Iva Rigotti (von links), Mara Zimmermann, Hannes Nagel, Lukas Konrad (teilweise verdeckt) und Felix Weber fachsimpeln am MGG mit den KIT-Studenten Julius Dettinger, Pascal Schillsott und Martin Meyer. Foto: Lück

Horb ist landesweit Vorreiter beim digitalen Lernen, sagt der geschäftsführende Schulleiter Götz Peter. Doch wie sieht das in der Praxis aus? Ein Report.

Horb - Drei 3D-Drucker im "digitalen Hobbyraum", wie der Rektor des Martin-Gerbert-Gymnasiums (MGG) Georg Neumann scherzhaft den "Maker Space" übersetzt. Iva Rigotti, Mara Zimmermann, Hannes Nagel und Lukas Konrad vom MGG fachsimpeln mit den KIT-Studenten Julius Dettinger, Martin Meyer und Pascal Schillsott. Vorne liegt ein aufgeschnittener Hai-Fisch. Wie bekommt man aus dem Hai ein echtes U-Boot konstruiert?

MGG-Rektor Neumann ist sichtlich stolz. Denn: Die KIT-Studenten waren vorher Oberstufenschüler am MGG. Haben noch vor der Pandemie ein Konzept zum digitalen Lernen entworfen. Dann das Konzept verfeinert mit 3D-Druckern. Martin Mayer: "Weil man mit dem 3D-Drucker die Dinge begreiflich machen kann. Anders als auf dem Beamer." Und im dritten Projekt haben sie gezeigt, wie es geht. Mit 3D-Modellen haben sie Häuser konstruiert und Strömungsgeschwindigkeiten für das Stadtklima nachgemessen.

Burg Hogwarts von Harry Potter gedruckt

Für diese drei Projekte gab es insgesamt 7000 Euro Preisgeld in drei Runden beim Digitalisierungspreis der Unternehmensgruppe Fischer. Und weil die zukünftigen Ingenieure ihre 3D-Modelle damals noch bei Fischer gedruckt haben, lag es nahe, "den Kleinen" diesen Weg ins Waldachtal zu ersparen.

Rektor Neumann: "Die vier sind unsere Sponsoren – und wir sind sehr dankbar!" Denn jetzt stehen drei 3D-Drucker im "Maker-Space": Einer kann sogar Holz bearbeiten. KIT-Student Martin: "Mit den Prusa-Druckern hat das MGG genau das richtige gekauft. Hochpräzise, günstig, robust." Hannes Nagel (Klasse 8): "Der kalibriert sich automatisch – man kann also gleich losdrucken."

Und das hat die AG auch schon gemacht: Die Burg Hogwarts von Harry Potter, eine Krake, jede Menge MGG-Schilder. Und ein U-Boot. Julius Dettinger: "Da passt die Technik nicht rein. Da müssen wir noch mal umkonstruieren!" Iva Rigotti: "Das ist kein Problem: Man nimmt die Vorlage aus dem Internet und kann dann im Programm mit Formen den Haifisch-Bauch aushöhlen!"

Modul für Unterricht wird entwickelt

Das Konstruieren. Mit 3D-Drucker ganz einfach. Und die Schüler sind mit Begeisterung dabei. Sandra Meyer, Fachlehrerin für Naturwissenschaft und Technik: "Aufgrund der positiven Erfahrungen mit den Preisträgern und mit der AG werden wir im Vierer-Team jetzt ein Modul für NWT entwickeln, in dem das Konstruieren mit dem 3D-Drucker eingesetzt wird. Das soll im neuen Schuljahr dann eingeführt werden." Im Team: Kirsten Gockel, Bernhard Hinger und Maximilian Petermann.

Das Digital Hub zwei Tage vorher. Bettina Wiebe und die Robotik AG der Gemeinschaftsschule sind gerade eingetroffen. Die fünf Schüler aus der Klasse 8b stürzen sich begeistert über die Robotik-Baukästen, die Fischer spendiert hatte. Es ist die Premiere, und die Schüler machen sich unter tatkräftiger Mithilfe von Stephanie Wagner, Korbinian Much (Start-Up Gründer Voiceblitz) und Patrick Walz (IHK) dran, die Teile zusammenzubauen.

"Die Robotik-Kästen sind wunderbar"

Ein Schüler erklärt das zentrale Steuerungsmodul: "Das ist wie ein Handy. Akku, Sim-Karte, Bluetooth, Cloud, Programmieren. Damit kannst Du sogar unterwegs über das Handy die Daten abrufen und das Teil steuern!" Dann ruft es: "Herr Rektor, haben Sie ein Lineal?" Weil die Kabel 20 Zentimeter lang sein sollen. Götz Peter: "Nein, leider nicht." Gott sei Dank findet ein Schüler raus, dass man die Teile einfach auseinander ziehen muss.

Peter: "Da bin ich ja froh. Noch glücklicher bin ich über Bettina Wiebe. Die hat berufsbegleitend noch Informatik studiert und ist mit vollem Einsatz dabei, das digitale Lernen aufzubauen!" Wiebe: "Die Robotik-Kästen sind wunderbar. Früher haben wir in Klasse zehn mit Programmieren angefangen, doch wie man sieht, geht das jetzt schon in Klasse 8."

Spannende Projekte auch im Kunstbereich möglich

Neugierig beobachtet Carolin Schwenk, Leiterin der Aus- und Weiterbildung bei Bosch Rexroth (Horbs größtem Arbeitgeber) die Schüler an den Robotik-Baukästen. Sie sagt: "Ich schaue mir das vor Ort mal an. Durch die fortschreitende Digitalisierung in der Produktion ist es für uns wichtig, wenn solche Talente sich schon frühzeitig in der Schule entwickeln können."

Und das kann konstruktiv begabten Gemeinschaftsschülern die Chance erhöhen, einen Ausbildungsplatz in der Industrie zu bekommen.

Fazit: Es geht richtig was beim digitalen Lernen in Horb. Die Schüler lernen besser tüfteln. Eine Chance für unsere Industrie. Doch auch für Talente, deren Begabung eher in Kunst und Kultur liegen. Bernhard Hinger, MGG-Fachbeauftragter für NWT: "Beim nächsten pädagogischen Tag werden wir die 3D-Druck-Technik vorstellen. Damit kann man sicherlich auch im Kunstbereich spannende Projekte oder Objekte schaffen!"