Komödiantin Maria Vollmer bescherte mit ihrem Programm „Hinterm Höhepunkt geht’s weiter“ einen vergnüglichen Abend bei „Kultur im Museum“ in Dornstetten.
Es war die zweite Veranstaltung im Rahmen der Herbstreihe von „Kultur im Museum“, und es war ein Abend, der dem Publikum Spaß machte und immer wieder für Gelächter sorgte.
Zwar hatte man zu Beginn von Vollmers Auftritt kurzzeitig ein bisschen das Gefühl, sie müsse erst einmal auf Temperatur kommen, als das geschafft war, gab es aber kein Halten mehr. Im Laufe des Abends wurde Vollmer einfach immer besser.
Mit sehr viel gutem Humor – es gibt auch schlechten –, einer ausdrucksstarken Mimik, gekonnten Tanzbewegungen, einer schönen Stimme und jeder Menge Pep im Hintern entführte sie das Publikum sprachlich und mit viel Gesang in den Alltag der „Middle-Ager“, zu denen sie eben auch selbst gehört. Dass es hinterm Höhepunkt weiter geht und das Leben auch in der zweiten Hälfte – und manchmal eben gerade da – jede Menge skurrile Alltagssituationen zu bieten hat, weiß Vollmer nur zu gut.
Ehemann wird Biker – und gleicht einer „Lederwurst“
Eine solch skurrile Situation wurde bei ihr offenbar durch das zuhause vergessene Handy ausgelöst. Dies verhinderte nämlich nicht nur die scheinbar überlebensnotwendige Dauererreichbarkeit durch Ehemann Rainer, sondern sorgte auch dafür, dass Vollmer am Ende sogar kurzzeitig auf der Bahnhofsmission landete, weil sie ohne Bahn-App auf dem Handy jegliche Orientierung verlor.
Auch ihr humorvoller Fingerzeig auf den im Ü-50-Alter plötzlich wieder motorradfahrenden Ehegatten, der in der 30 Jahre alten Kombi einer „Lederwurst“ gleicht und ohne Aufstiegshilfe gar nicht aufs Gefährt kommt, sorgte aufgrund eines gewissen Wiedererkennungswerts beim Publikum für viele Lacher.
Mit ihrem Gespür für witzige Details widmete sich die Künstlerin auch den in ihrer Generation gar nicht so seltenen „Enkelerwartungsgesprächen“ und der Weitwinkeloptik der Smartphones, die bei Selfies offenbar besonders ungünstig zum Tragen kommt. Davon profitierten zumindest die Schönheitschirurgen.
Im Freundeskreis wird alles gelobt – selbst der Rollrasen
Nach der Pause, in der die Besucher im Foyer des Bürgersaals vom Liederkranz Dornstetten bestens bewirtet wurden, lief Vollmer zur Hochform auf. Beim „Beatboxen“ stellte sie eine ganz neue Facette ihres Könnens unter Beweis und zeigte, dass sich auch einfach herausgepresste Formulierungen wie „Biste bekifft“ bestens als Grundlage für die stimmliche Imitation von Instrumenten eignen.
Ein Highlight war die von ihr geschilderte Tradition des „Weihnachtsbaumlobens“. Der Brauch, bei dem gelobte Christbäume im Freundes- und Bekanntenkreis mit einem Schnaps belohnt werden, kam in Vollmers Freundeskreis offenbar so gut an, dass man jetzt beschlossen hat, das Loben auch auf das Osternest, den Rollrasen oder gar das Gästeklo auszuweiten.
Die KI und ihre Schwächen
Vollmers Ritt durch den Alltag – gesanglich bediente sie sich bekannten Songs, die sie mit eigenen und zum jeweiligen Thema passenden Texten versah – streifte auch die offensichtlich noch vorhandenen Schwachstellen der Künstlichen Intelligenz, getreu dem Motto von Pippi Langstrumpf: „KI macht dir die Welt, wie sie dir gefällt“.
Und sie machte auch vor der „Viva La Vulva“-Bewegung, auf die Vollmer von einer Freundin aufmerksam gemacht wurde und die sich der Enttabuisierung und Entmystifizierung der weiblichen Körpermitte widmet, nicht halt. Dass ihr zur Vorbereitung des Themas bestelltes Vulva-Ausmalbuch nicht den Erwartungen entsprach – „Zu 90 Prozent waren das überhaupt keine Vulven, sondern Eierstöcke“, empörte sie sich – war fast schon ein eigenes Kapitel und erneut der Grund für große Erheiterung im Publikum. Nach der erklatschten Zugabe gab es eine süße „Pille danach“ für den Heimweg.