Gabriela Morschett ist die neue Trägerin des Markgräfler Kunstpreises der Stiftung der Sparkasse Markgräflerland zur Förderung von Kunst und Kultur. Links Bürgermeister Martin Löffler, rechts Stephan Grether, Vorstandsvorsitzender derSparkasse Markgräflerland und der Stiftung. Foto: Dorothee Philipp

Gabriela Morschett ist die Preisträgerin des Markgräfler Kunstpreises. Mit der Verleihung in Müllheim wurde zudem eine Sonderausstellung mit ihren Werken eröffnet.

Kunst bedeute Lebensqualität und solle jeder Gesellschaftsschicht zugänglich sein, stellte Stephan Grether, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Markgräflerland, in seiner Begrüßung zu den Beweggründen der Stiftung der Sparkasse Markgräflerland zur Förderung von Kunst und Kultur fest. Der mit 5000 Euro dotierte Kunstpreis wird von dieser alle ein bis zwei Jahre vergeben. Seit der Gründung der Stiftung 1987 flossen somit Preisgelder von insgesamt 220 900 Euro in die regionale Kunstszene.

 

Die freie Kunst habe messbar positive Auswirkungen auf die gesellschaftliche Gesundheit, erklärte die Kunsthistorikerin Heike Piehler, die als Kunstsachverständige des Stiftungsbeirats an der Auswahl der Preisträger maßgeblich beteiligt ist. Sie zitierte dazu Ergebnisse von Forschungsprojekten, die von der EU gefördert werden. Die Erkenntnis des Projekts „CultureForHealth“ könne man direkt in die Statuten der Kulturstiftung übernehmen: „Kunst und Kultur wirken unmittelbar auf das Wohlbefinden der Menschen, insbesondere auf die mentale Gesundheit“, sagte Piehler.

Denken als offener Prozess

Mit Blick auf den Titel der Ausstellung „Denken“ ermunterte Piehler das Publikum, ein Werk auszuwählen, den Blick „darin herumspazieren zu lassen, und der einen oder anderen Linienführung zu folgen“. Es sei alles ein wenig verworren, aber es gebe Haltepunkte, womit Piehler Parallelen zu den Erfahrungen eigener Gedanken zog. Das Denken als offener Prozess zeige sich in den endlos gesponnenen schwarzen Linien, die nicht nur die Zeichnungen, sondern auch die dreidimensionalen Plastiken aus schwarz geglühtem Eisendraht prägen.

Volker Bauermeister, Kunsthistoriker und Kunstkritiker brachte in seiner Laudatio das Werk von Gabriela Morschett dem Publikum näher. „Sie wurde hier am Ort schon früh gesehen“, stellte er fest mit Blick auf den Kunstförderpreis, den Morschett schon 1993 erhalten hatte.

Zehn Meter langes Werk

Doch sei sie „eher lufträumlich als bodenständig“ unterwegs. Was er damit meinte zeigte er an dem zehnteiligen Fries „Mit dem Wind reisen“, der mit seinen zehn Metern Länge die Längswand des Tanzsaals dominiert. Hier gebe es kein woher und wohin, sondern ein fortdauerndes Präsens.

Zehn Jahre später sei der Zyklus „Gedankenwelt“ entstanden, in dem die Energie der gezeichneten Linien mit leuchtenden Schellack-Farben angereichert ist. „Hier ist das Bild ein Ort, an dem wir uns unversehens wiederfinden“, sagte Bauermeister. Dann ging er auf Morschetts Radierungen mit ihrer komplizierten, handwerkliche Höchstleistungen verlangenden Herstellungstechnik ein, um danach auf die Wandplastiken aus Eisendraht zu schauen, die im Kunstlicht eine Doppelung der Linienführung als Schatten erfahren.

Stele mit roter Kirsche

Bürgermeister Martin Löffler war sichtlich stolz, die kleine weiße, von einer roten Kirsche gekrönte Stele zu überreichen, die der Bildhauer Reinhard Bombsch aus Efringen-Kirchen, Kunstpreisträger des Jahres 1992, geschaffen hat. Die Preisträgerin, geboren in Stettin, mit Studium an der Freien Hochschule für Bildende Kunst und Grafikdesign in Freiburg, sei eine echte Müllheimerin. Sie habe seit 34 Jahren ihr Atelier und ihren Lebensmittelpunkt in Müllheim, sagte Löffler. Zur Ausstellung „Denken“ ist ein Bildband im Modo-Verlag erschienen.

Ausstellung „Denken“

Zu sehen sind
Zeichnungen und Wandskulpturen von Gabriela Morschett im Markgräfler Museum Müllheim bis zum 1. Februar.

Öffnungszeiten:
mittwochs bis samstags 14 bis 18 Uhr, sonntags 11 bis 18 Uhr