin Keidel über die Iris-Fotografie aber in der Lockdown-Phase, in der das Hauptgeschäft zusammenbrach, weil Hochzeiten, Taufen und andere Anlässe ausfielen. Und was stattfand, war mit Maske. "Irisfotografie ging, weil man da die Maske ja aufbehalten kann, so hatten wir wenigstens etwas Geschäft", so Keidel.
Mittlerweile hat sich die Lage wieder etwas geändert. Erst vor einigen Tagen hat er in Tübingen eine große Hochzeit fotografiert. "Die hatten eine Apothekerin dazubestellt, die alle getestet hat", erzählt er. Aber das wäre dann wieder eine ganz andere Geschichte.