Georg Haller in der Strumpfboutique am Hechinger Marktplatz. Noch bis zum 31. März läuft der Räumungsverkauf. Foto: Benjamin Roth

„Wir schließen zum 31.3.2025“, heißt es am Schaufenster von Georg Hallers Strumpfboutique am Hechinger Marktplatz. Der 70-Jährige gibt aus Altersgründen das Geschäft auf. Wie es mit der Ladenfläche weitergeht, ist unklar – doch es gibt Hoffnung.

Reges Treiben herrscht an diesem Montagmorgen in Georg Hallers Strumpfboutique am Hechinger Marktplatz. Ein Kunde kauft vier Paar Strümpfe, eine weiterer gibt ein Kleidungsstück in die Reinigung. „Es ist besonders viel los in den vergangenen Tagen“, berichtet Haller unserer Redaktion.

 

Der Grund: Der 70-Jährige schließt die Strumpfboutique zum 31. März nach dann über sieben Jahren aus Altersgründen. Haller will nicht mehr von Montag bis Samstag im Laden stehen und für diesen Verantwortung tragen. Dennoch sagt er: „Ich bin ein aktiver Mensch und möchte mich auch im Alter mental und körperlich betätigen.“ Daher wolle er sich mit der Zeit eine neue Aufgabe – dann aber nur noch halbtags – suchen.

In der ab April zusätzlichen Freizeit möchte der in Hechingen aufgewachsene Haller vor allem eines: „Stärker meine sozialen Kontakte pflegen.“ In den vergangenen sieben Jahren seien durch den Kundenkontakt Freundschaften entstanden – auch zu seinen Kollegen am Marktplatz. „Wir haben alle ein gutes Verhältnis zueinander.“

„Ich bin mir sicher, dass sich etwas ergeben wird“

Möglich ist, dass diese bald einen neuen Nachbarn bekommen. Wie Haller betont, gebe es bereits einen Interessenten, der den Laden nach ihm mieten wolle. Konkret sei aber noch nichts. Aber es besteht die Hoffnung, dass die Geschäftsaufgabe nicht in einem weiteren Leerstand am Marktplatz mündet. Haller: „Ich bin mir sicher, dass sich was ergeben wird.“ Vor allem, weil nun bekannt sei, dass die Strumpfboutique aufgeben wird. Er empfinde den Marktplatz weiterhin als attraktiv, die Publikumsfrequenz sei gegeben. Daher würde er sich sehr über einen Nachmieter freuen.

Ein Plakat im Schaufenster sagt: „Wir schließen zum 31.3.2025“. Foto: Roth

Bis zum 31. März geht Haller mit seinen Strümpfen, Taschen, Geldbeuteln, Schals und Co. in den Räumungsverkauf. Seine Kunden hätten die hohe Qualität seiner Waren geschätzt – und diese erwartet. „Mein Ziel war es immer, die Kunden zufriedenzustellen.“

Daher habe er auch gerne in der Strumpfboutique gearbeitet, eine umfassende Beratung geboten und sich in die Materie eingearbeitet. Denn: Als Haller am 1. März 2018 den Laden von Doris Bierfreund übernommen hatte, betrat er im Alter von 63 Jahren nochmals eine neue Welt. Er habe beruflich zwar sein Leben lang im kaufmännischen Bereich zu tun gehabt, trotzdem habe er sich die Kompetenz in diesem speziellen Segment aneignen müssen. Nun hört er als Fachmann im Bereich Socken, Kniestrümpfe und allerlei weiterer Mode auf. „Die Kundschaft vertraut mir“, betont der 70-Jährige, der stets auf die Unterstützung seiner Frau Fe zählen konnte.

Beratung macht den Einzelhandel aus

Auf eine gute – und vor allem ehrliche Beratung – legt Haller großen Wert. „Ich berate zu meinem Sortiment. Kann ich den Kunden aber nur mit darüber hinaus gehenden Produkten zufriedenstellen, verweise ich diesen auch an Mitbewerber.“ Die Beratung mache den Einzelhandel nicht nur in Hechingen aus. „Dass Kunden Produkte anfassen und ausprobieren können – das kann das Internet nicht bieten.“ Gerade im Modebereich spiele der Faktor „fühlen“ Hallers Einschätzung nach eine bedeutende Rolle. „Ich will ja wissen, ob der Stoff der Socken auf der Haut kratzt oder eben nicht“, gibt der Geschäftsmann ein Beispiel.

Diese Vorteile des Einzelhandels möchte Haller bis zur Geschäftsaufgabe am 31. März weiterleben. Ihm fällt auf: „Seit bekannt ist, dass der Laden schließt, kaufen die Kunden gleich die doppelte oder dreifache Menge.“ Bestätigt wird das von einer Kundin, die am Montagmorgen ankündigt: „Ich komme nochmal, um deinen Laden leerzukaufen.“