Am Marktplatz 11 soll ein Treffpunkt für alle Generationen entstehen. Foto: Rousek

Seit Jahren steht das Gebäude Marktplatz 11 leer – auch deshalb, weil es sich im Rohbau-Zustand befindet. In den vergangenen Monaten hat die Calwer Jugend Ideen für eine Nutzung gesammelt. Und sie nun im Gemeinderat präsentiert.

Sie wollen etwas schaffen, woran sie sich noch in vielen Jahren erinnern können. Einen Ort, über den sie dereinst sagen: „Dort sind wir richtig gerne hingegangen.“ Die Projektgruppe des Jugendbeirats, die sich mit dem Gebäude Marktplatz 11 beschäftigt hat, hat ambitionierte Pläne, das steht fest. Und doch ist es mehr als ein Luftschloss, das Sabina Serea und Georg Rathfelder stellvertretend für ihre Gruppe zeichneten. Sie präsentierten ein Nutzungskonzept für das Gebäude, das Jung und Alt, Künstler und „Chillende“ zusammenbringen soll. Und wurden dafür vom Gemeinderat sehr gelobt. Eine rege Diskussion gab es trotzdem.

 

Was stellen sich die Jugendlichen vor?

Der Projektgruppe ist bei der Nutzung des Marktplatz 11 vor allem eines wichtig: Dass sowohl Gleichaltrige als auch Erwachsene und Senioren dort einen Platz haben, den sie ganz nach Lust und Laune nutzen können. Einfach um zu „chillen“, um Spiele zu spielen, die Playstation anzuwerfen oder einen Kaffee zu trinken.

Letzteres soll aber explizit kein Zwang sein. Soll meinen: Im Gegensatz zu einem Gastronomiebetrieb, in dem die Gäste einer Art „Verzehrzwang“ unterliegen, soll das im Marktplatz 11 kein Muss sein. Eine Küchenzeile, so stellen es sich die Jugendlichen vor, solle es zwar geben. Jedoch soll man sich auch selbst etwas zu essen und zu trinken mitbringen können, um die junge Geldbörse zu schonen.

Aktuell fehle es den Jugendlichen an genau solchen Plätzen, an beheizten Innenräumen, in denen sie einfach abhängen können, ohne Geld dafür ausgeben zu müssen, erklärten Rathfelder und Serea.

Der Marktplatz 11 soll aber auch für Kultur offen sein, für Theateraufführungen, Konzerte, Poetry Slams und Kunstausstellungen. Zusammengefasst: Ein Platz, an dem Calw als Gesellschaft zusammenkommen kann. Gerne, so betonten die beiden bei der Präsentation, auch in Kooperation mit Institutionen wie dem Jugendforschungszentrum, der Volkshochschule oder Kleinkunstvereinen. Dabei möchten sie keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zu anderen Angeboten sein.

Wie stellen sie sich die Ausstattung vor?

Der Innenraum des Marktplatz 11 ist derzeit in zwei Räume geteilt. Und das soll er nach der Vorstellung der Projektgruppe auch bleiben, um möglichst viele unterschiedliche Nutzungen zu ermöglichen. Der vordere Bereich in Richtung Marktplatz ist aus ihrer Sicht bestens geeignet für Sitzmöglichkeiten und Tische. Die Erhöhung könnte man als Bühne sowie als Aufenthaltsmöglichkeit nutzen. Der hintere Teil wiederum solle in mindestens zwei weitere Bereiche gegliedert sein, einer davon mit ebenjener Küchenzeile und/oder Bar.

Natürlich brauche es daher entsprechendes Mobiliar. Die Jugendlichen bestehen bei ihrer Planung zudem ausdrücklich auf eine barrierefreie Toilette, damit der Marktplatz 11 wirklich allen Bürgern offensteht. Auch die Beleuchtung liegt ihnen am Herzen. Wohl deshalb, weil diese derzeit überhaupt nicht vorhanden ist, weil sich das Gebäude im Rohbauzustand befindet.

Neben der „normalen“ Grundausstattung an Elektronik und IT würde sich die Projektgruppe freuen, wenn ein Beamer vorgehalten würde, damit Jugendliche in den Räumen auch gemeinsam „zocken“ können.

Wie soll der geplante Treffpunkt heißen?

Freilich hat das Kind bisher noch keinen Namen. Doch auch darüber haben sich die Schüler Gedanken gemacht. Favoriten im Jugendbeirat waren „eleven“ oder – Überraschung – „Marktplatz 11“. So unkreativ letzteres auch anmuten mag, so gut kam der Vorschlag im Gemeinderat an. Marktplatz 11 hat aber auch „einen guten Vibe“, bescheinigte Serea. Ein Rat nach dem anderen schien sich mit dem Gedanken anzufreunden, es bei diesem Namen zu belassen. Auch Oberbürgermeister Florian Kling. Er argumentierte, dass Marktplatz 11 inzwischen so ein feststehender Begriff sei, dass die Lokation mutmaßlich ohnehin weiter so genannt würde, unabhängig von ihrem „echten“ Namen.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Projektgruppe des Jugendbeirats erhielt viel Lob für die Ausarbeitung des Konzepts und für die Ernsthaftigkeit, mit der sie am Werk waren. Dennoch gab es für die Räte viele offene Detailfragen – angefangen von der, wer bewirten wird, bis hin zur Frage, wer die Toiletten reinigt. Gewünscht wäre ein Trägerverein, der die Organisation übernimmt, stellte Kling klar. Zu den Details konnten freilich aber weder er, noch die beiden Präsentierenden Auskunft geben. Florian Fuchs (Gemeinsam für Calw), dem die Debatte offenkundig zu bunt wurde, stellte klar: „Alles ist besser, als der Leerstand, der jetzt dort ist.“ Evelin Menges (SPD) riet den jungen Calwern, sich nicht von den vielen Fragen und Zweifeln entmutigen zu lassen. „Fangt einfach an!“

Da der Gemeinderat einstimmig sein „Ja“ gab, nimmt sich die Verwaltung des Projekts an und wird es weiter verfolgen– natürlich gemeinsam mit dem Jugendbeirat.