Bei blauem Himmel und eisigem Wind füllte sich am Freitagvormittag die Weiler Hauptstraße und es zeigte sich: Der Jahrmarkt ist immer noch Kult.
Vom Nagelknipser bis zum Wachstuch, vom Gürtel bis zum Flechtkorb blieb an den 50 Ständen kein Wunsch unerfüllt. „Ich komme jedes Jahr her“, erzählt eine Besucherin, „hier findet man Dinge, die es in den Läden kaum noch gibt.“
Von dieser Treue lebt der Markt. Das lässt sich etwa am Stand von Walter Jeretzky und seiner Tochter Sabine beobachten. „Ich bin nur wegen Ihnen hergekommen“, wird das Duo von einer Kundin begrüßt. Die Unter- und Nachtwäsche an ihrem Stand ist gefragt. Bereits 1934 gründeten die Schwiegereltern von Walter Jeretzky das bis heute bestehende Geschäft in Villingen-Schwenningen.
„Mit meinen 87 Jahren bin ich hier wohl der älteste Marktbeschicker“, schmunzelt Jeretzky. Die vielen Stammkundinnen – viele, aber nicht alle sind Seniorinnen – schätzen die Markenware von der Schwäbischen Alb. „Manche sind durchaus dankbar, wenn wir kommen“, freuen sich Vater und Tochter über den Zulauf. Ihr Fazit: „Mit Spaß, Vielfalt und Qualität deckt der Weiler Markt den Bedarf in jeglicher Hinsicht ab.“
Steigende Kosten
Damit alles reibungslos abläuft, ist Marktmeister Thomas Kleiner schon früh unterwegs. Der Ausrichter aus der Nähe von Tuttlingen, früher selbst Marktbeschicker, organisiert heute rund 40 Märkte pro Jahr. „Die meisten haben hier ihren Stammplatz“, berichtet er. Zu vielen Langjährigen kamen diesmal sechs neue Anbieter hinzu. Dennoch seien nicht alle Angemeldeten erschienen: Neben Krankheitsfällen hätten auch die teuren Spritpreise den ein oder anderen Händler aus Nordbaden abgehalten. Ohnehin sei etliches teurer geworden, auch der Strom. Dieser wird nicht nur an den Essensständen benötigt, sondern auch in den Anhängerständen, um die Ware gut sichtbar auszuleuchten. Froh ist Kleiner immerhin über eine pragmatische Lösung bei der Sicherheit: Die vorgeschriebene Absperrung darf mit Transportern der Händler erfolgen.
Internet hat viel geändert
Seit 35 Jahren mit dabei ist Bernd Weber aus Hausen, der unter anderem Schmuck und Kleidung aus Nepal verkauft. Es war damals eine dreimonatige Hochzeitsreise nach Nepal, die den gelernten Schreiner und seine Frau neue Wege gehen ließ. Etwa 80 Prozent seiner Ware importiert er bis heute aus Nepal. Früher seien die Stücke hochgradig angesagt gewesen; die Leute hätten gestaunt, so etwas habe man noch nirgends gesehen. Doch das Internet veränderte das Geschäft grundlegend, später sorgte Corona zudem für Einbußen. Ihren kleinen Laden in Hausen schlossen die Webers 2022.
Geänderte Trends
Da überdies der Nepal-Schmuck bei jüngeren Leuten nicht mehr im Trend liege, hat er für das jüngere Publikum mittlerweile auch Piercings im Angebot. Immerhin: Zwar sitze das Geld bei vielen Besuchern spürbar knapp im Geldbeutel, doch die Ära, in der jeder nach dem Motto „Geiz ist geil“ feilschen wollte, sei vorbei. Es gebe sogar hin und wieder Trinkgeld, da die Menschen wüssten, dass es die Marktbeschicker nicht leicht haben.
Wie Weber vertreten auch andere Händler ihre Produkte mit Leidenschaft. Zum Beispiel Dieter Kufka und sein Sohn, die drei Klassiker im Programm haben: einen Allzweckstein, einen Pflegebalsam für Tiere und einen für Leder und Holz. Um die Kundschaft direkt von der Qualität zu überzeugen, bekommt man hier gleich eine Gratis-Schuhpflege.
Unterdessen schätzt Wolfgang Liebhardt aus Balingen im Zollernalbkreis die lange Tradition in Weil. Seit 45 Jahren ist er auf Märkten unterwegs – früher mit Sonnenbrillen und Uhren, seit zwölf Jahren mit seinem Raclette-Stand. Hier verkauft er auch seine Eigenkreation, die Raclette-Wurst, die es als Chili-Knacker, Rote oder Kalbsbratwurst gibt. Was ihm am Weiler Jahrmarkt besonders gefällt? Dass er nach wie vor von so vielen Leuten geliebt wird.