Der Marktplatz: Schwenningens Herzstück oder Schwenningens Stiefkind? Das hängt auch von den anliegenden Geschäftsflächen ab. Und hier tut sich gerade wieder etwas – sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht. Unter anderem macht ein Geschäft für immer seine Türen zu.
Der ehemalige Smartmarkt auf der einen Seite des Marktplatzes stand nur einige Wochen leer, bis sich ein Supermarkt-Nachfolger gefunden hatte und diesen unter dem Namen Citymarkt weiterführt.
Es kommt Bewegung rein
Auf der gegenüberliegenden Marktplatz-Seite jedoch ist die Situation eine andere: Hier reiht sich Leerstand an Leerstand, waren und sind ganze Häuser zum Verkauf ausgeschrieben. Für Passanten entsteht schnell der Eindruck einer schier ausweglosen Situation. Doch auch hier ist in den vergangenen Wochen des alten Jahres Bewegung in die trostlose Lage gekommen, wie Steffen Karg vom gleichnamigen Immobilien-Unternehmen aus Dauchingen im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet: Denn bis auf das Eckhaus Am Marktplatz 2 habe er inzwischen alle Immobilien, die durch sein Unternehmen zum Verkauf ausgeschrieben waren, vermitteln können.
Neues Immobilienbüro
Da ist das ehemalige Sailer-Schlenker-Haus Am Marktplatz 4, in dem bis Frühjahr 2021 die Boutique Casa Moda untergebracht war. Steffen Karg kennt das Gebäude mit Wohnungen in den Obergeschossen gut und hat es bereits in der ersten Jahreshälfte 2024 verkaufen können. Mittlerweile ist der neue Eigentümer, der das Erdgeschoss schon seit Längerem umbaut und in Büroräume verwandelt, öffentlich: Die Firma Pro Immobilien aus Villingen-Schwenningen, die ihren Schwenninger Wohnsitz bisher in der Alleenstraße hat.
Antiochia-Betreiber sind neue Hauseigentümer
Dann ist das Wohn- und Geschäftshaus Am Marktplatz 5, in dessen Untergeschoss seit fast drei Jahren die Boutique mit Stickerei Antiochia beheimatet ist. Deren Betreiber, das Geschwisterpaar Sonja und Nikola Yapicioglu, haben inzwischen das zum Verkauf stehende Haus erworben, um sich den Standort für ihr Geschäft zu sichern, wie der Immobilien-Fachmann weiter berichtet. Für beide sei die Geschäftslage ideal, habe der Platz, den sie mit ihren Geschäftsideen selber beleben wollen, auf jeden Fall Potenzial. „Solche Menschen braucht der Marktplatz“, lobt Steffen Karg.
Bald kein Insider mehr
Ebenso einen neuen Eigentümer haben wird das Haus Bildackerstraße 3 gleich um die Ecke des Marktplatzes. Derzeit ist im Erdgeschoss die Bar Insider beheimatet. Die Kaufabwicklung werde wohl noch einige Zeit dauern, so Steffen Karg, das Gebäude werde jedoch anschließend aufwendig saniert und in ein modernes Geschäftshaus verwandelt werden. „Das tut dem Marktplatz gut“, betont er – räumt jedoch gleichzeitig ein, dass es künftig keine Bar mehr geben werde.
Lollipop schließt
Mehr denn je im Fokus der Objektvermittlung steht aber das Eckhaus Am Marktplatz 2, in dessen Erdgeschoss sich bisher der Kindershop Lollipop befindet. Seit Anfang des Jahres steht fest: Das Geschäft wird zum 25. Januar hin schließen. Und das bedeutet auch: Die Schwenninger Innenstadt wird in bester Lage am Marktplatz einen weiteren Leerstand hinzubekommen.
Der Abschied fällt schwer
Mehr als zwölf Jahre hat Inhaberin Amy Müller hier neue und gebrauchte Kinderware verkauft – und das erfolgreich. Die Gründe für die Schließung seien persönlich und hätten nichts mit dem Verkauf des gesamten Gebäudes zu tun, betont die Inhaberin, der der Abschied schwer fällt. Denn wenn sie auf die vergangenen Jahre zurückblickt, überwiegt die Freude, Familien mit dem breiten Angebot aus Kleidung und Spielsachen bereichert zu haben.
Geschäftskonzept darf weitergeführt werden
Damals habe sie das Geschäftsmodell von zwei Einzelhändlerinnen aus Ravensburg übernommen, und sie wirbt weiterhin dafür. So hofft Amy Müller, dass sich auch diesmal jemand findet, der das Konzept weiterführen möchte – unabhängig vom Standort in Schwenningen. Obwohl sie weiß: Gerade die Doppelstadt hätte ein Kinderbekleidungsgeschäft nötiger denn je.
Unklare Zukunft
Was aus dem Gesamtgebäude grundsätzlich wird, das sei derzeit noch unklar, berichtet derweil Immobilien-Fachmann Karg. Das Interesse sei auf jeden Fall vorhanden, sowohl von Investoren- als auch von privater Seite, letztendliche Kaufabsichten aber zurückhaltend. Das Haus habe viel Fläche, die es zu sanieren und auszubauen gelte. Man dürfe also gespannt sein, wie es am Übergang zwischen Schwenninger Marktplatz und Fußgängerzone in diesem Jahr weitergeht.