Bunte Lampions über dem Marktplatz: eine Visualisierung des „Stadthimmels“, wie sie vom Hechinger Gemeinderat einstimmig befürwortet wurde und planerisch weiterverfolgt werden soll. Die Installation soll Ende April erfolgen, rechtzeitig vor der Eröffnungsfeier, die für den Samstag, 2. Mai, geplant ist. Foto: Stadt Hechingen/Büro freiraumconcept

In fast schon historisch zu nennender Einmütigkeit befürwortete der Gemeinderat das Modellprojekt für eine Fußgängerzone auf dem Marktplatz.

Ab Mai wird der Himmel über dem Hechinger Marktplatz voller bunter Lampions hängen. Der dekorative „Stadthimmel“ ist ein Kernelement der Aufwertung von Hechingens guter Altstadt-Stube, die ab diesem Frühjahr mit aller Macht angegangen werden soll. Ziel ist ein autofreier, barrierearmer, üppig möblierter und begrünter Platz, ein „Bürgerplatz“ mit viel Raum für Außengastronomie und Spielflächen und stark gesteigerter Aufenthaltsqualität.

 

Der große Wurf für den Marktplatz, den Bürgermeister Philipp Hahn schon im Rahmen des Neujahrsbürgertreffs angekündigt hatte, ist am Dienstagabend vom Gemeinderat einstimmig befürwortet worden. Die Stadtverwaltung hat nun freie Hand, bis zu 150.000 Euro in eine teils zu kaufende, überwiegend zu leihende Stadtmöblierung zu investieren, um die vorliegenden Ideen umzusetzen.

In diesem Jahr „nur“ ein Projekt

Wichtige Einschränkung: Alles, auch die Einrichtung einer Fußgängerzone, gilt vorläufig nur für eine Projektphase, die in diesem Jahr vom 2. Mai bis zum 12. September läuft. Deshalb ist in sämtlichen Beschlüssen von einer „temporären Aufwertung“ die Rede. Wie es nach dieser „Erfahrungsphase“ weitergeht, soll im Anschluss mit allen Beteiligten, vor allem mit den Marktplatz-Geschäftsleuten, analysiert und diskutiert werden. Was die im Erfolgsfall geplante „dauerhafte Aufwertung“ kosten würde, ist bislang nicht absehbar. Ebenso wenig, wie schnell es ginge. „Sicher kann nicht gleich der ganze Marktplatz über Nacht umgebaut werden“, schickte Michael Werner, der Hoch- und Tiefbauchef bei der Stadtverwaltung, vorweg.

Momentan richtet sich jedoch die ganze Aufmerksamkeit auf die aus dem Landesprogramm „aktivmobil BW“ geförderte Projektphase, die mit einem Stadtfest am Samstag, 2. Mai, eröffnet werden soll – einen Tag vor dem „Hechingen aktiv“-Sonntag des Stadtmarketingvereins. Auch für dieses Fest erhofft man sich bis zu 60 Prozent Landeszuschüsse.

Halten die Fahnenmasten?

Bis dahin soll der provisorische „Stadthimmel“ aus Nylonstoff-Lampions und Lichterketten aufgehängt sein, dessen voraussichtliche Optik Annette Sinz-Beerstecher vom Büro „freiraumconcept“ vorstellte, um sich das – ebenfalls einstimmig gewährte – Plazet des Gemeinderats zu holen. Noch unklar ist, wie ein solcher „Stadthimmel“ dauerhaft befestigt werden könnte. Für die Zeit ab 2027 wäre laut Sinz-Beerstecher zu prüfen, ob die Fahnenmasten stabil genug sind oder ob Haken an Hauswänden befestigt werden müssten (und könnten). Für die 2026er-Projektphase will man die Lampions mieten und sich mit den vorhandenen Masten behelfen. Bürgermeister Philipp Hahn setzt große Stücke auf die Wirkung des „Stadthimmels“: „Das wäre eine Attraktion. Das gibt es in den Nachbarstädten nicht.“

