Mit einem glanzvollen Konzertabend in Müllheim begeisterte das Markgräfler Symphonieorchester mit dem Müllheimer Kammerchor, Solisten und einem Kinderchor.
Seit 40 Jahren gibt es das Markgräfler Symphoniorchester, kurz MSO, nun schon. Das Besondere daran: Dirigent Uwe Müller-Feser ist von Anfang an bis heute der spiritus rector dieses Ensembles.
Auch einige Mitglieder aus der Gründungsphase des Orchesters sind noch dabei.
Das MSO sei zu einer Marke im Kunstbetrieb im Markgräflerland geworden, lobte Müllheims Beigeordneter Alexander Willi.
Und so war es nicht verwunderlich, dass auch diesmal die beiden Vorstellungen in Müllheim und Bad Krozingen ausverkauft und auch die öffentlich zugängliche Generalprobe sehr gut besucht waren.
Im Zentrum stand die Aufführung von Carl Orffs szenischer Kantate Carmina Burana mit ihren sinnenfrohen, trinkfreudigen, ab und zu auch lüsternen Texten und ihrer wilden, energiegeladenen Musik.
Dieses Stück führte das MSO nun schon zum dritten Mal in seiner Geschichte auf, besonders eindrücklich war die szenische Open-Air-Aufführung auf dem Markgräfler Platz im Jahr 2008.
Auszüge aus „Carmen“ begeistern
Bevor das mächtige „O Fortuna“ das Bürgerhaus erbeben ließ, gab es eine Auswahl aus den Carmen-Suiten von Georges Bizet.
Die feurigen „Toréadors“, eines der Paradepferde des MSO, rissen das Publikum vor Begeisterung fast vom Sitz.
Stimmige Anordnung vin Orchester, Chor und Solosopran
Und sogar eine Uraufführung gab es an diesem Abend: Albrecht Haaf, Komponist und langjähriger Leiter des Müllheimer Kammerchors hat für die große Besetzung des Orff-Orchesters eins der bekanntesten Liebesgedichte des Minnesängers Walther von der Vogelweide vertont.
Sopranistin glänzt mit Charme und in hohen Lagen
In einer stimmigen Anordnung von großem Orchester, Chor und Solosopran malt das Stück die romantische Liebesszene, die sich „unter der linden an der heide“ in einem blumengeschmückten Liebesnest, nur beäugt von einer Nachtigall abspielt, in prächtigen Farben. Die junge Sopranistin Verena Seyboldt ließ die Heimlichkeit der Szene mit ihren beiden Einsätzen in einem verschämten Charme erstrahlen: Kust er mich? Wol tusentstunt…
Mit Sprachwitz und prägnanten Bildern
Und dann ging es mitten hinein in die turbulenten, mit Sprachwitz und prägnanten Bildern gewürzten Szenen im Frühling, in der Schenke und am Liebeshof, die Carl Orff in seine unverwechselbare Tonsprache mit zündender Motorik, krachenden Schlussakkorden und lustiger Lautmalerei gefasst hat.
Der von Albrecht Haaf vorbereitete Kammerchor agierte mit Temperament und Freude. Für einige der Mitglieder war es schon das dritte Mal, dass sie mit dem MSO und Müller-Feser die Carmina Burana auf die Bühne brachten.
Die Zungenbrecher, die Orff aus den lateinischen und mittelhochdeutschen Texten herausmodelliert hat, gelangen in höchster Präzision, und selbst ohne entsprechende Sprachkenntnisse war der Inhalt gut zu verstehen.
Zungenbrecher fordern Sänger
Etwa, wenn „in Taberna“ 28-mal in rascher Folge von bibit und bibunt die Rede ist, oder wenn der „Geselle“ lautmalerisch im Galopp „ist geriten hinnen“ und die hohen Frauenstimmen im Chor jammern: „Wer sol mich minnen? Ah!“.
Mit dem Solo-Bariton Wolfgang Newerla und dem Solo-Tenor Luca Festner hatte Müller-Feser einen Glücksgriff getan. Newerla brachte neben einem enormem Stimmumfang von dröhnenden Tiefen bis zum Falsett eine mimische Darstellungsgabe mit, für die er als nicht mehr ganz nüchterner Abt des Schlaraffenlandes „Ego sum abbas“ sogar Szenenbeifall erhielt.
Nicht weniger komisch der Auftritt von Festner, der von der Empore herunter als gebratener Schwan in jammernder Altus-Lage das Leid des geschmorten Tiers beklagt. Verena Seyboldt hielt bei „Dulcissime“, wo sich die Dame dem „Süßesten“ hingibt, wacker den Orff’schen Schikanen mit extrem hohen Lagen stand.
Kinderchor als Highlight
Offenkundige Freude machte es dem Projektkinderchor des Markgräfler Gymnasiums, den Andre Ovalle und David Brooke für die Bühne trainiert hatten, mit oh, oh, oooh! die erglühende Liebe in „Tempus est iocundum“ zu feiern.
Rauschender Beifall, durchsetzt mit lauten Jubelrufen brandete auf, als der letzte Ton verklungen war, als Zugabe durfte sich das begeisterte Publikum noch einmal an „Tempus est iocundum“ erfreuen“.