Mit seiner Live-Multivision in Villingen gelingt Martin Engelmann eine eindrucksvolle Reise in die Welt der Maya und zeigt zugleich die Zerbrechlichkeit ihrer Kultur sowie die Verantwortung, ihr kulturelles Erbe zu bewahren. Foto: Bianca Benz

Der renommierte National-Geographic-Fotograf Martin Engelmann präsentierte in der Neuen Tonhalle in Villingen seine Live-Multivision „Die Weisheit der Maya“.

Mehr als 300 Besucher waren am Nachmittag in der Reihe story VS gekommen, um die eindrucksvollen Fotografien, Videos und Erzählungen des Tirolers zu erleben.

 

Zu Beginn begrüßte Michael Hoyer die Gäste und betonte, dass die Event-Reihe story VS in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiert. In dieser Zeit seien bereits über 200 Kultur- und Abenteuervorträge in der Tonhalle veranstaltet worden. Umso mehr freue er sich, dass Martin Engelmann erneut in Villingen-Schwenningen zu Gast sei.

Der Tiroler hat mehr als ein Jahrzehnt als Filmemacher und Fotograf die Länder Mexiko, Guatemala und Belize auf den Spuren der Maya bereist. Seine erste Reise in den Regenwald führte ihn im Mai 2008 nach Naha im mexikanischen Bundesstaat Chiapas. Dort liegt eine Siedlung der Lakandonen, die als letzte Nachkommen der Maya gelten. Bereits die Anreise war ein Abenteuer: Rund 150 Kilometer musste Engelmann auf unbefestigten Straßen zurücklegen, bevor er das abgelegene Dorf erreichte.

Eindrucksvolle Bilder

Die Lakandonen leben bis heute sehr ursprünglich und tragen traditionell weiße Tuniken. Gleich zu Beginn seiner Reise bot ihm ein Junge an, sein Touristenführer zu sein – als Bezahlung verlangte er lediglich Chips und Cola. Solche Anekdoten sorgten im Publikum immer wieder für Schmunzeln. Begleitet wurden Engelmanns Geschichten von eindrucksvollen Bildern des Regenwaldes sowie von Aufnahmen aus dem Alltag der Bewohner, die einen authentischen Einblick in ihr Leben gaben.

Während seines Aufenthalts lernte Engelmann Don Antonio kennen, den Schamanen der Gemeinschaft, der für Rituale und Traditionen zuständig ist. Einen Nachfolger hat er bislang nicht gefunden, da sich viele Jugendliche kaum noch für die alten Bräuche interessieren.

Besonders eindrucksvoll schilderte Engelmann auch eine Expedition in eine der heiligen Höhlen der Maya, die normalerweise nicht fotografiert werden dürfen. Mit einer speziellen Genehmigung drang er, teilweise schwimmend, zwei Tage lang rund zwei Kilometer tief in die Höhle vor.

Die Bedrohung

Doch Engelmann dokumentierte nicht nur die faszinierende Kultur der Maya, sondern auch deren Bedrohung. Als er ein Jahr nach seinem ersten Besuch nach Naha zurückkehrte, war er schockiert über die Veränderungen. Teile der Straße waren inzwischen asphaltiert, und große Flächen des Regenwaldes waren abgeholzt. Auch im Dorf selbst zeigte sich der Wandel: Einige der Jungen, die er bei seiner ersten Reise kennengelernt hatte, trugen inzwischen westliche Kleidung.

In den folgenden Jahren beobachtete Engelmann immer deutlicher, wie die Moderne Einzug hielt. Spielautomaten tauchten im Dorf auf, und bei einem späteren Besuch stellte er fest, dass es inzwischen sogar Internet in der abgelegenen Siedlung gibt. Missionare versuchten zudem, die Lakandonen zum Christentum zu bekehren. Gleichzeitig erschweren neue Umweltschutzgesetze die traditionelle Jagd. Schamane Don Antonio beobachte diese Entwicklungen mit Sorge. Sein Vorgänger habe einst gesagt, das Ende der Welt werde kommen, wenn es keine Bäume mehr gebe.

Auch die junge Generation blickt zunehmend auf die Außenwelt. Einige der Jugendlichen erzählten Engelmann bei seinem letzten Besuch, dass sie den Regenwald verlassen wollen, um im Tourismusbereich zu arbeiten. In seinen Fotos und Videos konnten die Zuschauer nachvollziehen, wie sich ihr Leben und ihre Perspektiven über die Jahre verändert haben.

Seine Hoffnung

Trotz aller Herausforderungen berichtete Engelmann am Ende seines Vortrags von einem Moment, der ihm Hoffnung gab. Bei einem Besuch der letzten Ruhestätte der Maya saß er mit einem Dorfbewohner zwischen den Gebeinen seiner Vorfahren. Dieser erzählte ihm, dass er seinen Sohn in den Traditionen und Ritualen der Maya ausbilden wolle. In diesem Augenblick, so Engelmann, habe er zum ersten Mal den Eindruck gehabt, dass die Kultur der Maya vielleicht doch noch nicht am Ende ist.

Das Publikum in der Tonhalle zeigte sich von den eindrucksvollen Bildern, Videos und persönlichen Geschichten tief beeindruckt.

Immer wieder reagierten die Zuhörer mit Staunen, Lachen bei den humorvollen Anekdoten und langem Applaus am Ende des Vortrags.