Marcel Schmidts trug nach seinem Jochbogenbruch eine Maske – gegen die TSG Hoffenheim II spielt er erstmals wieder ohne Gesichtsschutz. Foto: Baumann/Julia Rahn

Marcel Schmidts trug viel zum Aufstieg des SSV Ulm 1846 in die dritte Liga bei – durfte bei den Spatzen aber nicht weitermachen. Bei seinem neuen Club Stuttgarter Kickers ist der 29-Jährige aus der Stammelf nicht mehr wegzudenken. Was macht ihn so wertvoll?

Am Dienstag war die Erleichterung bei Marcel Schmidts groß: Erstmals nach seinem Jochbogenbruch konnte der Außenverteidiger des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers wieder ohne Maske trainieren. An diesem Samstag (14 Uhr/Gazi-Stadion) gegen die TSG 1899 Hoffenheim II darf der 29-Jährige dann auch im Punktspiel auf den Gesichtsschutz verzichten.

 

Verletzung am 4. August

Die Verletzung hatte sich der Neuzugang vom Drittliga-Aufsteiger SSV Ulm 1846 gleich im ersten Regionalliga-Saisonspiel am 4. August bei Kickers Offenbach (1:0) zugezogen. „Ich habe die Partie damals voller Adrenalin zu Ende gespielt, aber nach dem Abpfiff brutale Schmerzen verspürt“, sagt Schmidts. Nach einem kleinen operativen Eingriff pausierte er aber nur in den beiden folgenden Pflichtspielen gegen TuS Koblenz und beim TSV Weilimdorf. In allen anderen Partien stand er von der ersten bis zur letzten Spielminute auf dem Feld.

Der kampfstarke Dauer(b)renner selbst will das in seiner bescheidenen Art nicht allzu hoch hängen: „Wenn keine größeren Dinge passieren, wird auf der Außenverteidigerposition selten gewechselt.“ Doch Schmidts tut eben auch viel dafür, dass an ihm kein Weg vorbeigeht: Er rennt, ackert, gibt immer 100 Prozent, manchmal geht er – wie in Offenbach – auch über seine eigenen Grenzen hinaus. Er gehört zur Kategorie Mentalitätsspieler, wie ihn jede Mannschaft liebend gerne in ihren Reihen hat. „Marcel ist für uns ein wichtiger und zuverlässiger Stabilisator, der weiß, was in dieser Liga gefordert ist“, sagt Sportdirektor Marc Stein.

Rechts und links einsetzbar

Über solche Eigenschaften lässt sich gerade in der Regionalliga, in der es von der ersten bis zur letzten Minute intensiv zur Sache geht, viel bewegen. Doch die gesunde Mischung machte es. „Wir haben auch Spieler mit enormer individueller Qualität in unserem Team“, sagt Marcel Schmidts, der rechts in der Viererkette zu Hause ist, beim SSV 1846 aber jahrelang links spielte, meistens als Schienenspieler in einer Fünferkette.

Überhaupt Ulm. Über die Stationen 1. FC Eislingen (U19), 1. FC Heiningen und 1. Göppinger SV war er 2017 zu den Spatzen gewechselt. Sein letztes Jahr an der Donau bezeichnet nicht nur er selbst als seine beste Saison. In 27 Regionalligaspielen (vier Tore) trug er maßgeblich zum Aufstieg bei. In den Internetforen liefen die SSV-Fans Sturm, als bekannt wurde, dass sein auslaufender Vertrag nicht verlängert wird.

Verjüngung in Ulm

Geschäftsführer Markus Thiele überbrachte ihm die Nachricht – mit der Begründung, die Mannschaft müsse verjüngt werden. „Ich wäre ein schlechter Sportler, wenn mich das nicht enttäuscht hätte“, räumt Schmidts im Nachgang ein, der aber über Trainer Thomas Wörle kein schlechtes Wort verlieren möchte. Ganz im Gegenteil. „Ihm habe ich viel zu verdanken, unter ihm hat meine Weiterentwicklung noch einmal Fahrt aufgenommen.“

Jetzt will Schmidts alles geben, um über den Umweg Stuttgarter Kickers sein persönliches großes Ziel dritte Liga zu erreichen. „Die Blauen sind genauso wie Ulm ein Traditionsverein, der in diese Liga gehört“, betont Marcel Schmidts, der ein Infrastrukturmanagement-Studium abgeschlossen hat und einen Tag in der Woche bei der Stadt Göppingen im Bereich Verkehrsplanung arbeitet – vermutlich so engagiert wie auf dem Platz.

Zweikampfstärke und Konstanz

Er ist hinreichend geerdet und lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass es kontraproduktiv wäre, dies als kurzfristiges Saisonziel auszugeben: „Es gibt zwar keine Übermannschaft in dieser Liga, aber alle Spiele sind sehr eng. Es entscheiden grundlegende Dinge wie Zweikampfstärke und Konstanz. Wir wollen einfach eine gute Rolle und eine sorgenfreie Saison spielen.“

Die Fans seien dabei ein wichtiger Faktor. Dass sie auf der Waldau so nah am Spielfeld dran sind, bezeichnet er als den größten Unterschied zu Ulm, wo im Donaustadion eine Tartanbahn zwischen Spielfeld und Tribünen liegt. „Wenn die Zuschauer im Gazi-Stadion praktisch nur eine Armlänge von einem entfernt sind, dann macht das schon ganz besonders viel Spaß“, sagt Schmidts, der mit seiner engagierten Spielweise schon zu einem Publikumsliebling geworden ist.