Das Kipp-Areal ist direkt gegenüber dem Rathaus am historischen Marktplatz. Foto: Lück

Das konnte wohl keiner ahnen: Anfang Januar 2019 hatte das Rathaus das Kipp-Areal gekauft. Das Ziel: Die Perle des Marktplatzes zu erhalten und zu einem Remote-Hotel umzubauen. Jetzt hat das Rathaus die Reißleine gezogen – Baupreis-Inflation!

Horb - Das ist bitter und könnte ein schlechtes Omen sein. Das Rathaus hat jetzt zunächst die Reißleine bei den Umbauplänen für das Kipp-Areal gezogen.

OB Peter Rosenberger: "Wir haben einen Hotel-Betreiber, einen Gastronomie-Betreiber und Architekten und Fachleute. Die Umbau-Pläne waren weit gediehen. Doch inzwischen haben sich die Baukosten so entwickelt, dass wir zunächst die Reißleine gezogen haben. Das haben wir auch mit dem Gemeinderat so besprochen!"

Krass. Als im Sommer 2020 die Pläne für das Remote-Hotel auf dem Horber Marktplatz vorgestellt wurden, war das Konzept: Die Stadt lässt das ehemalige Café Kipp mit seinem Nebengebäude umbauen. Um es dann zu einer tragbaren Pacht als einen Mix aus Gastronomie und Hotel mit Appartements, die auch zur Langzeitmiete geeignet sind, zu entwickeln. Damit soll der Marktplatz endlich belebt werden – beispielsweise mit Events wie das Horber Erdbeerfest und Außengastronomie.

Versprochen wurde damals: In zwei Jahren sind wir mit der Konzeption durch.

Anfang des Jahres wurde schon deutlich, dass die Sanierungskosten wohl nicht unerheblich sind.

Denn: Auf einmal wurde der Abriss der Kipp-Gebäude mit einem Wiederaufbau diskutiert. Weil das günstiger sein kann.

Eigentlich sollte vor der Sommerpause darüber eine Entscheidung fallen.

Jetzt die Reißleine durch das Rathaus. OB Rosenberger: "Bisher waren wir als Kommune selbst Projektentwickler. Einen Investor hatten wir bisher nicht. Unsere Fachleute sagen jetzt: Die Inflation bei den Baukosten gefährden das Projekt – die Kosten sind durch die Decke gegangen. Unser Ziel war es, dass wir bei der Kalkulation zwischen Sanierungskosten und den Pachteinnahmen eine schwarze Null schreiben. Um kein Steuergeld zu verbrennen. Wir müssten jetzt eine Pacht nehmen, die für die Partner unter den Betreibern nicht mehr zu tragen wären!"

Deshalb hat das Rathaus erst mal die Reißleine gezogen. Rosenberger: "Wir lassen jetzt andere Varianten für das Kipp-Areal durchrechnen. Vielleicht wird es doch reines Wohnen."

Warum könnte das ein schlechtes Omen sein?

Im Heiligenfeld will ein Privatinvestor ein Remote-Hotel (ohne Rezeption) bauen. Das Rathaus hat jetzt das Steinhaus gekauft, will den Fruchtkasten kaufen, wenn die Polizei in ihre neues Revier gezogen ist. Machbarkeitsstudien sehen im Fruchtkasten beispielsweise einen Multifunktionssaal im Obergeschoss oder die Stadtbücherei. Kann man sich diese Umbauten noch leisten? Wie hoch muss sich die Kommune dafür verschulden?