Seit April 2023 wird der St. Georgener Marktplatz umgebaut. Lärm, Absperrungen, unbefestigte Wege und wenig Parkplätze halten Laufkundschaft fern – das stellt den umliegenden Einzelhandel teilweise vor große Herausforderungen.
Im Zuge der Innenstadtsanierung erhält die St. Georgener Stadtmitte derzeit ein ganz neues Aussehen. Gut ein Jahr dauern die Arbeiten mittlerweile an – und bedeuten Einschränkungen. Wie blicken Händler am Marktplatz aktuell auf die Situation?
Stern Imbiss
„Das Geschäft ist wie die Berge im Schwarzwald“, meint Zafer Oglu lachend hinter der Theke des Stern Imbiss. „Es geht hoch und runter, jeder Tag ist unterschiedlich.“
Das sei so, weil sich, durch die Baustelle die Wege jeden Tag ändern würden und so die Kunden unsicher sind, ob der Weg überhaupt begehbar ist. „Die Leute haben verständlicherweise Angst, einfach so über eine Baustelle zu laufen.“ Auch Parkplätze würden fehlen: „Wir haben viele Bestellungen, die nicht abgeholt werden. Daher müssen wir viel wegschmeißen. Die Leute fahren dreimal um den Marktplatz und gehen wieder, weil sie nicht parken können.“ Das mache sich auch beim Umsatz bemerkbar. Oglu schätzt, in den vergangenen Monaten bis zu 70 Prozent Umsatz eingebüßt zu haben. Seine Mitarbeiter würden schon weniger Stunden arbeiten, keine Vollzeit mehr.
Doch er wolle sich nicht nur beschweren und habe Verständnis für die Umbaumaßnahmen: „Es war Zeit. Der Marktplatz musste gemacht werden.“ Er habe außerdem Hoffnung, dass es Ende Mai wieder besser wird, dann soll angeblich die Terrasse vor dem Eiscafé und dem Schnellimbiss fertig sein.
Eiscafé Cristallo
Weniger Verständnis bringt Luis Pinto auf, der zusammen mit Jorge Gomes das Eiscafé Cristallo betreibt. Für ältere Menschen sei die Terrasse über viele Monate gefährlich gewesen – wegen loser Steine und Baugerät herrschte Stolpergefahr. Laufkundschaft bekomme er dadurch keine mehr, was zu Umsatzeinbußen von bis 80 Prozent geführt habe. „Touristen wissen nichts von der Eisdiele, es gibt nicht genug Schilder“, regt sich Pinto auf. „Wenn es einen Tag gut läuft, läuft sechs Tage danach gar nichts.“
Lius Pinto habe die Eisdiele 2010 übernommen. „Bis 2020 lief es perfekt. Dann die Pandemie, Krieg, Energiekrise und jetzt die Baustelle“, beschwert sich Pinto. „Es ist zu viel und wir bekommen zu wenig Hilfe. Ohne den zweiten Laden in Schwenningen und meine Stammkundschaft hier hätte ich schon lange zumachen müssen.“
Im Gespräch macht Pinto seinem Ärger Luft: „Der Bürgermeister hat gesagt, bis Ende Februar soll die Terrasse fertig sein. Nichts. Keine Schirme, Terrasse ist nicht fertig.“ Aktuell, seit einigen Tagen, laufen die Pflasterarbeiten im Bereich des Eiscafés Cristallo und des Stern Imbiss. Doch sind die tatsächlich so verzögert, wie Pinto meint? Nein, sagt Bürgermeister Michael Rieger klar.
Auf Anfrage unserer Redaktion weist er Pintos Anschuldigungen entschieden zurück: „Es wurde in verschiedenen Besprechungen mit den Anliegern klar kommuniziert, dass die Gesamtbaumaßnahme Marktplatz plus Tiefgarage circa zwei Jahre dauert und im Frühjahr 2025 beendet sein soll. Wir haben nie etwas anders gesagt. Möglicherweise liegt das Missverständnis darin begründet, dass die Betreiber nicht immer zu den Besprechungen kamen.“ Zudem stelle der Pächter seine Möbel trotz Verbot während der Baumaßnahmen auf die Terrasse, kritisiert der Bürgermeister seinerseits die Betreiber des Eiscafés. „Wir haben jedes Mal ein Auge zugedrückt, und die Bauarbeiter mussten teilweise morgens seine Möbel wegstellen“, erklärt Rieger.
Blickpunkt Brille
Sabine Fichter vom Blickpunkt Brille hat diese Probleme nicht, wie sie sagt: „Ja, ich habe weniger Laufkundschaft, ein paar Sonnenbrillen und Kontaktlinsen weniger verkaufe ich, aber ich will mich nicht beschweren, wenn ich sehe, die es dem Eiscafé oder dem Imbiss geht.“ Das liege aber nur an der Art des Geschäfts, schließlich liege der Optiker versteckter als beispielsweise das Eiscafé. „Meinen Laden steuern die Leute gezielt an oder kommen zu Terminen“, erklärt Fichter. Insgesamt habe sich viel in das Hauptgeschäft Optik Fichter in der Gerwigstraße verlagert.
Marcos Moden
Die ersten Monate waren für das Modegeschäft Marcos Moden „eine Katastrophe“, erinnert sich Filialleiterin Sandra Martini. „Aufgrund der Baustelle konnten wir draußen an der langen Fensterwand keine Ständer aufstellen und auf Angebote hinweisen. Daher sind wir auf vielen Winter- und Sommersachen sitzengeblieben.“ Der Umsatz habe sich teilweise halbiert. Daraufhin wurden auch die Öffnungszeiten geändert. Statt bis 18.30 hat Marcos Moden nur noch bis 18 Uhr offen.
Mittlerweile ziehe das Geschäft aber wieder an. Da die Wege sich nicht mehr so oft wie am Anfang ändern würden, fänden sich die Kunden besser zurecht. Auch das Wetter mache viel aus: Ist es wärmer und sonniger, komme mehr Kundschaft. „Am Ende lockt ein neuer Marktplatz wieder viel Kundschaft an“, gibt sich Martini optimistisch.