Bei bestem Wetter feiert Marschalkenzimmern sein 750-jähriges Bestehen. Foto: Stöhr

In 750 Jahren ist in dem kleinen Ort viel passiert. Entsprechend viel gibt es zu erzählen. Heute ist Marschalkenzimmern der größte Stadtteil von Dornhan.

Stand der Samstag mit seinem US-Car-Treffen eher im Zeichen der glänzenden Schätzchen neueren Datums – und wurde gebührend gefeiert, reichte der Blick am Sonntag weit zurück.

 

ein Vortrag auf der Bühne beim Dorfplatz bot interessante Einblicke in die 750-jährige Historie des Ortes Marschalkenzimmern. Zusammen mit seinem „Chef“ Johannes Waldschütz, Amtsleiter für Archiv/Kultur/Tourismus am Landratsamt Rottweil, tauchte der Historiker tief in die lange, wechselhafte Geschichte des heute größten Dornhaner Stadtteils ein.

Im Laufe der Jahrhunderte hatte der kleine Ort mehrmals mit den Folgen von Kriegen, Pest, Bränden und wechselnden Besitzverhältnissen zu kämpfen.

Der Ortsname gehe wohl auf das althochdeutsche „zimbar“ (Zimmern) zurück, was heute noch in vielen Ortsnamen am oberen Neckar enthalten ist. Warum, das erklärte Johannes Waldschütz in seiner Einleitung. Es hänge damit zusammen, dass der damalige Papst einen neuen Kreuzzug durchführen wollte und dafür Geld brauchte.

Das Zimmern, das dem Marschall gehört

Aus allen Orten forderte man deshalb Geldabgaben, den sogenannten „Zehnten“, ein. Um die vielen „Zimmern“ voneinander zu trennen, musste ein Zusatz her. Zur damaligen Zeit im 13. Jahrhundert gelangte Marschalkenzimmern in den Besitz der Grafen von Lupfen, eines mächtigen schwäbischen Uradelsgeschlechts. Diese erbten 1251 die Landgrafschaft Stühlingen.

Als Landgrafen verfügten sie über eine repräsentative Hofhaltung. Zu den wichtigsten Hofämtern gehörten der Mundschenk und der Marschall, der den „Marstall“, also den gräflichen Pferdestall, beaufsichtigte. Für ihre Dienste wurden die Inhaber der Hofämter vom Landgrafen mit Land belehnt – so auch der Marschall mit dem bei Dornhan gelegenen Dorf Zimmern. Er nannte sich jetzt „Marschalc von Zimmern“.

Etwa um die gleiche Zeit, nämlich im Jahr 1275, wurde das Dorf Marschalkenzimmern das erste Mal urkundlich erwähnt, so Braun. Damals sei der Ort aber noch als „Zimbern“ bezeichnet worden. Erst später, ab etwa 1390, wurde der Ort Marschalkenzimmern genannt. Zur damaligen Zeit gab es in der Nähe des Pfarrhauses auch eine von einem Wassergraben umgebene Burg.

In der folgenden Zeit wechselten die Besitzverhältnisse mehrmals. 1598 gelangten Schloss und Dorf Marschalkenzimmern in den Besitz von Herzog Friedrich I. von Württemberg, welcher bereits ein Jahr später die Reformation einführte. Die Einwohner mussten ihre Konfession wechseln und der bisherige katholische Pfarrer einem evangelischen weichen, was nicht ohne Widerstand ablief.

Krieg und Pest

Überfälle, Zerstörung und Plünderungen brachte der Dreißigjährige Krieg mit sich. Hinzu kam noch eine Pestseuche. Viele Einwohner flüchteten sich in benachbarte Städte. Viele starben als Flüchtlinge in Sulz, Dornhan und anderen Orten, meist an der Pest, so der Archivar weiter.

Marschalkenzimmern blieb geraume Zeit fast unbewohnt. Die abgebrannten Gebäude lagen in Schutt und Asche, und die Äcker waren unbebaut. Kriegsbedingt sei das Dorf von 1635 bis 1639 zunächst eine Filiale der Pfarrei Fürnsal, anschließend der Stadtpfarrei Dornhan gewesen. Der Gottesdienst habe nach der Zerstörung der Kirche 1634 bis zum Bau einer neuen Kirche, der heutigen Friedhofskapelle, im Jahr 1712 im Schloss stattgefunden.

Fast 100 Jahre Vakanz

Im Jahr 1730 erhielt der Ort – nach einer 95 Jahre langen Vakanz – mit Johann Georg Griesinger wieder einen eigenen Pfarrer. Als weitere bedeutende Persönlichkeit aus Marschalkenzimmern sei Friedrich August Köhler (1768-1844) zu nennen. Neben seiner Tätigkeit als Pfarrer habe er sich als Altertums- und Heimatforscher, Ortschronist und Landeshistoriker einen bedeutenden Namen gemacht.

Einen sprunghaften Anstieg der Bevölkerung habe es im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts gegeben. 1736 waren zwei Weber, ein Schmied und ein Ziegler im Dorf ansässig, erklärte Braun.

Viele Auswanderer

Da der Großteil der Bevölkerung arm gewesen sei, kam es zu drei Auswanderungswellen nach Nordamerika (1751), Westpreußen (1781/82) und Polen (1804/05). Zudem ereigneten sich in Marschalkenzimmern im 18. Jahrhundert zwei Großbrände, bei denen insgesamt 27 Häuser zerstört wurden.

Im 19. und 20. Jahrhundert gab es weitere Veränderungen. 1807 kam Marschalkenzimmern zum württembergischen Oberamt Sulz, 1938 zum Landkreis Horb und 1973 schließlich zur Stadt Dornhan und zum Landkreis Rottweil. „Heute ist Marschalkenzimmern mit mehr als 1000 Einwohnern der größte Stadtteil von Dornhan“, beendete der Archivar seinen Vortrag. Musikalisch umrahmt wurde der Nachmittag von der Formation „the Polka seven“. Im Anschluss an den Vortrag hatte der Kindergarten einen Auftritt auf der Bühne.