Marcel Goc ist einer der erfolgreichsten deutschen Eishockey-Spieler aller Zeiten. Foto: Eibner

Marcel Goc ist einer der erfolgreichsten deutschen Eishockey-Spieler. Der Ex-Schwenninger spricht im Interview über seine Karriere, seine aktuelle Rolle im Trainerteam der Mannheimer Adler und die Entwicklung des Eishockeys in Deutschland.

In seiner aktiven Laufbahn zwischen 1999 und 2020 hat der 112-fache Nationalspieler unter anderem 699 Spiele in der National Hockey League (NHL) in Nordamerika für die San Jose Sharks, die Nashville Predators, die Florida Panthers, die Pittsburgh Penguins und die St. Louis Blues bestritten.

Zusammen mit seinen 388 Spielen in der Deutschen Eishockey Liga kommt der Center auf weit über 1000 Profi-Einsätze. Sein Debüt in der DEL gab er im jugendlichen Alter von 16 Jahren bei den Schwenninger Wild Wings. In der Saison 2001/02 wechselte er zu den Adler Mannheim, ehe es ihn 2003 nach San Jose an die US-Westküste verschlug.

Er hat mit der deutschen Nationalmannschaft acht Weltmeisterschaften bestritten – zudem drei Turniere bei Olympischen Spielen. Sein wohl größter sportlicher Erfolg ist der Gewinn der Silbermedaille mit dem deutschen Olympiateam bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang. Marcel Goc war damals Kapitän der Mannschaft. Inzwischen hat er seine aktive Karriere aufgegeben und ist als Development Coach bei den Adler Mannheim tätig.

Herr Goc, das Ende Ihrer Karriere kam wegen der Corona-Pandemie sehr plötzlich. Was war das für ein Gefühl?

Ich habe viele Jahre Eishockey gespielt. Die Entscheidung, dass ich aufhören werde, ist ja nicht über Nacht gefallen. Für mich war klar, dass es die letzte Saison sein wird. Natürlich konnte niemand damit rechnen, dass uns die Pandemie so trifft und wir die Runde abbrechen. Schade natürlich, dass die Runde abgebrochen wurde und wir die Play-Offs nicht mehr spielen konnten. Das wäre ein toller Abschluss gewesen.

Ist da nicht der Wunsch aufgekommen, noch ein Jahr dranzuhängen?

Nein, die Entscheidung war gefallen. Ich hatte zuvor lange darüber nachgedacht. Natürlich juckt es ab und zu. Es ist ja auch keine Entscheidung gegen das Eishockey. Ich bin mit dem Sport sehr verbunden und werde das auch bleiben.

Sie können auf eine außerordentliche Karriere zurückblicken, die schon sehr früh begonnen hat. Hatten Sie schon als Jugendlicher von der NHL geträumt?

Natürlich, denn schließlich ist es von jedem jungen Eishockeyspieler ein Traum, irgendwann in der besten Liga der Welt zu spielen. Dass er für mich in Erfüllung gegangen ist, verdanke ich vielen verschiedenen Faktoren.

Sie haben sechs Jahre bei den San Jose Sharks gespielt. War das auch ihre erfolgreichste Zeit?

Persönlich war für mich die Zeit in Nashville und Florida die erfolgreichste. Insgesamt hatte ich aber tolle Jahre in den Staaten. Jede einzelne Station hatte etwas Besonderes und hat mich zu dem Spieler und dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Die NHL, die Einsätze bei Weltmeisterschaften, dazu dreimal das Erlebnis Olympia. Was sind heute für Sie die unvergesslichsten Momente?

Die ersten Male vergisst man nie. Egal, ob das erste Spiel, das erste Tor – auch völlig unabhängig von Liga und Mannschaft. Ein besonderes Highlight war natürlich die olympische Silbermedaille. Auch der Gewinn der Meisterschaft hat sich für immer im Hirn eingebrannt.

Sie haben mehr als zehn Jahre in der stärksten Liga der Welt gespielt. Wie sehr prägt Sie das noch heute?

