Markus Obernosterer und sein spezieller Torjubel – acht Treffer in elf Spielen hat der Österreicher in dieser Saison schon für die Stuttgarter Kickers erzielt. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Markus Obernosterer wird im Spiel des Oberligisten Stuttgarter Kickers schmerzlich vermisst. Der Offensivmann spricht über sein Comeback, die Folgen eines möglichen Aufstiegs und seine Vertragssituation.

Er ist ein Spieler, der in der Fußball-Oberliga den Unterschied ausmachen kann. 2022 konnte Markus Obernosterer (31) aber noch nicht für die Stuttgarter Kickers am Ball sein. Nun rückt das Comeback des torgefährlichen offensiven Mittelfeldspielers näher – vielleicht schon am kommenden Samstag (15.30 Uhr) beim SV Linx.

 

Herr Obernosterer, die Fans der Blauen sehnen Ihr Comeback herbei. Wie lange dauert es noch, bis Sie wieder am Ball sein können?

Das hört man gerne, und ich kann die Fans beruhigen, meine Verletzung ist auskuriert.

Dann steht einem Einsatz am kommenden Samstag (15.30 Uhr) beim SV Linx nichts entgegen?

Das muss natürlich der Trainer entscheiden. Aber einen 15-Minuten-Einsatz könnte ich mir gut vorstellen. Dann im WFV-Pokalspiel am darauf folgenden Mittwoch beim Landesliga-Spitzenteam VfL Nagold vielleicht eine Halbzeit, genauso wie am 2. April im nächsten Heimspiel gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen. So könnte ich Schritt für Schritt Spielpraxis sammeln und die Belastung steigern. Denn eines ist klar: Ich bin jetzt bei 80 Prozent. Und den hundertprozentigen Fitnesslevel, die letzten 20 Prozent, holt man sich durch 90 Minuten Fußball.

Pech beim Trainingsstart

Können Sie den Verlauf Ihrer Verletzung nochmal schildern.

Gleich beim Trainingsauftakt am 14. Januar bekam ich einen Schlag auf den linken Fuß, das Sprunggelenk schwoll sofort an. Zuvor hatte ich auch schon an einem Ödem am rechten Fuß laboriert. Diesmal war es ein Bänderriss, eine Fersenprellung, auch eine Sehne bekam etwas ab. Ich konnte erst nach fünf Wochen wieder laufen. Es war ein langwierige Therapie, zum Beispiel auch mit vielen Quarkwickeln, aber sie hat sich ausgezahlt.

Und jetzt?

Bin ich wieder fit. Vergangene Woche machte ich erste Passübungen, am Sonntag war ich beim Spielersatztraining voll im Einsatz. Wir spielten ein intensives Vier-gegen-Vier, und der Fuß hat gehalten.

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Das Spiel gegen den FC 08 Villingen wäre zu früh gekommen?

Ja, es bringt ja nichts, wenn ich da einen Schlag abbekommen hätte, und ich wieder fünf Wochen gefehlt hätte. Gerade jetzt, wo es in die entscheidende Phase geht.

Sie haben in dieser Saison in elf Spielen acht Tore erzielt. Ihre Kaltschnäuzigkeit hätte die Elf zuletzt gut gebrauchen können. Aus dem Mittelfeld kommt zu wenig Torgefahr.

Mag sein, aber so ein Spiel kann immer einmal passieren. Villingen ist ein unangenehmer Gegner. Und bei uns im Gazi-Stadion bringen die Gegner immer mehr PS auf den Rasen. Wenn du da 1:0 in Führung gehst, werden die Beine leichter. Wir lagen aber 0:1 zurück und der Gegner stellte sich noch mehr hinten rein. Jedes Spiel kannst du nicht gewinnen – das geht uns nicht anders, als dem FC Bayern oder Paris Saint-Germain.

„Elf, zwölf Spiele gewinnen“

Ärgerlich, weil der SGV Freiberg auch nur 1:1 gegen die TSG Backnang spielte.

Ja klar, andererseits hat sich unser Rückstand dadurch nicht vergrößert. Wir haben noch 13 Spiele und es leider nicht selbst in der Hand. Wir müssen aber möglichst elf, zwölf Spiele davon gewinnen. Sollte es dann dennoch nicht zur Meisterschaft reichen, dann gehen wir zumindest mit einer extrem breiten Brust in die Aufstiegsspiele.

Die für die Kickers 2019 schon mal schief liefen.

Ich weiß, zweimal 1:1 gegen Röchling Völklingen und Bayern Alzenau. Klar, diese Aufstiegsspiele sind eine 50-50-Chance, deshalb wollen wir auf Nummer sicher gehen und mit aller Macht noch an Freiberg vorbeiziehen.

Erfahrung im Saarland

Ihr Vertrag läuft noch bis 2024 – ligaunabhängig?

Ja, das ist so. Ich fühle mich sehr wohl bei den Kickers, aber klar möchte ich in der kommenden Saison mit den Blauen unbedingt in der Regionalliga spielen. Ich war in dieser Spielklasse vier Jahre lang für den 1. FC Saarbrücken und die SV Elversberg am Ball. Das ist schon eine andere Hausnummer.

Wie sehr müsste im Falle eines Aufstiegs die Kickers-Mannschaft verstärkt werden?

Fünf, sechs potenzielle Stammspieler müssten meiner Meinung nach geholt werden, weil wir ja im Aufstiegsfall nicht gegen den Abstieg spielen wollen, sondern in der vorderen Tabellenhälfte. Aber das ist Zukunftsmusik, zunächst geht es darum, unsere Hausaufgaben zu machen – in der Oberliga und im WFV-Pokal, wo ich unbedingt einmal das Endspiel in unserem Wohnzimmer spielen möchte.

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Sie sind einer der wenigen Kickers-Spieler, der sich ausschließlich auf den Fußball konzentriert. Warum?

Ich kann es nicht anders. Ich bin ein Spieler, der sehr, sehr viel Wert auf eine Topfitness legt, seinen Körper professionell pflegt. Ich brauche die Erholung. Wir trainieren viel, dienstags und mittwochs sogar zweimal am Tag. Wenn ich nebenher noch arbeiten würde, würde mir das zu viel Energie wegnehmen.

Sie werden im April 32 Jahre. Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach der aktiven Karriere?

Ich will mindestens noch drei Jahre spielen. Danach kann ich mir beruflich etwas in den Bereichen Sport und Ernährung sehr gut vorstellen.

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Am Samstag geht es zum SV Linx, der in der Hinrunde mit 7:0 besiegt wurde. Was tippen Sie?

So ein Ergebnis gibt es wahrscheinlich nur einmal in der Saison. Da hat bei uns alles geklappt und bei Linx ziemlich wenig. Ich erwarte dennoch auch diesmal einen klar Sieg und tippe auf ein 3:0.