Markgröningen will Gymnasium samt Realschule generalüberholen. Die Schülerzahlen am Gymnasium sind seit Jahren im Abwärtstrend. Foto: Symbolbild/dpa

Noch nie hat ein Bauprojekt in Markgröningen so viel gekostet wie die Sanierung des Bildungszentrums am Benzberg. In der Kommune im Landkreis Ludwigsburg geht der Kämmerer jetzt von Gesamtkosten von 25,5 Millionen Euro aus – das droht die Gemeinde zu überfordern.

Noch nie hat ein Bauprojekt in Markgröningen so viel gekostet wie die Sanierung des Bildungszentrums am Benzberg. In der Kommune im Landkreis Ludwigsburg geht der Kämmerer jetzt von Gesamtkosten von 25,5 Millionen Euro aus – das droht die Gemeinde zu überfordern.

Markgröningen - Wenn man vor dem Hans-Grüninger-Gymnasium (HGG) in Markgröningen steht, sieht man wenig von dem Großprojekt. Lediglich eine Reihe von Containern deutet darauf hin, dass an der Schule gebaut wird. Geht man um das Gymnasium herum, sieht man die Bauarbeiten: Ein Gebäudeteil ist von einem Gerüst umschlossen, im Inneren sind Handwerker mit Mundschutz zugange. Die Arbeiten sind Teil eines größeren Projekts, im Zuge dessen das gesamte Bildungszentrum am Benzberg generalüberholt werden soll. Dazu gehört das HGG sowie die daneben liegende Realschule. Zurzeit wird der Westbau saniert. Insgesamt drohen die Kosten für die Sanierung indes auf über 25 Millionen Euro zu steigen.

Ursprünglich waren für das Sanierungsvorhaben 18, dann 20 Millionen Euro veranschlagt. Sehr viel Geld für die Kommune. Schon während der Ausschreibung wurde aber deutlich, dass die geplante Summe nicht ausreichen würde. Stadtkämmerer Klaus-Dieter Schmelzer geht mittlerweile von einem Gesamtpreis von 25,5 Millionen Euro aus. „Wir haben den ersten Bauabschnitt fast fertig gestellt. Anhand der dort entstandenen Mehrkosten kann man diese Summe prognostizieren“, sagt er.

Das Land fördert den Bau mit sieben Millionen Euro. 5,4 Millionen Euro sollen aus einem Darlehen kommen. Von der Kreditanstalt für Wiederaufbau sind weitere 8,8 Millionen in Aussicht. Fehlen noch etwa fünf Millionen Euro, die entweder aus Rücklagen der Stadt oder noch höheren Krediten kommen müssen. „Wir haben theoretisch drei Millionen Euro aus den Reserven zur Verfügung“, sagt Kämmerer Schmelzer. „Die sind aber eigentlich für andere Zwecke reserviert. Eine Stadt hat schließlich auch andere Aufgaben.“ Schmelzer weiter: „Die fünf Millionen können wir nicht über weitere Darlehen finanzieren. Die Kreditlast erdrückt uns sonst. Dann sind wir irgendwann handlungsunfähig.“ Er befürchtet, dass die Rechtsaufsicht im Landratsamt für die Stadt keine höhere Verschuldung zulässt und den noch ausstehenden Haushaltsplan einkassieren könnte: „Wir sind nun einmal keine steuerstarke Kommune.“ An Ostern soll der erste Bauabschnitt am Gymnasium fertig sein. Bis dahin soll der Gemeinderat entscheiden, wie es am Benzberg weitergeht.

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Thomas Farian, will diese Entscheidung nicht übers Knie brechen. „Ein so großes Projekt hat es in Markgröningen noch nie gegeben, ich werde mich also terminlich nicht unter Druck setzen lassen“, sagt er. Wie sich die Kosten für die Sanierung weiter entwickeln, könne niemand sagen, betont er. „Wir werden die Finanzierung aber auf jeden Fall hinkriegen“, sagt der Chef der größten Fraktion. „Von der Handlungsunfähigkeit sind wir noch weit entfernt.“ Einen ­höheren Kredit will er nicht ausschließen.

Ingrid Schlotterbeck von der SPD fordert von der Verwaltung ein schlüssiges Schulkonzept. „Die Kommune muss einen genehmigungsfähigen Haushaltsplan vorlegen“, sagt sie. Außerdem will sie einen Sanierungsstau an anderen Schulen vermeiden.

„Wir müssen mit sehr spitzem Bleistift rechnen“, sagt Erich Hutflus. Er steht der CDU-Fraktion im Markgröninger Gemeinderat vor. „Wenn wir weiter Kredite aufnehmen, steigt die Pro-Kopf-Verschuldung in der Kommune sehr stark an und alle anderen Investitionen bewegen sich gegen Null.“ Er sei selbst Schulleiter und wisse daher, wie wichtig die Sanierung des Bildungszentrums sei. Zumal andere Schulen dem HGG die Schüler streitig machen. Im Jahr 2010 waren 835 Schüler an dem Gymnasium, im Oktober 2013 waren es noch 557. „Vor allem in Ludwigsburg gibt es viele Schulen mit besondern Angeboten, wie einem breiten Sportangebot oder einem G 9-Zug “, erklärt Hutflus. Mit der Sanierung sollen die Schülerzahlen wieder steigen.

Davon geht auch die Schulleiterin des HGG, Karin Kirmse, aus. „Die Gebäude sind 45 Jahre alt“, sagt sie. „Das bringt einfach gewisse Einschränkungen mit sich.“ Sie will mit einem klaren Profil und dem neuen Gebäude den Abwärtstrend auffangen. „Beim letzten Tag der offenen Tür haben wir gute Rückmeldungen bekommen“, sagt die Schulleiterin. „Das lag auch an unserem offenen Umgang mit der Sanierung.“