Der HK-Firmensitz in Oberndorf. Foto: von Dewitz

Nach einigem Hin und Her wurde das Verfahren des ehemaligen Geschäftsführers von Heckler & Koch, Nicola Marinelli, gegen den Oberndorfer Waffenhersteller fortgesetzt. Am Dienstag sagte der frühere Hauptanteilseigner Andreas Heeschen am Landgericht Rottweil aus.

Rottweil/Oberndorf - Marinelli wirft Heckler und Koch vor, ihn nicht ausreichend über die Führungsstrukturen des Unternehmens aufgeklärt zu haben, bevor er im März 2015 seinen Vertrag als neuer CEO unterzeichnete. Er sei damals nicht darüber informiert worden, dass der damalige Hauptanteilseigner, Andreas Heeschen, zu diesem Zeitpunkt auch gleichzeitig Geschäftsführer war. Er habe das erst später aus Medienberichten entnommen. Hätte er davon gewusst, wäre es nicht zu einem Vertragsabschluss gekommen. Marinelli hatte für den Posten bei Heckler & Koch seine leitende Position bei Rheinmetall aufgegeben. Beim Oberndorfer Waffenhersteller wurde Marinelli Ende 2015 entlassen. Vor der Handelskammer erhebt er Anspruch auf Schadensersatz.

Heeschen selbst erklärte im Zeugenstand, er habe am 18. Februar 2015 die Interimsleitung übernommen. Er gehe davon aus, dass Marinelli das damals bekannt gewesen sei und dass dieser Umstand bei persönlichen Treffen, wie beispielsweise am 19. Februar in Stuttgart, wahrscheinlich angesprochen worden sei. Allerdings gestand er ein, dass er keine konkreten Erinnerungen daran habe, dass Marinelli auch tatsächlich über seine Rolle aufgeklärt wurde.

Heeschen gab an, dass von Vornherein ein Übergangszeitraum geplant war, indem sowohl er als auch Marinelli die Leitung inne haben würden. Marinelli habe nach seiner Bestellung als CEO zunächst die operative Leitung übernommen, während Heeschen sich um den Bereich Finanzen und Unternehmensstrategie kümmerte. Im Laufe des Jahres 2015 sollten dann immer mehr Kompetenzen auf den neuen CEO übertragen werden.

Um einen Schadensersatzanspruch geltend zu machen, müsse Marinelli zunächst auch nachweisen, dass er nicht ausreichend über die Führungsstrukturen informiert worden sei, erklärte das Gericht. Zudem stelle sich die Frage, ob die Vertragsunterzeichnung im März auch das schadensbegründete Ereignis sei, da er erst Ende des Jahres entlassen wurde und sich in den Monaten davor mit seiner Position im Unternehmen abgefunden habe.

Das Gericht regte daher eine Verständigung beider Parteien an. "Es wäre wünschenswert, wenn sich beide Parteien an einen Tisch setzen und sich gegenseitig anhören würden", so der Richter. Marinelli und sein Anwalt gaben an, für einen Vergleich offen zu sein. Die Vertretung von Heckler & Koch lehnte jedoch jeglichen Vergleich ab. Im September soll es die Entscheidung in diesem Prozess geben.