Markus Rist vor seinen Kälbern – der Landwirt aus Brigachtal engagiert sich seit drei Jahrzehnten auch kommunalpolitisch. Foto: Hella Schimkat

Seit 30 Jahren ist Markus Rist im Brigachtaler Gemeinderat vertreten – und will das weiter sein. Sein Ziel als leidenschaftlicher Landwirt ist es, die Landwirtschaft zu vertreten. Doch auf seinem Hof geht die Arbeit nicht aus – die er nach einem traurigen Schicksalsschlag alleine bewältigen muss.

Markus Rist liebt seinen Beruf als Landwirt, auch wenn er sehr viel Arbeit bedeutet. Zuerst war die kleine Landwirtschaft im Dorf, damals noch im Ortsteil Klengen – an eine Erweiterung des Hofes war dort nicht zu denken.

 

Also baute er einen Hof mit Stallungen am Rande des Steinbruchs. Erst richtete er sich auf Schweinemast und Milchvieh aus, später aber gab er die Schweinemast auf und vergrößerte seine Milchviehwirtschaft mit den Kälbern, von denen er die Bullenkälber verkaufte und die Kühe behielt.

Das Leben auf dem Hof bestreitet er allein

„Früher wusste ich nicht so richtig, was ich werden sollte, also machte ich erst einmal die Ausbildung als Automechaniker“, erzählt er. Anschließend blieb er auf dem Hof. Heute betreibt er den Hof mit seinem Sohn Daniel. Simone, eine seiner beiden Töchter, ist aktiv bei der Landjugend Brigachtal.

Doch den alltäglichen Herausforderungen des Hoflebens muss sich Rist alleine stellen, so begleitet ihn ein trauriges Schicksal. Von heute auf morgen sei seine Frau Sandra schwer erkrankt: „Wir kämpften zweieinhalb gegen ihren aggressiven Hirntumor, vor drei Jahren ist meine Frau dann gestorben“, erzählt Rist.

Smarter Melkroboter vereinfacht den Alltag

Er sei allen Verwandten, Familienmitgliedern und Freunden immer noch dankbar, die ihn, seine Töchter und Sohn während dieser schweren Zeit unterstützten. „Sie machten richtige Einsatzpläne, wann es etwas zu helfen gab, wann sie nach meiner Frau schauten und ein paar Schritte mit ihr gehen, denn die Arbeit auf dem Hof musste ja trotz allem auch weitergehen“, so Rist.

Die leeren Stallungen der aufgegebenen Schweinemast wurden umgebaut, jetzt stehen dort Kühe, die bald kalben werden. Modern geht es auf dem Hof von Rist zu: Ein Melkroboter wurde angeschafft – kein „billiges Schnäppchen“, wie Rist schmunzelt – welcher seinem Sohn und ihm viel Arbeit abnehme. Ein faszinierendes Schauspiel sei es, dieser Melkroboter, welcher der Redaktion sogleich demonstriert wurde. So laufen die Kühe selbstständig zum Roboter, gönnen sich dort ein Leckerli und nebenbei macht der Roboter seine Arbeit.

Um seine Kühe wird sich auf dem Hof von Markus Rist (fast) automatisch gesorgt, denn für das Melken gibt es den Melkroboter. Foto: Hella Schimkat

Jede Kuh habe dabei einen Transponder am Hals, den der Melkroboter ausliest, erläutert Markus Rist. Wenn eine Kuh im Melkroboter also meint, sie könnte abkürzen und noch einmal für ein Leckerli vorstellig werden, wird sie vom Melkroboter weitergeschickt. „Wenn eine Kuh sich den ganzen Tag nicht blicken lässt, fällt das dem Melkroboter auf und er sendet eine Nachricht an Markus oder Daniel Rist: „Kuh XY war heute noch nicht beim Melken“.

Bauernproteste beschäftigten auch den Landwirt

Auf die Frage, wie er zu den Bauernprotesten steht, die vor allem zu Jahresbeginn für Schlagzeilen gesorgt haben, antwortet der Landwirt: „Die Bürokratie in Deutschland ist zum Heulen, die Auflagen auch. Wenn die EU eine Auflage erteilt, wird diese in Deutschland noch einmal verschärft. So können wir nicht wettbewerbsfähig sein“.

Er selbst engagiert sich politisch

Markus Rist ist seit 30 Jahren Gemeinderat für die Liste „Bürgerinitiative Brigachtal“. Damit ist er, zusammen mit Theo Effinger, der dienstälteste Gemeinderat und will es weiter sein – so stellt er sich noch mal zur Wahl, Effinger auch.

Trotzdem windet er sich und meint: „Eigentlich wollte ich aufhören und anderen Kandidaten die Chance geben, ich will niemandem etwas wegnehmen“. Aber sie hätten auf ihrer Liste so tolle Menschen, sie seien „eine fantastische Gruppe“, deshalb versucht er es noch einmal: „Vielleicht werde ich ja nicht gewählt“, meint er.

Jürgen Kaltenbach tritt nicht mehr an

Da Landwirt Jürgen Kaltenbach jetzt aufhört, wäre er der einzige Landwirt im Rat, Stand heute. Und die Landwirtschaft möchte er schon noch vertreten, betont er und schwelgt in Erinnerungen: 26 Jahre alt sei er gewesen, damals auf der Landwirtschaftsschule. Fast zu jung für den Gemeinderat, aber sein Lehrer habe gesagt: „Bringt Euch ein“. Er habe sich aufgestellt und gedacht, „mal sehen wie viele Stimmen ich bekomme“, und sei auf Anhieb gewählt worden. Doch heute, schmunzelt er, sei er nicht mehr zu jung.