Pater Johannes Reiber bei der Segnung der Kräuterbuschel. Foto: Volker Schweizer

Pater Johannes Reiber aus Memmingen feierte auf dem Palmbühl in Schömberg mit den Gläubigen den Festgottesdienst zu Maria Himmelfahrt.

Maria Himmelfahrt auf dem Palmbühl, verbunden mit dem Kirchenpatrozinium, ist wie ein Katholikentag im Kleinen. Denn an einem normalen Werktag strömen die Menschen aus allen Ecken des Landkreises und darüber hinaus in das barocke Gotteshaus am Rand der Stadt.

Obwohl schon der Gottesdienst am Sonntag ganz im Zeichen Marias stand, platzte das Kirchlein am Dienstag schier aus allen Nähten. Es mussten sogar Stühle im Altarraum aufgestellt werden.

Gläubige feiern selbst vor dem Kirchlein mit

Wer keinen Platz ergattern konnte, verfolgte die Messe im Freien mit. Zum Glück riss die Wolkendecke auf und kurze Zeit später blinzelte die Sonne durch die Bäume hervor.

„Maria aufgenommen ist, Halleluja, zu ihrem Sohne Jesus Christ“ – mit diesem von Heinrich Bone im Jahr 1847 getexteten Lied begann die Feier, bei der sich wohl viele ältere Kirchgänger an die Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil erinnert fühlten. Denn der Zelebrant, der aus dem Allgäu stammt und dem in Bregenz beheimateten Orden „Das geistliche Werk“ angehört, feierte die Eucharistie mit dem Rücken zur Gemeinde.

An Himmelfahrt kommt es aufs Schauen und Staunen an

Er wolle in der Nähe des Gnadenbilds mit der Schmerzhaften Muttergottes sein, begründete er das. Wie einst bei den Aposteln komme es am Himmelfahrtstag auf das Schauen und das Staunen an.

Seine Predigt begann er mit der Geschichte über Adam und Eva, die sich Gott gegenüber ungehorsam gezeigt hätten. Ob man heute Gutes oder Schlechtes anrichte und dafür in den Himmel katapultiert werde oder für immer in der Hölle lande, habe man selbst in der Hand, denn alle Menschen seien vom Schöpfer mit einem freien Willen ausgestattet worden.

Musik und Kräutersegnung als Höhepunkte

Mit Maria sei der Weg zu Jesus aber einfach und sicher: „Denn wer die Mutter ehrt, erkennt, wie befreiend und hellmachend der Himmel ist.“ Es lohne sich, in die Ewigkeit zu investieren, denn der Tag des Wiedersehens mit Maria, Josef und allen verstorbenen Angehörigen werde nie vergehen.

Ein Höhepunkt des fast eineinhalbstündigen Hochamts mit viel Weihrauch, Weihwasser, Gesang von der „Himmelsklänge“-Solistin Moni Stutz und Orgelklängen von Nathalie Kromer bildete die Segnung der Kräuterbüschel, die Heike Schäfer aus Ratshausen und ihre Familie zusammen mit Waltraud Haas aus Villingen-Schwenningen gebunden hatten. Verkauft wurden sie von Annemarie Raible und Anita Stopper von der katholischen Kirchengemeinde Schömberg.

Büschel bestehen aus mindestens sieben Kräutern

Solch ein Büschel, umgangssprachlich auch „Weihsang“ genannt, muss aus mindestens sieben Kräutern bestehen. In der Schlichemtäler Version waren unter anderem Schafgarbe, Minze, Melisse, Kamille, Salbei und die Gold- und Silberraute zu finden.

Mit der Kräuterweihe erinnert die katholische Kirche an die Graböffnung Mariens. Der Legende nach haben die Jünger Jesu darin nicht den Leichnam, sondern Rosenblüten und Kräuter gefunden.

Die Büschel werden getrocknet, zu Hause aufgehängt und sollen vor Unglück, Krankheit, Gewitter und Feuer schützen. Den Brauch gibt es etwa seit dem zehnten Jahrhundert.

Der Erlös aus dem Verkauf der „Weihsangen“ fließt an die Wallfahrtskirche. Deren Seelsorger Michael Holl bedankte sich bei allen Helferinnen, die viel Zeit investieren hätten, „damit unser Herz freudig und froh feiern kann“.