„Ich bin Popkultur auf zwei Beinen“: Markus Kavka Foto: Thomas Neukum

Markus Kavka war Moderator bei Viva und MTV, ist bei einer neuen Gesprächsreihe in Stuttgart zu Gast und glaubt, dass Pop heute dringender denn je gebraucht wird.

Zur Auftaktveranstaltung der neuen Reihe The Pop-Talks des Pop-Büros Region Stuttgart ist Markus Kavka in Stuttgart zu Gast. Wie den früheren Viva- und MTV-Moderator die Popkultur geprägt hat, warum das Video zu „Fade to Grey“ sein Leben veränderte, und weshalb Pop auch immer politisch ist, erzählt er im Interview.

 

Herr Kavka, Sie arbeiten seit vierzig Jahren in der Popkultur. Was hat das mit Ihnen gemacht?

Ich bin ja quasi Popkultur auf zwei Beinen. Mit Elf habe ich angefangen, Tage und Nächte vor dem Radio zu verbringen und Tapes mitzuschneiden. Und dann habe ich mich für die Leute interessiert, die die Musik machen. Irgendwann sah ich dann auch so aus. Ziemlich nahtlos ist das dann mein Beruf geworden. Mit 17 habe ich für Musikzeitungen geschrieben und fürs Radio gearbeitet.

Und was würden Sie sagen, drückt Popkultur besonders aus?

Für mich ist Popkultur immer ein Spiegel und eine Ausdrucksform der Gesellschaft. Ich hatte mal eine Kolumne, die hieß, „Alles ist Pop“ und im Grunde ist es genau so.

Sie meinen, Pop kann alle Bereiche der Gesellschaft abdecken, wie Lebensstil, Kleidung oder die Zugehörigkeit zu einer Gruppe?

Ja. Und Popkultur ist auch immer politisch. Ohne das jetzt zu sehr aufzubauschen, aber ich würde sagen, dass jede Zeile, die im Pop gesungen oder geschrieben wird, am Ende auch immer irgendwie politisch ist.

Zuletzt hat das zugenommen…

In den letzten Jahren hat sich die Gesellschaft stärker politisiert, als das in den 90er und 00er Jahren der Fall war. Als ich bei Viva und MTV moderiert habe, blieb Politik weitestgehend aus meinen Moderationen draußen. Ich habe mich zwar schon immer klar gegen rechts positioniert und bin auch für verschiedene andere Dinge eingestanden, aber das hat lange nicht so eine große Rolle gespielt, wie heute durch Social Media. Da ist die Diskussions- und Streitkultur nochmal eine ganz andere, als ich das aus jenen Jahren aus dem Fernsehen kannte. Pandemie- und Kriegserfahrungen der letzten Jahre fließen natürlich auch in die Popkultur ein.

Brauchen wir die Popkultur, um diese Eindrücke besser zu verarbeiten?

Selbstverständlich. Ich würde sogar sagen, wir brauchen Pop dringender denn je. Denn Pop ist am Ende wirklich die letzte gesellschaftliche Passion, um Dinge noch halbwegs human zu regeln. Pop kann alles, was verkrustet ist, auflockern und natürlich soll es auch Spaß machen.

Was war Ihre erste Begegnung mit dem Pop?

Das war in den 80ern, als ich das Video zu „Fade to Grey“ von Visage gesehen hatte. Das war eine Erleuchtung. Endlich hatte ich das Gefühl dazuzugehören.

Welchen Job würden Sie machen, wenn das mit der Moderatorenkarriere nicht funktioniert hätte?

Musik war schon immer klar. Aber vielleicht wäre es Grundschullehrer gewesen. Das hat auch so eine Erklär-Bär-Komponente.

Welcher Moment hat Sie in all den Jahren besonders beeindruckt?

Das ist nicht so leicht. Aber es war wohl, als mich Robert Smith, der Frontmann von The Cure, nach einem Interviewtermin umarmt hat.

 Termin: Pop-Büro Region Stuttgart: The Pop-Talks. Auftaktveranstaltung mit Markus Kavka am 17. Oktober, im Studio Amore, 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.