Sehr. Man lernt diszipliniert zu sein, sich an Vorgaben zu halten, andere Menschen und Meinungen zu akzeptieren, Zuverlässigkeit, Teamgeist. Von Anfang an wird einem klar, dass man nichts geschenkt bekommt, man sich Eiszeiten und Erfolg selbst erarbeiten und verdienen muss. Wichtig ist auch, Prioritäten zu setzen, auf manche Dinge zu verzichten.

Was war das letzte Spiel in Ihrer aktiven Karriere?

Wir haben vor einem Jahr in Mannheim gegen die Wild Wings gespielt. Es war das letzte Hauptrundenspiel der Saison 2019/20, danach folgte ja der frühzeitige Abbruch. Ich erinnere mich noch gut daran. Schließlich habe ich in Schwenningen die erste Zeit meiner Profi-Karriere verbracht. Damit schließt sich für mich der Kreis.

Eishockey ist eine Sportart, die von Emotionen lebt. Wie sehr fehlen die Zuschauer?

Da fehlt schon etwas, es ist einfach nicht dasselbe. Ich bin überzeugt, dass wenn Zuschauer bei den Spielen wieder zugelassen sind, diese auch wieder kommen werden. Die wollen Eishockey sehen und die Stimmung in den Hallen miterleben. Das ist etwas ganz anderes, als die Spiele im Fernsehen von der Couch aus zu erleben.

Was heißt das für Sie oder für die DEL-Teams?

Es ist wichtig, dass wir spielen. Genau genommen machen wir unseren Job und müssen unsere Leistung bringen – auch ohne Zuschauer. Es ist schon ungewöhnlich, dass man in der Halle fast alles hört. Normalerweise ist der Geräuschpegel sehr hoch. Ohne Zuschauer hört man jeden Check.

Jetzt sind Sie im Trainerteam der Adler Mannheim. Was ist Ihre Aufgabe?

Meine Aufgabenbezeichnung ist "Development Coach". Ich habe keine bestimmte Mannschaft, für die ich zuständig bin. Ich arbeite bei den Adlern in erster Linie mit jungen Spielern, die an die Spitze herangeführt werden sollen. Da kann ich meine Erfahrung einbringen. Das Jungadler-Projekt ist gut durchdacht und eine interessante Aufgabe. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass es erfolgreich bleibt. Der Weg an die Spitze ist schwer.

Die Jungadler Mannheim sind eine richtige Talentschmiede im deutschen Eishockey. NHL-MVP Leon Draisaitl und Supertalent Tim Stützle wurden wie viele andere dort ausgebildet. Gibt es aktuell weitere Spieler, denen Sie den Sprung in die NHL in den nächsten Jahren zutrauen?

Es gibt in Deutschland zweifellos talentierte junge Spieler, die es weit bringen können. Die Adler Mannheim sind sicherlich eine gute Adresse, was die Ausbildung von Eishockeyspielern angeht. Es ist schon eine tolle Sache, dass Leon Draisaitl in der stärksten Liga der Welt so Karriere macht. Er ist inzwischen ein echter Werbeträger für unseren Sport. Das tut uns gut. Auch Tim Stützle, der inzwischen in die NHL gedraftet wurde und jetzt in Ottawa spielt, hat das Zeug dazu, ein ganz Großer zu werden. Auch Nationalspieler Dominik Kahun, der inzwischen bei den Edmonton Oilers spielt, war einige Jahre bei den Jungadlern. Ein paar Dinge macht man hier in Mannheim schon richtig. Die Jungadler sind eine gute Adresse. Wir haben auch jetzt einige aussichtsreiche Talente. Was daraus wird – wir werden sehen.

Wie sehen Sie generell die Entwicklung im Eishockey hier in Deutschland?

In einem Land wie Deutschland, das so von Fußball dominiert wird, ist es für andere Sportarten nicht einfach. Bei uns steht Fußball ganz vorne, dann kommt lange nichts, dann Handball, Basketball und auch Eishockey. Erfolge wie der zweite Platz bei den Olympischen Spielen tun uns natürlich sehr gut. Jugendliche, die Kontakt zum Eishockey haben, sind begeistert von unserer Sportart und von der Stimmung. Leider kann Eishockey längst nicht überall angeboten werden. Wir haben nur eine begrenzte Anzahl an Eishallen.n  Hauptsport

  
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