Am Boden sollen bis Mai die Elemente installiert sein, die für Unterhaltung sorgen können: eine Murmelbahn, eine Ecke Stadtstrand, eine Station des Schaukelwegs und die Flächen für die Außengastronomie von „Röcker“, „Blixen“ und „Glufamichel“ (wobei Patrick Loll, der Leiter des städtischen Ordnungsbereichs, auf Nachfrage von Bunte-Liste-Stadtrat Winfried Rullof betonte, dass 2026 keine Sondernutzungsgebühren für die Außengastronomie erhoben werden).​

Nur ein Ausweg aus Altstadt-Ost

Michael Werner wiederum versicherte seitens der Stadtverwaltung, dass „der überwiegende Teil“ der Anlieger „positiv gestimmt“ sei. Kritik oder Anregungen bezögen sich allein auf verkehrliche Fragen. Denn ja: Autos werden komplett vom Marktplatz verbannt, insgesamt fünf Stellplätze fallen in der Altstadt weg, wobei in deren Umgebung einige große Parkflächen zur Verfügung stünden, deren Benutzer per Parkleitsystem gelenkt werden sollen. Die Verkehrsströme, so Werner, bräuchten eine „durchdachte Lösung“. Während der Projektphase wird sie so aussehen, dass für Autofahrer sämtliche Auswege aus der Altstadt-Ost am Unteren Turm vorbei in Richtung Bierweg führen. Ab 2027 könnte das wieder modifiziert werden.

In der erstmals öffentlich geführten Diskussion machten etliche Sprecher die historische Dimension der Entscheidung deutlich. FDP-Stadtrat Matthias Linckersdorff erinnerte an die „Ruckrede“ des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog von 1997 und stellte fest: „Schön, dass der Ruck nach dem Obertorplatz auch den Marktplatz erreicht.“ Die einmütige Zustimmung sei bemerkenswert.

Seit „ewig und drei Tagen“

Der dienstälteste Stadtrat, Jürgen Fischer (SPD), erinnerte daran, dass man im Gremium über eine Fußgängerzone am Marktplatz schon „ewig und drei Tage“ rede. Er freue sich, „dass es 2026 wenigstens temporär klappt“. Spannend werde der Austausch nach der Testphase. Fischer: „Ich hoffe, dass es auf Dauer ist.“

Ronny Stengel (CDU) bezog sich auf kritische Stimmen aus der Bevölkerung, wonach die Stadt „die falsche Reihenfolge“ wähle. Erst, so Kritiker, hätte man die Gastronomie fördern sollen und dann erst eine Fußgängerzone einführen. Dem hielt Stengel entgegen: „Wir wollen die Aufenthaltsqualität steigern und haben dafür Experten im Boot, um mittelfristig einen Effekt zu erzielen.“

Bürgermeister Hahn fügte unterstützend hinzu: „Konsens ist hier, dass es die richtige Reihenfolge ist. Es nützt nichts, darüber zu reden, was früher hätte sein können. Jetzt haben wir einen Geist des Miteinanders. Dieses Momentum sollte man ausnutzen.“​

Stadtfest, Stadtfrühstück und ein Open Air

Ein Veranstaltungskonzept für die Marktplatz-Projektphase 2026 steht in seinen Grundzügen: Als Auftaktveranstaltung gibt es am Samstag, 2. Mai, ein Stadtfest. Tags darauf ist der Marktplatz auch einer der Schauplätze von „Hechingen aktiv“, der Leistungsschau von Handel und Gewerbe. Am Samstag, 13. Juni, wird nach ein paar Jahren Pause das Stadtfrühstück wiederbelebt. Am Samstag, 27. Juni, verlegt die Lebenshilfe Zollernalb ihr Open Air aus der Martinstraße an den Marktplatz. Parallel dazu wird auch der Lebeshilfe-Neubau in der Marktstraße eingeweiht. Am 18. Juli ist der Marktplatz Schauplatz der Irma-West-Festhandlung. Vom 3. bis zum 8. August bevölkern die Ratzgiwatz-Kinder den Marktplatz, wobei aus Platzgründen die Marktstraße als Ausweichlösung mit den Ferienspielmachern diskutiert werden soll. Noch nicht näher definiert ist die Abschlussveranstaltung am Samstag, 12. September. Der Wunsch des Rathauses ist, dass der Stadtmarketing-Verein sein Weinfest von der Johannesbrücke auf den Marktplatz verlegt. Eine Entscheidung darüber hat der Verein aber noch nicht getroffen.