„Wolfach hat sehr viel zu bieten und klare Stärken. Stellen wir sie in den Mittelpunkt der Stadtmarke“, bilanzierte Château Louis-Geschäftsführer Detlev Bernhart in der Präsentation der Ergebnisse der Bürgerbefragung zum Wolfacher Markenbildungsprozess.
Mit seinem Co-Geschäftsführer Ludwig Silbermann und Rebecca Bulander, Professorin für Quantitative Methoden und Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Pforzheim, stellte Bernhart die mit Spannung erwarteten Erkenntnisse dem Gemeinderat vor.
„Meinungen sind schön. Aber es ist viel besser zu wissen: Was treibt denn diese Stadt?“, bekräftigte Bernhart das Vorgehen der Ludwigsburger Agentur. Das wisse man jetzt – und mehr: „Das ist das Wichtigste heute Abend. Das kann ich gar nicht oft genug sagen: Sie bekommen auch ein paar Anhaltspunkte für Stadtentwicklungsthemen. Das ist nicht wichtig für unser Schaufenster, aber es ist wichtig für Sie.“ 2141 Personen hatten sich wie berichtet insgesamt an der vom 16. September bis 27. Oktober laufenden Umfrage beteiligt. „Es waren auch eine ganze Menge dabei, die keine Wolfacher sind, die aber hier ihren Arbeitsplatz haben.“ 36 Prozent der Wolfacher hätten abgestimmt, hob Bernhart heraus: „Uns ist keine Befragung weit und breit in ganz Deutschland bekannt, die eine solche Bürgerbeteiligung erreicht hat.“81 Prozent der Teilnehmer lebten seit 15 Jahren oder länger in Wolfach, sagte Bulander.
Weitere zwölf Prozent immerhin seit sechs bis 14 Jahren. „Die wissen, wovon sie reden“, so Bernhart. „Wolfach erhält sehr viel mehr Likes als Dislikes“, betonte Bulander direkt zu Beginn. Heißt: Die 95 Thesen, die mit Smileys zu beantworten waren, wurden stärker mit voller oder stärkerer Zustimmung beantwortet als mit entsprechender Ablehnung.
Im nächsten Schritt habe Bulander mit einer sogenannten Faktorenanalyse geprüft, welche Fragen „eine Struktur erkennen lassen, wie was miteinander zusammenhängt“. Ergebnis: „Fünf Faktoren prägen das Image der Stadt.“ Faktor 1 („Wolfach: Lebensraum für Kultur, Freizeit und Gemeinschaft“) und Faktor 2 („Wolfach: Ein Ort, um gut zu leben und zuhause zu sein“) seien dabei die beiden wesentlichen Treiber im großen Themenstrauß. Sie „vereinigen 86 Prozent der Markenattraktivität von Wolfach“, so Bulander. Faktor 3 („Wolfach: Chancen für Arbeit, Ausbildung und Weiterbildung“), Faktor 4 („Wolfach: Kompetenz in Handwerk,Service und Gesundheit“) und Faktor 5 („Wolfach: Verkehrsanbindung und Alltag leicht gemacht“) lägen in der Treiberwirkung mit zehn, drei und einem Prozent deutlich dahinter.
Und was heißt das nun für Wolfachs Markenkern? „Wir haben diese zwei Faktoren, mit denen Sie wuchern können, wenn wir über die Attraktivität dieser Stadt sprechen. Wolfach ist keine Schlafstadt – es ist ein Lebensraum für Kultur, Freizeit und Gemeinschaft“, sagte Bernhart. Ein Pluspunkt: 87 Prozent der Wolfacher werteten den Tourismus als wichtig für die Stadt. „Es ist ungewöhnlich, eine solche Zustimmung zu haben.
Da schließt sich ein wichtiger Kreis, weil da kein Widerspruch ist. Wenn diese Stadt ihre Stärken kommuniziert, dann zahlt das auch auf den Tourismus ein.“ Wichtig sei, dass es gelingen müsse, auch die Jugend in die starke Gemeinschaft zu integrieren, um die starke Identifikation mit der Stadt auch in zehn Jahren noch als Basis zu habe
Reaktionen und weitere Schritte
Natur, Flair, Traditionen, Si- Sicherheit, das breite Sport und Kulturangebot sowie die aktive Stadtgemeinschaft sind die Kernthemen, mit denen Wolfach nach der Auswertung von Château Louis punktet. „Kritik gibt es am man- gelnden Angebot an Einkaufsmöglichkeiten, der schwachen Nahverkehrsanbindung und fehlenden Angeboten für Jugendliche. Die Leerstände in der Innen- stadt und die schwindende Gastronomie sind ebenfalls Problemfelder“, heißt es in der Auswertung. „Wir sind immer noch beim Rohdiamant“, befand Wolfachs Bürgermeister Thomas Geppert.
Er sah die Ergebnisse als Grundlage für einen Werkzeugkasten in zwei Richtungen: Einmal die Stärken für Tourismus und Stadtmarketing, einmal die Ansatzpunkte für die Stadtentwicklung mit Rat und Forum Zukunft. Aus dem Gemeinderat gab es Begeisterung für die Beteiligung und die positiven Ergebnisse, gleichzeitig aber auch Forderungen etwa für die Unterstützung der Land-wirtschaft im Hinblick auf den Tourismus oder Fragen nach weitergehenden, konkreten Handlungsempfehlungen.
Gemeinderatsmitglied Hardy Happle (CDU) sagte, das Ergebnis zeige, dass die Befragung der richtige Weg gewesen sei. Eine Verengung auf einen Begriff wie Schulstadt oder Flößerstadt würde Wolfach nicht gerecht: „Dieses Lebens- gefühl müssen wir transportieren – nicht irgendeine Veranstaltung oder einen Aspekt.“ Mit Blick auf die Umland-Kommunen sag te Hardy Happle: „Ich glaube, wir können die alle noch rechts überholen, weil wir das sehr viel breiter lagern können.“
Die richtige Erkenntnis, unterstrich Detlev Bernhart: Flößerstadt zu sein sei schön. „Aber deshalb lebt niemand hier.“ Er bat um ein paar Wochen Geduld: „Zwei wichtige Punkte haben wir noch vor uns.“ Im Acht-Stufen-Programm der Agentur stehe für Januar die Entwicklung einer Strategie samt Dachmarke an, ab Februar könne es dann in die kreative Umsetzung gehen.